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Wolfhager Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung wechselt ans Studienseminar Hofgeismar

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Von: Antje Thon

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Pfarrerin in Wolfhagen: Kathrin Wittich-Jung.
Verlässt Wolfhagen als Pfarrerin: Kathrin Wittich-Jung. Sie beginnt am 1. März in Hofgeismar am Studienseminar. Ihr Wohnort bleibt aber Wolfhagen. © Antje Thon

Vier Jahre arbeitete sie als Pfarrerin in Wolfhagen. Nun will Kathrin Wittich-Jung Neues wagen und tritt ab März eine Stelle als Studienleiterin am Evangelischen Studienseminar Hofgeismar in der Arbeitsstelle Gottesdienst an.

Wolfhagen - Am kommenden Sonntag, ab 18 Uhr, wird sie von ihrer Kirchengemeinde in einem feierlichen Gottesdienst mit dem Dekan des Kirchenkreises Hofgeismar-Wolfhagen, Wolfgang Heinicke, in der Stadtkirche verabschiedet. Mit ihrem neuen Job wird sich die 38-Jährige noch intensiver einer Aufgabe widmen, die ihr sehr am Herzen liegt: den Gottesdiensten. Künftig wird sie für die Gemeinden als Beraterin für dieses Thema ansprechbar sein. Steht bei der Ausbildung der Vikare die Gestaltung von Gottesdiensten auf dem Stundenplan, dann werden die angehenden jungen Pfarrerinnen und Pfarrer künftig auch Kathrin Wittich-Jung an ihrer Seite haben.

Für ihre neue Stelle bringt die Theologin, die weiterhin in Wolfhagen leben wird, viel Erfahrung mit und einen Koffer voll Ideen für moderne Formate. „Ich denke, wir müssen mehr raus aus den Gebäuden und hin zu den Menschen“, sagt die gebürtige Hombergerin. Sie zählt einige besondere Momente auf, die sie mit ihrer Gemeinde in Wolfhagen erlebt hat.

Da war Ostern 2019 das Tischabendmahl zu Gründonnerstag unter dem Abendmahlsfenster. Auf dem Platz hinter dem Altar in der Stadtkirche standen Tische mit köstlichen Speisen. 100 Menschen aßen gemeinsam und empfingen das Abendmahl. Corona habe verhindert, dass dieser Gottesdienst bislang nicht habe wiederholt werden können, sagt Wittich-Jung. Ein schöner Moment sei auch der Klappstuhl-Gottesdienst gewesen, auch wenn er wegen des Wetters doch in die Kirche habe verlegt werden müssen.

Beim Gottesdienst zum Almabtrieb in Philippinenburg gab es eine Taufe und einen Bullen, der so schwer ist wie ein VW-Golf. Unter dem Motto „Der Tanz des Lebens“ feierte sie zusammen mit Pfarrerin Katharina Ufholz, Bernd Geiersbach und der Tänzerin Junia in der Stadtkirche einen Tanzgottesdienst, der sie sehr bewegte. „Überhaupt, wenn Menschen mit dabei waren, den Gottesdienst mit mir vorbereitet und gefeiert haben – das ist das Schönste für mich.“

Mit Beginn der Pandemie setzte sie zusammen mit ihrem Mann Martin Jung, mit dem sie sich die Pfarrstelle bislang teilte und der ab März ihren Part übernehmen wird, Kollegin Ufholz und den Ehrenamtlichen neue Akzente. Weil die Menschen nicht in die Kirche kommen konnten, kam die Kirche im Streaming-Format zu den Menschen in die Wohnzimmer. Erstmals im Kirchenkreis konnten Christen von zuhause aus live am Gottesdienst teilnehmen. „Inzwischen machen wir das hybrid.“ Man kann also in die Kirche kommen oder daheim dabei sein. Wittich-Jung geht davon aus, dass diese Variante des Gottesdienstes bleiben wird, auch dann, wenn Corona einmal kein Thema mehr sein wird.

Die Mahnwachen für Demokratie, Menschenwürde und Frieden – gegen Hass, Rechtsextremismus und Terror, die nach der Ermordung Walter Lübckes im Sommer 2019 erstmals und dann wiederkehrend auf Wolfhagens Marktplatz stattfanden und für die sie zusammen mit dem damaligen Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke verantwortlich war, seien prägende Erlebnisse gewesen. Diese Veranstaltung lagen ihr sehr am Herzen.

Wertvoll seien für sie die Begegnungen mit den Menschen gewesen. „Die vielen großen und kleinen Worte in den Küchen und Wohnzimmern, die „zwischendurch“ beim Einkaufen und die fest verabredeten, die an den Kranken- und Sterbebetten werde ich vermissen“, sagt die Theologin, die ihre erste Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Rauschenberg-Ernsthausen hatte, von wo sie im Jahr 2018 nach Wolfhagen gewechselt war. „All das lässt mich eben auch mit einem weinenden Auge gehen.“ (Antje Thon)

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