Mobile Fahrzeugsperre bei Veranstaltungen

Terrorschutz für Breuna: Ausschuss stimmt für gemeinsamen Kauf mit Nordwaldeck

Menschen gehen auf einer Straße zwischen Barrikaden entlang.
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Mobile Fahrzeugsperre Armis One bei Veranstaltungen: Die Consel Group Schweiz stellt entsprechende Barrieren her, die bald auch in Bad Arolsen, Volkmarsen, Diemelstadt und Breuna zum Einsatz kommen sollen.

Die Gemeinde Breuna will Festzüge und öffentliche Feiern vor Terroranschlägen schützen. Dazu sollen gemeinsam mit den Städten Bad Arolsen, Volkmarsen und Diemelstadt Fahrzeugsperren angeschafft werden.

Breuna – Diesem Beschluss hat der Haupt- und Finanzausschuss der Gemeinde Breuna am Dienstagabend zugestimmt. Das Gemeindeparlament berät darüber am 13. Oktober. Auf Breuna kommt eine Kostenbeteiligung in Höhe von 35 700 Euro zu.

Gegen eine solche Kooperation hatte sich bisher nur das Parlament der Gemeinde Twistetal entschieden. Ein zu erwartender Gesetzestext werde demnächst Sperrungen durch Trecker oder Güllefässer untersagen. Das Land unterstütze das Vorhaben mit 100 000 Euro. Mit dem Innenministerium werde über weitere Fördermittel verhandelt.

Zusätzlich zu den Barrieren sollen auch Sicherheitskonzepte für Vereine aufgestellt werden. Hintergrund ist unter anderem auch die Amokfahrt beim Karnevalsfestzug in Volkmarsen Ende Februar, bei dem über 150 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.

Nicht viel Zeit für die Umsetzung

Der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst erklärte auf Nachfrage, dass auch eine Einbindung der Gemeinde Diemelsee in das Projekt geprüft werde. Gespräche würden bereits laufen.

Im Innenministerium werde dieses Projekt in interkommunaler Zusammenarbeit mit Begeisterung gesehen und als Pilotprojekt betrachtet, wie van der Horst sagte. „Wir haben nicht viel Zeit für die Umsetzung, obwohl bereits die meisten Veranstaltungen auf das Jahr 2022 verschoben wurden. Aber bis das Projekt umgesetzt ist, sind wir schon sehr sportlich unterwegs“, erklärte van der Horst.

Im Ausschuss in Breuna gab es auch die Frage nach der Dringlichkeit der Entscheidung. „Wir wären die ersten, die eine Förderung bekommen“, erklärte Bürgermeister Jens Wiegand. Ganz klar aber war sowohl der SPD als auch der CDU-Fraktion das Signal, das damit gesendet werde: „Wir zeigen der Bevölkerung und den verantwortlichen Bürgermeistern und Ortsvorstehern, dass wir sie schützen wollen.“

Sicherheit steht an erster Stelle

Ohne entsprechende Barrieren können Festumzüge oder öffentliche Feste nicht mehr stattfinden. Die Fragen der Ausschussmitglieder dienten aber nicht zur Entscheidungsfindung, denn das Signal aus Breuna war eindeutig: Der Schutz steht an erster Stelle. Sowohl für die Bevölkerung, als auch für die, die Verantwortung tragen.

„Es ist eine schlimme Entwicklung, die wir da haben“, sagte Friedhelm Becker von der CDU und meinte damit die Entwicklung der Anschlagsgefahren, nicht zuletzt der Amokfahrt in Volkmarsen. Er forderte eine enge Zusammenarbeit der Ordnungsbehörden. Dass Breuna Barrieren kauft, bevor ein neues Gesetz erscheint und er sich über die Geschwindigkeit zur Entscheidung wundere, daraus machte Becker kein Geheimnis. Breunas Bürgermeister Jens Wiegand stand Rede und Antwort. So gibt es für dieses Projekt Fördergeld des Landes Hessen, deshalb sei eine zeitnahe Entscheidung notwendig.

Hier geschah das Unglück: Nach der Amokfahrt in Volkmarsen soll ein neues Konzept für mehr Sicherheit bei Festumzügen sorgen.

Frank Trampedach von der SPD hatte Fragen zur Logistik. „Wer holt die, wo stehen die“, wollte er wissen. Der Standort der Barrieren soll Bad Arolsen sein, wie Jens Wiegand erklärte. Auch die Logistik sei kein Problem, verschiedene Feste und Märkte würden abgestimmt. Beim Bad Arolser Viehmarkt gebe es parallel keine weitere Großveranstaltung. Kirmesfeiern, Schützenfeste und andere Veranstaltungen würden entsprechend abgestimmt.

Das Unternehmen Herne Protect hat extra Fotos von den entsprechenden Lkw-Sperren auf Nachfrage der HNA zur Verfügung gestellt. Herne Protect-Geschäftsführer Christian Barz freute sich über das positive Votum aus Breuna. Die Lkw-Sperre sei das einzige Produkt am Markt, das nicht nur nebeneinander, sondern auch hintereinander zu verbinden ist. Auf diese Weise könne man den Widerstandsgrad massiv erhöhen.

Weiterfahrt durch Lkw-Sperren gestoppt: Solche Sperren wollen die Städte Bad Arolsen, Volkmarsen, Diemelstadt sowie die Gemeinde Breuna gemeinsam anschaffen. So sollen Festumzüge und Festplätze vor Anschlägen gesichert werden. Das Bild zeigt einen Crash-Test des Unternehmens Herne Protect.

Bei einem Aufprall verkeilt beziehungsweise bohrt sich die vordere Einheit in den Unterboden des Fahrzeuges. Sofern das Fahrzeug noch weiterfahren kann, verkeilt sich nach Kippen der zweiten Einheit das Material im Unterboden des Fahrzeuges beziehungsweise durchstößt diesen. Eine Weiterfahrt ist nicht mehr möglich.

Lars Voigtländer (SPD) sieht in der positiven Entscheidung des Ausschusses in Breuna ein richtiges Signal an die Bevölkerung. Und auch wenn die Entscheidung sehr eilig getroffen werde: „Wir sollten das tun“, sagte Voigtländer. Dass Breuna immer öfter mit Waldecker Kommunen kooperiere, verwunderte auch keinen der Ausschussmitglieder. „Aus Wolfhagen kommt ja nichts“, hieß es einhellig.

Festzüge nur noch mit Sicherheitskonzept

Eine Genehmigung von Festumzügen wird nach dem Vorfall in Volkmarsen nur noch mit einem Sicherheitskonzept möglich sein. Ein Leitfaden wird durch das Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit mit Bad Arolsen, Volkmarsen, Diemelstadt und Breuna, eventuell noch Naumburg und Diemelsee, den Vereinen zur Verfügung gestellt. Eine Vorgabe wird unter anderem sein, dass zertifizierte Straßensperren eingesetzt werden. (Monika Wüllner)

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