Militärischer Vergangenheit auf der Spur

Dirk Lindemann schreibt Buch über die Geschichte des Gasterfelderholzes in Wolfhagen

Arbeitet an Buch über das Gasterfelderholz: Dirk Lindemann aus Ippinghausen.
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Arbeitet an Buch über das Gasterfelderholz: Dirk Lindemann aus Ippinghausen.

Wolfhagen – Über die militärische Geschichte des Gasterfelderholzes ist viel Gras gewachsen. Die Natur hat über Bunker, Gebäude und Schienen einen grünen Teppich gewebt, der mit jedem Jahr dichter wird.

Der Ippinghäuser Autor Dirk Lindemann hat sich dem Gelände in den vergangenen Jahren mit Foto- und Videokamera genähert und erstellt derzeit eine bildreiche Dokumentation. Spätestens im Dezember soll sein Buch „Gasterfelderholz 1939 - 2019“ im Litho-Verlag erscheinen. Herausgeber ist der Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen.

Erstmals erwachte Lindemanns Interesse an der ehemaligen Munitionsanstalt (Muna) und den militärischen Anlagen Mitte der 2000er-Jahre. Als er hörte, dass sich die Bundeswehr aus Wolfhagen zurückziehen würde, nahm er Kontakt mit der Bataillonsführung auf. Der heute 79-Jährige bat darum, Film- und Fotoaufnahmen machen zu dürfen. Dabei ging es ihm nicht nur um das Gelände an sich, sondern auch um eine Dokumentation des laufenden Betriebs mit Manövern, Kasernenleben, Biwak, Gelöbniszeremonien und Vorbereitungen auf Einsätze im Kosovo.

Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden die Bunker. Für seine Recherche hat der Rentner einen Plan der ehemaligen Muna, der in die Zeit des Zweiten Weltkrieges datiert, mit einer Luftaufnahme der heutigen Situation verschnitten. Zusammen mit dem an Heimatgeschichte interessierten Horst Petri zog er los und suchte unter Gestrüpp nach Bunkern. „Etwa 90 Prozent der Anlagen konnten wir nachweisen“, sagt Lindemann, der anhand historischer Unterlagen von 122 Standorten ausgeht. Mitunter seien Straßen über die Bunker gelegt worden. Und nicht alle Bauwerke hätten sich in der Erde befunden, teilweise muss Munition auch an leichter zugänglichen Plätzen gelagert worden sein.

Dann widmete sich Lindemann den Gebäuden im Gasterfelderholz. Eigentlich habe er dazu in sein Buch nicht viel aufnehmen wollen, weil die Gebäude bereits Bestandteil einer Chronik sind. Doch als er im Jahr 2010, also zwei Jahre nach dem Abzug der Bundeswehr, einen Spaziergang über das Gelände unternahm, war er überrascht, wie flott der Verfall vonstattenging. Häuser waren ramponiert, die Panzerwaschanlage demoliert. Die Natur hatte begonnen, sich die Infrastruktur unaufhaltsam einzuverleiben. Er verstand es als Aufforderung, auch diese Entwicklung festzuhalten.

Dirk Lindemann fotografierte den Prozess zwischen den Jahren 2010 und 2012, die aktuellesten Aufnahmen entstanden im vergangenen Jahr. Die Fotos finden Eingang in sein 250 Seiten starkes Buch. Für die Informationen zu den Fotos griff er auf vorhandene Literatur, Chroniken und Festschriften zurück. Zudem führte er Gespräche mit ehemaligen Bundeswehrbediensteten. „Es war eine Mordsarbeit, vor allem die Recherche“, sagt der Ippinghäuser wenige Wochen vor Fertigstellung der Dokumentation, die vor allem für Menschen spannend sein dürfte, die verwoben sind mit dem Panzerbataillon und dem Panzergrenadierbataillon und die sich für die Wolfhager Geschichte interessieren.

Das Buch wird um die 30 Euro kosten und kann in der Buchhandlung Mander in Wolfhagen erworben werden. Die Auflage wird sich an der Nachfrage orientieren. (Antje Thon)

Parade zum 10-jährigen Bestehen des Panzerbataillons 54. Panzer passieren die Ehrentribüne vor der ehemaligen Shell-Tankstelle Loose in Wolfhagen.

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