Hüter des Plattschwatzes

Mundartdichter Herbert Jacob feiert seinen 80. Geburtstag

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Mundartdichter Herbert Jacob: Der gebürtige Bründerser feiert seinen 80. Geburtstag - hier mit seinen ersten veröffentlichten Büchern „Plattgeschwatze“ und „Guden Nohwet unn gude Nacht“. 

Hochdeutsch lernte er als erste Fremdsprache: Herbert Jacob, Mutartdichter aus Bründersen, wird heute 80 Jahre alt. 

Wolfhagen – „Es ist alles bestens!“, sagt Herbert Jacob, der gesund und vital am 25. März 80 Jahre alt wird. Sauer ist er nur auf den Corona-Virus, der ihm „die Geburtstagsfeier mit Familie und Freunden vermasselt habe“.

Obwohl Herbert Jacob mit seiner Ehefrau Doris im September 2019 nach Wolfhagen zog, ist und bleibt seine Heimat das Dorf Brüngelsken (Bründersen). Mit dem Niederdeutschen ist er aufgewachsen und „lernte als erste Fremdsprache Hochdeutsch“, wie er sagt. Geschichten über seinen Heimatort haben ihn schon immer interessiert, doch die Erhaltung des Plattdeutschen wurde zu seiner Passion. 

Herbert Jacob: So entdeckte er seine Liebe zum Plattdeutschen

Den Stein ins Rollen brachten die Karnevalsfeiern in den 70er Jahren in Bründersen. Zuerst schrieb Herbert Jacob nur Büttenreden ab, dann „übersetzte“ er sie ins Plattdeutsche und entwarf eigene Reden. Dabei entstanden lustige Geschichten über Bründerser Bürger und vergangene Zeiten.

Den eigentlichen Ausschlag für sein Interesse an der Mundart gab allerdings der Hessische Rundfunk und der Moderator „Hessenhenner“ Reinhard Umbach. Jacob nahm an einer Quizsendung teil und kam dadurch in Kontakt zum Radioreporter, der sich für die Erhaltung der Dialekte aussprach.

Bald darauf fand in 1998 in Metze ein Treffen mit Karl-Heinz Käsinger, Werner Guth, dem Mundart-Pfarrer Dieter Otto, Reinhard Umbach und Herbert Jacob statt. Sie organisierten den ersten Mundart-Tag in der Kirche in Metze mit über 600 Besuchern. „Das war das erste Mal, dass der Pfarrer die Kirche wegen Überfüllung schließen musste“, erinnert sich Herbert Jacob schmunzelnd. 

Er war Mitbegründer der „Gesellschaft für nordhessische Mundart“ im Jahr 1999, veröffentlichte viele Geschichten im „Mundart-Kurier“ und schrieb insgesamt fünf Bücher und ein Liederbuch in Plattdeutsch.

Auch Dorfgeschichte hielt er durch sein Engagement fest

Herbert Jacob hat mit seinen Geschichten in Plattdeutsch auch gleichzeitig ein Stück Dorfgeschichte festgehalten. So veröffentlichte er zusammen mit Ortsvorsteher Heinz Löber einen Bildband über Bründersen und erfand den Plattschwatz-Äkwator, eine sprachliche Grenze zwischen Niederdeutsch und Niederhessisch. Sein Engagement zur Erhaltung der Mundart wurde in 2015 mit dem Kulturpreis der Stadt Wolfhagen belohnt.

Doch das Leben des 80-Jährigen bestand nicht nur aus Mundartgeschichten. Nach der Schule konnte er seinen Berufswunsch Schlosser nicht verwirklichen, denn er musste in der elterlichen Landwirtschaft in Bründersen helfen. Später arbeitete er bis zur Rente im VW-Werk in Baunatal und im landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb zuhause. Das Ehepaar hat zwei Kinder und vier Enkelkinder.

Überhaupt sei die Familie das Wichtigste in seinem Leben und habe ihm immer Halt gegeben, bestätigt Herbert Jacob. Er kümmert sich sehr um seine Enkelkinder und hofft, dass sie vielleicht mal Interesse am Plattschwatzen haben werden.

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