Nach Kritik an Radwegen

Stadt Wolfhagen bezieht Radfahrer in Arbeitsgruppe mehr mit ein

Zwei Radfahrer fahren auf einer Landstraße, im Hintergrund kommt ein Auto angefahren.
+
Radfahrer auf einer Landstraße: Wie hier auf dem Radfernweg R 4 nahe Laar zwischen Niedermeiser und Zierenberg führen Radwege auch an vielen Stellen im Wolfhager Land über vielbefahrene Landstraßen. (Archivfoto)

Das Radwegenetz im Wolfhager Land wird von vielen Radfahrern kritisiert. Die Stadt Wolfhagen reagiert darauf. Sie bezieht Bürger mehr in Planungen mit ein und macht damit ihre Arbeit transparenter.

Wolfhagen – Viele Radfahrer in Wolfhagen wünschen sich Verbesserungen der Radwege. Um das der Stadtverwaltung deutlich zu machen, gab es zuletzt Anfang September eine Radtour durch das Wolfhager Land, bei der auch Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) und Landrat Uwe Schmidt (SPD) teilgenommen hatten.

„Die Fahrradwege im Bereich Wolfhagen sind in der Tat eine Katastrophe“, sagt Harald Becker. Der 75-Jährige ist leidenschaftlicher Radfahrer und fährt nach eigenen Angaben jährlich 2000 Kilometer.

Daher kennt er die Radwege in Wolfhagen und den Nachbarkommunen sehr gut und setzt sich bewusst für Verbesserungen der Radinfrastruktur ein.

Arbeitsgruppe der Stadt erhält positive Rückmeldungen

„Man muss fairerweise sagen, dass sich bereits vieles getan hat“, sagt Becker. Allerdings seien viele Wege nicht optimal für Radfahrer gewählt und beispielsweise nicht bei jedem Wetter befahrbar.

Das sieht er auch als Problem für junge Familien mit Kindern. Trotzdem betont Becker: „Man muss das Thema konstruktiv mit der Stadt angehen. Es nützt nichts, sie nur zu kritisieren, aber nicht gemeinsam daran zu arbeiten.“

Aus diesem Grund habe er bereits an Sitzungen eines Arbeitskreises teilgenommen, den die Stadt Wolfhagen einberufen hatte. Sein Eindruck davon sei durchweg positiv.

In diesem Arbeitskreis sind mehrere Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Verwaltung beteiligt. Neben Wolfhagens Klimaschutzmanager Markus Huntzinger zum Beispiel Vertreter vom Ordnungsamt und Mitarbeiter des Bereichs Tourismus.

„Von den Bürgern, die bisher an Sitzungen des Arbeitskreises teilgenommen haben, haben wir viel Positives gehört“, sagt Huntzinger.

Stadt-Personal wegen Corona weitgehend ausgelastet

Die Entwicklung eines Radverkehrskonzepts der Stadt Wolfhagen habe darüber hinaus „gut Fahrt aufgenommen“, wie er sagt.

Darin wolle man alle wichtigen Aspekte berücksichtigen: von Ausbesserungen vorhandener Radwege über Beschilderungen bis zu Abstell-Anlagen.

Ein solches Konzept aufzustellen, brauche jedoch Zeit. „Das Problem ist einfach, dass wir als Stadt das große Ganze sehen und langfristig denken müssen. Deshalb können wir nicht einfach mal hier und mal dort etwas ausbessern.“

Hinzu komme, dass das Personal der Stadtverwaltung weitgehend ausgelastet sei, wie Helmut Rupp vom Ordnungsamt sagt.

Das liegt vor allem an dem bestehenden Teil-Lockdown. Sich zum Beispiel vielen Schildern zuzuwenden, erfordere einen hohen personellen Aufwand, so Rupp.

Es gebe allerdings nur einen Ordnungsamt-Mitarbeiter für den Außendienst. „Für den Radverkehr kann ich aber ja nicht einfach einen Standesbeamten abkommandieren.“

Kritik an Schildern: Radfahrer meist über Landstraßen geleitet

Im Fokus für Verbesserungen im Radwegenetz stehen bei Radfahrern vor allem ungünstig gewählte Beschilderungen und als Radwege gekennzeichnete Graswege. Protokolliert wurden alle Mängel bereits von dem Radbeauftragten des Landkreises, Stefan Arend, bei der Tour mit Landrat Uwe Schmidt im September.

„Ein Problem ist vor allem die Landstraße nach Nothfelden. Die darf nicht als Radweg ausgeschildert sein“, sagt Radfahrer Harald Becker.

Diese steile Strecke könne man nur langsam oder schiebend bewältigen. Der Tempounterschied zu den mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde fahrenden Autos aus Richtung Wolfhagen sei gefährlich.

Auch im Wolfhager Stadtteil Leckringhausen verdeutlicht sich das Schilder-Problem: Aus Wolfhagen gibt es einen Radweg über Feld- und Waldwege nach Leckringhausen. In Leckringhausen selbst ist als Radweg nach Wolfhagen allerdings nur die auch von Autos befahrene Landstraße ausgezeichnet.

Fehlender Wegweiser: In Leckringhausen weisen Schilder Radfahrern den Weg nach Wolfhagen über die Landstraße, obwohl bessere Alternativen über Waldwege und den Hellen Platz führen (im Bild Richtung Freienhagen).

„Alle Radwege sollten bei jedem Wetter befahrbar sein, auch von Kindern auf Familien-Touren“, sagt Becker. Es müsse berücksichtigt werden, dass nicht alle Radfahrer Alternativ-Routen kennen.

Ein Grasweg soll 2021/2022 ausgebaut werden

Als Radwege markiert sind auch Graswege sowohl entlang der Hessencourier-Bahnstrecke zwischen Balhorn und Altenstädt als auch zwischen Istha und Martinhagen.

Laut der Stadt Wolfhagen will sich das Land Hessen der Strecke zwischen Istha und Martinhagen im kommenden Jahr und 2022 in Form eines Lückenschlusses widmen. Für den Weg an der Bahnstrecke seien Bad Emstal und Naumburg zuständig.

Ein weiteres Problem, das im Radtour-Protokoll festgehalten wurde, sind mehrere zugewachsene Schilder, beispielsweise nahe des Hellen Platzes bei Wolfhagen sowie in Istha. „Das ist aber bereits in Arbeit“, sagt Markus Huntzinger von der Stadt.

Hinzu kommen laut Becker Schlaglöcher und Unebenheiten auf dem Radfernweg R 4.

Das Protokoll der Radtour mit Landrat Schmidt verdeutlicht also: Es geht den Radfahrern nicht um teure Neubauten, sondern um kleine, dafür aber mehrere Mängel.  (Jan Trieselmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.