Situation ist derzeit entspannt

Nach Super-Sommer 2018: Pilze haben sich erholt

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Zufrieden mit der Ausbeute: Biologe Roman Krettek hat während eines Waldspaziergangs überraschend viele Pilze gefunden. Vergangenes Jahr sah das um diese Zeit ganz anders aus.

Während die Wälder im Wolfhager Land noch unter der Trockenheit aus dem Super-Sommer 2018 leiden, sieht es bei den Pilzen wieder besser aus.

„Ich hatte nicht so viele Pilze erwartet, das war überraschend“, sagt Pilz-Experte Roman Krettek nach einem Ausflug in den Wolfhager Stadtwald.

Vergangenes Jahr hatte es wegen der Dürre im Sommer riesige Lücken im Pilzwachstum gegeben. In diesem Jahr sieht das schon wieder besser aus. 18 Arten hat Krettek auf Anhieb gefunden – die meisten essbar. Pilzsammler kommen also in diesem Jahr auf ihre Kosten.

„Wenn wir nur wenige Pilze sehen, bedeutet das nicht, dass auch nur wenige da sind“, erklärt Krettek. Pilze seien Überlebenskünstler. Sei es sehr trocken, bildeten sie keine Fruchtkörper – also das, was man gemeinhin als Pilz bezeichnet. Die Myzel, also die Teile, die im Boden oder im Holz verborgen sind, sind aber immer da. „Sobald es regnet, bildet der Pilz dann seinen Fruchtkörper, wird also sichtbar.“

Wie die Pilze in den kommenden Wochen wachsen, hängt also vom Wetter ab. Pilze lieben es warm und feucht. „Generell gibt es eine Verschiebung der Pilzsaison“, so Krettek. Eigentlich sei die klassische Pilzzeit im September und Oktober. Mittlerweile könne man wegen weniger Frost aber auch im November und Dezember noch gut Pilze sammeln.

Auf was sich Pilzsammler allerdings einstellen müssen, ist eine Artenverschiebung. Einige derzeit heimische Arten würden wegen der Klimaveränderungen gen Norden wandern, erklärt Krettek. Gleichzeitig seien schon jetzt Arten in der Region zu finden, die früher typisch für Länder wie Italien gewesen seien. Auf einige beliebte Arten müssen Sammler also künftig verzichten.

Für die Bäume ist die Artenverschiebung zunächst kein Problem. Sie können mit mehreren Pilzen eine Symbiose, also eine Lebensgemeinschaft, eingehen, um zu wachsen. „Allerdings können eingewanderte Arten Krankheiten verursachen, die dann den Bäumen schaden“, erklärt Krettek.

Pilze recyceln den Wald

7000 Großpilzarten gibt es in Deutschland, 700 davon sind im Wolfhager Stadtwald zu finden. Sie sind überlebenswichtig für die Wälder. „Die Bäume können ohne die Symbiose mit den Pilzen gar nicht leben“, erklärt Roman Krettek. Pilze seien dafür zuständig, den Wald zu recyceln, der sonst in seinem eigenen Abfall aus Totholz ersticken würde.

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