Ehepaar aus Fritzlar wurde überrascht

Nach über 600 Jahren wieder eine Hochzeit auf der Weidelsburg

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Trauung unter freiem Himmel: Auf der Weidelsburg gab sich das Brautpaar Ingrid und Horst Schmidt vor Pfarrer Bernd Loose das kirchliche Ja-Wort. 

Ippinghausen. Für die im Fritzlarer Stadtteil Obermöllrich lebenden Horst und Ingrid Schmidt, die sich bereits am 1. Dezember 1999 vor dem Standesbeamten der Domstadt das Ja-Wort gaben, war es eine Herzensangelegenheit, zukünftig ihren gemeinsamen Lebensweg als Ehepaar auch mit dem kirchlichen Segen zu beschreiten.

Diesen wollten die beiden nicht vor dem Altar in einem Gotteshaus gespendet bekommen, sondern in Gottes freier Natur. In Absprache mit dem Obermöllricher evangelischen Gemeindepfarrer Bernd Loose sollte die kirchliche Trauung deshalb im heimischen Schmidtschen Garten erfolgen. Doch ohne das Wissen des Brautpaares kam es dann ganz anders.

Die in Altenstädt lebende Tochter von Ingrid Schmidt, Sandra Fräbel, besuchte am Vormittag des vorgesehenen Trautages die beiden Hochzeiter und eröffnete ihnen, dass der Traugottesdienst im heimischen Garten ausfällt. Beide sollten aber bis Mittag im Hochzeitsgewand bei ihr in Altenstädt erscheinen. Was die Eheleute auch taten. Im festen Glauben, dort im Fräbelschen Garten würde alles über die Bühne gehen.

Doch als sie in Altenstädt eintrafen, wartete auf das Brautpaar eine Riesenüberraschung. Zuerst aus ihrer Sicht eine negative, die dann aber in große Freude umschlug. Im Garten der Tochter war nämlich nichts für eine Open-Air-Trauung zu entdecken, vielmehr wartete dort eine festlich geschmückte, von zwei Pferden gezogene offene Kutsche auf sie. In diese mussten Ingrid und Horst Schmidt einsteigen. Wohin die Fahrt ging, wurde ihnen nicht verraten.

Brautpaar wurde überrascht

Ziel war die Weidelsburg, wo die über 30-köpfige Hochzeitsgesellschaft und auch Pfarrer Bernd Loose schon warteten. Der Geistliche spendete dann an einem im Burghof aufgebauten Altar während eines festlichen Gottesdienstes den kirchlichen Segen. Die Trauung im Burghof der größten nordhessischen Burgruine, die als beliebtes Wanderziel zudem Wahrzeichen des Wolfhager Landes und des Naturparks Habichtswald ist, war wohl die erste nach 605 Jahren.

Vermutlich letztmals im Jahr 1412 fand dort ein großes Hochzeitsfest mit Glanz und Gloria statt. Damals ehelichte Reinhard von Dalwigk, der 20 Jahre später vom Mainzer Bischof Konrad zum Amtmann und Burgherr der Weidelsburg ernannt wurde, Agnes von Hertingshausen, genannt Nese. „Nese“ ist eine der Frauen, die die Sage von der hessischen Weibertreue mit begründete.

Als nämlich die Truppen des hessischen Landgrafen Ludwig anno 1448 die Burg des Raubritters und Landfriedensbrechers Reinhard von Dalwigk ein- und diesen festnahmen, gewährte der Landgraf den Frauen „mit dem Liebsten, was sie tragen konnten“ freien Abzug. Die Frauen nahmen ihre Männer huckepack und sicherten ihnen damit die Freiheit ohne Bestrafung.

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