„Mit Lust und Liebe gearbeitet“

Familie Hable gibt die Eierproduktion in Naumburg nach über 60 Jahren auf

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Zerbrechliche Ware: Mehr als 60 Jahre drehte sich auf dem Naumburger Geflügelhof alles um das Hühnerei. Cilly Hable mit Schwiegertochter Tanja und Junior Jakob an der Sortiermaschine

Nach mehr als 60 Jahren verabschiedet sich Familie Hable von ihren Kunden, die sie viele Jahre mit frischen Eiern aus ihrem Geflügelhof beliefert haben.

Noch stehen gut 4000 von einst 6000 Hennen in den Ställen des Hofes hinter dem Naumburger Burghain. Die Tiere legen täglich an die 3500 Eier, die allerdings seit dem 1. November schon nicht mehr von den Hables vermarktet werden. Das  Sortieren, Einpacken und Transportieren der zerbrechlichen Ware hat inzwischen die Firma Rennert aus Niederelsungen übernommen.

„Jetzt werden bei uns die Eier nur noch aus dem Stall gesammelt und unsortiert an die Firma Rennert abgegeben“, sagt Chef Jürgen Hable, aber auch das ist nur noch eine Aufgabe auf Zeit, denn irgendwann im Frühjahr kommenden Jahres wird komplett Schluss sein und das letzte Huhn den Hof verlassen.

Ein stiller Abgang nach mehr als 60 Jahren

Von langer Hand vorbereitet sei die Geschäftsaufgabe gewiss nicht, betont der 47-Jährige. Und er versichert: „Wir machen es auf jeden Fall nicht aus wirtschaftlichen Gründen.“ Der Laden lief, läuft bis heute bestens. Und: „Wir haben alle mit Lust und Liebe gearbeitet“. Aber manchmal funkt einem der Zufall dazwischen. Und so war es auch bei Jürgen Hable.

Eher beiläufig wurde er bei einer Familienfeier auf eine freie Stelle bei der Stadt Kassel hingewiesen: Sportamt, Pflege der Sportanlagen, ein Job vorzugsweise an der frischen Luft, normale Arbeitszeiten, freie Wochenenden. Allemal interessant, um es später zuhause eingehend mit der Familie, mit Ehefrau Tanja und Mutter Cilly, zu besprechen. Und es fanden sich gute Gründe, die für eine Bewerbung und eine berufliche Veränderung sprachen.

Freuen sich über mehr freie Zeit, vor allem an den Wochenenden: Tanja, Jürgen und Cilly Hable (von links).

Seit dem Tod von Jürgen Hables Vater „lastet alles auf Jürgens Schultern“, sagt Mutter Cilly. „Wenn er zwischenzeitlich mal ernstlich krank geworden wäre, dann wäre alles zusammengebrochen.“ Wenn Jürgen und Tanja Hable mit den beiden knapp vier und zehn Jahre alten Kindern Urlaub machen wollen, muss Mutter Cilly die gesamte Verantwortung übernehmen, selbst für die technischen Dinge. 

Sie ist zwar flott wie eh und je, hat sich aber als Marke für den wohlverdienten Ruhestand ihren 70. Geburtstag gesteckt, den sie in dieser Woche gefeiert hat.

Personell wäre der Betrieb aber ohne die Mutter nur mit zusätzlichem Kräften zu stemmen, wobei Ehefrau Tanja, hauptberuflich Berufschullehrerin, nebenbei bislang die Bereiche Verwaltung sowie die hofeigene Nudel- und Eierlikörproduktion betreut hat.

Also hat sich Jürgen Hable, gelernter Feinmechaniker, ausgebildeter Landwirt und Tierwirtschaftsmeister der Fachrichtung Geflügel bei der Stadt Kassel beworben. Und seit Juni arbeitet er bereits im neuen Job.

Keine leichtfertige Entscheidung

Leichtfertig gebe man den Familienbetrieb ganz sicher nicht auf, betont Jürgen Hable, der von sich selbst sagt, Landwirt mit Leib und Seele zu sein. Das wird er auch bleiben, künftig wird er im Nebenerwerb Ackerbau betreiben.

Hühner aber werde es ab kommendem Frühjahr auf dem Hof keine mehr geben, ist sich die Familie einig, nicht mal für den eigenen Bedarf. „Eier kaufen wir dann wie andere auch im Laden.“

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