Der Bauträger will Schandfleck in Wolfhagen abreißen

Neuer Wohnraum für Wolfhager Altstadt

Wird bald abgerissen: Seit mehr als zehn Jahren gammelt das Haus in der Dellbrückenstraße 21 vor sich hin. Die Weibu Wohnbau mit Chef Jens Harseim will am Standort Eigentumswohnungen schaffen.
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Wird bald abgerissen: Seit mehr als zehn Jahren gammelt das Haus in der Dellbrückenstraße 21 vor sich hin. Die Weibu Wohnbau mit Chef Jens Harseim will am Standort Eigentumswohnungen schaffen.

Geplant sind deshalb städtische Baugebiete im Bereich der Kurfürsten - bis zur Herderstraße und an der Hans-Staden-Straße.

Wolfhagen – Die hohe Nachfrage nach Bauplätzen und Wohnungen ist in der Kernstadt Wolfhagen enorm.

Sehr zum Missfallen des Regierungspräsidiums in Kassel, das jüngst den Flächenverbrauch der Stadt anmahnte. „Es ist ein Balanceakt, auf der einen Seite Interessenten für Neubauten einen Bauplatz anbieten zu können und auf der anderen Seite die zunehmende Versiegelung zu verhindern“, so Bürgermeister Reinhard Schaake.

Seit mehr als zehn Jahren gammelt das Haus in der Dellbrückenstraße schon vor sich hin. Die Bauaufsicht hatte bereits im Jahr 2011 mit der Erbengemeinschaft Kontakt aufgenommen, weil das Gebäude schon damals in einem desolaten Zustand war.

Wegen Einsturzgefahr wurde es später abgestützt und mit einem Bauzaun gesichert. Im September hatte die Weibu-Wohnbau das Gebäude gekauft und will es im Sommer kommenden Jahres abreißen.

Ein neues Projekt des Bauträgers Weibu Wohnbau soll nun zeigen, dass es auch anders geht. Das Wolfhager Unternehmen hat im September vergangenen Jahres einen der größten Schandflecke der Stadt in der Dellbrückenstraße gekauft. „Wir reißen das baufällige Gebäude ab und würden schon im Herbst dieses Jahres mit dem Bau starten“, so Jens Harseim von Weibu Wohnbau. Das Unternehmen will sein Projekt zunächst dem Magistrat der Stadt vorstellen.

„In Wolfhagen fehlen Wohnungen für alle Generationen“, so Jens Harseim. Vor allem sei die Nachfrage nach barrieregerechtem Wohnraum hoch. Nachdem das Unternehmen ein Mehrfamilienwohnhaus mit Fahrstuhl auf dem Teichberg gebaut hatte, gab es viel mehr Interessenten als Wohnungen. Deshalb soll in der Dellbrückenstraße erneut ein Haus mit sieben Eigentumswohnungen und einem Aufzug entstehen - ausgeführt von heimischen Handwerkern.

„Heute ist barrierefreie Bauweise das A und O. Der Aufzug etwa muss vom Dach bis in den Keller zur Waschmaschine fahren.“ Durch den Neubau werde das Bild der Altstadt verbessert. „Es soll als Ansporn dienen, den Flächenverbrauch in den Außenbereichen zu reduzieren und auf innerstädtische Projekte zu setzen. Es gibt ja in der Innenstadt noch weitere Gebäude, die nicht mehr zu sanieren sind“, erklärt der Weibu-Chef. Da gebe es vielleicht auch grünes Licht vom Denkmalschutz für einen Abriss, wie bei dem Haus in der Dellbrückenstraße.

Natürlich müssten in der Innenstadtlage Regeln beachtet werden. So erhält das Haus zum Beispiel keine bodentiefen Fenster, damit die Außenfassade zum Gesamtbild passt. Wichtiger Punkt bei Neubauten seien auch bezahlbare Nebenkosten angesichts der explodierenden Energiepreise. Deshalb werde das Gebäude als Effizienzhaus errichtet.

Gebäude, die in historischen Altstädten neu entstehen, müssen ins Stadtbild passen. Das gilt auch für den geplanten Neubau in der Wolfhager Dellbrückenstraße. Dort müssen für ein Baurecht etwa Dach und Fenster entsprechend gestaltet werden. Priorität hat jedoch in der Regel der Erhalt des Gebäudes.

Während das Dellbrückenhaus nicht mehr zu retten ist und seit Jahren eine Abbruchgenehmigung vorliegt, können andere alte Häuser wieder zu echten Schmuckstücken werden. Über das Förderprogramm Dorfentwicklung und eine Fachwerkbörse soll die Dynamik beim Verfall ungenutzter Immobilien auf dem Land gestoppt werden.

Der geplante Neubau in der Wolfhager Dellbrückenstraße muss optisch zum Stadtbild passen. 2023 sollen die Eigentümer und die Mieter einziehen.

Der Zweckverband Raum Kassel (ZRK) hat schon vor Jahren für alle Städte und Gemeinden im Kreis ein Zukunftskataster erstellt. Darin werden die örtliche Infrastruktur, die Grundversorgung, Gebäudeleerstände sowie Baulücken auf Grundlage von Luftbildkarten dargestellt. Für die Entwicklung in den Kommunen sei die Datensammlung eine wertvolle Entscheidungsgrundlage, sagt Peter Nissen, Leiter der Regionalentwicklung beim Landkreis Kassel. Ziel sei es, die zunehmende Zahl von Gammel-Immobilien einzudämmen.

In den Orten mit Dorfentwicklung gibt es weiterhin bis zu 45  000 Euro verlorenen Zuschuss pro Gebäude. Die Förderung für Einzelkulturdenkmale ist mittlerweile sogar auf 60 000 Euro angehoben worden. Außerdem gibt es jetzt Fördermöglichkeit für leer stehende Scheunen. Hier können bis zu drei Wohnungen eingerichtet werden und die Investitionen dafür mit 35 Prozent und bis zu 200  000 Euro gefördert werden. Auch der Abriss von abgängigen Gebäuden und der Neubau an gleicher Stelle in regionaltypischer Bauweise wird mit bis zu 45 000 Euro gefördert.

(Bea Ricken)

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