Neue touristische Attraktion

Stadt Naumburg und Geopark Grenzwelten eröffnen Geostation über den Panzerlurch

Sechs Herren und zwei Damen stehen in Abständen zueinander neben einem großen Plakat.
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Gemeinsame Freude bei der Einweihung der Station im alten Steinbruch: (Von links) Gastronom Wolfgang Schneider, Bürgermeister Stefan Hable, Ortsvorsteher Helmut Pfennig, Stadtrat Wilfried Stiehl, Kim Peis (Leiterin Projektbüro Nationaler Geopark Grenzwelten), Claudia Thöne von der Stadt Naumburg, Regionalmanager Carsten Petry sowie Stadtverordneter und Ortsbeiratsmitglied Berthold Heerdt.

Naumburgs Stadtteil Heimarshausen ist um eine touristische Attraktion reicher: Eine Geostation mit Rastplatz für Wanderer, bei der sich alles um eine echte Rarität dreht – einen geheimnisvollen Panzerlurch.

Heimarshausen – Auf die Anwesenheit eines solchen Vierbeiners musste verzichtet werden, als Vertreter der Stadt Naumburg, des Geoparks Grenzwelten und des Regionalmanagements den Platz im Wald gut zwei Kilometer vom Dorf entfernt im Wald seiner Bestimmung übergaben.

Der Sclerothorax hypselonotus, so der wissenschaftliche Name des Lurches, ist schon vor Millionen von Jahren ausgestorben. Dass er heute noch Thema von Paläontologen und jetzt auch von Touristikern ist, liegt an einem Fund, der vor bald 50 Jahren eben an jener Stelle gemacht wurde, wo jetzt die neue Geostation eingerichtet wurde.

In den 1970er-Jahren wurde am Sandküppel im dortigen Steinbruch Bausand gewonnen. Alteingesessene Heimarshäuser erinnern sich noch ganz gut an den Abbau und auch an den Mann, der dort meist allein im Bruch arbeitete. Sein Spitzname ist bis heute überliefert: Man nannte ihn „das Sandmännchen“. Und eben jene Person machte während seiner täglichen Arbeit einen außergewöhnlichen Fund: zwei Sandsteinplatten mit auffälligen Mustern.

Der Panzerlurch-Fundort befindet sich westlich von Heimarshausen.

Der Mann reagierte umsichtig, Experten wurden hinzugezogen und sicherten die Knochenabdrücke von Panzerlurchen aus der Zeit des Unteren Trias. Die Fossilien aus dem Heimarshäuser Steinbruch gelangten so in das Kasseler Naturkundemuseum.

Wissenschaftlich blieben sie dann erst mal lange nahezu unbeachtet. Erst als der Spezialist für fossile Amphibien Dr. Rainer Schoch in Stuttgart Abgüsse der Heimarshäuser Funde zu sehen bekam, änderte sich das. Schoch kam nämlich zu dem Schluss, dass es sich bei den am Sandküppel gefunden Fossilien um Überreste von Schwanzlurchen handelt, von denen bereits in den 1920er-Jahren in einem Steinbruch bei Queck im Vogelsberg Spuren entdeckt wurden – und bis dahin weltweit auch nur dort.

Mit Heimarshausen – und das war dann unter Fachleuten eine Sensation – hatte man nun einen zweiten Ort, an dem die Tiere nachgewiesen wurden, zudem einen Fund, der deutlich besser erhalten war und weitere Erkenntnisse über den gut einen Meter langen Panzerlurch brachte. Der Sclerothorax, der vor rund 246 Millionen Jahren in der Region in einem trocken-heißen Klima lebte, das gelegentlich von heftigen monsunartigen Niederschlägen unterbrochen wurde, hatte nach Einschätzung der Wissenschaftler „eine komplexe, wahrscheinlich amphibische Lebensweise“.

Gleichzeitig Pausen-Platz und Ort der Wissensvermittlung

Von extremen Wetterbedingungen blieben die Gäste während der Einweihung der Geostation verschont. Der Ort mit dem mittlerweile stillgelegten Sandsteinbruch liegt still im Wald und beeindruckt durch die steilen Felswände. „Wir haben hier versucht, die Idee des Geoparks Grenzwelten mit dem Qualitätsnaturpark Habichtswald zusammenzubringen und eine Geostation mit gemeinsamem Wiedererkennungswert geschaffen“, sagte Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable (CDU). Es sei ein Ort der Wissensvermittlung und ein Platz, an dem Wanderer komfortabel Pause machen können. Für Ruhebänke, Tisch und die Steinstele mit der großen Info-Tafel habe man rund 5000 Euro ausgegeben, 80 Prozent davon seien aus dem Regionalbudget als Zuschuss geflossen.

Claudia Thöne, bei der Stadt Naumburg für den Tourismus zuständig, hatte laut Bürgermeister Hable die Idee zur Einrichtung der Geostation bei Heimarshausen. Sie unterstrich dann auch die touristische Bedeutung der neuen Einrichtung, zu der man künftig auch spezielle Führungen ins Veranstaltungsprogramm aufnehmen könne.

Auf die große wissenschaftliche Bedeutung des Ortes ging Kim Peis vom Geopark Grenzwelten ein. Die neue Station, so Peis, sei eine Bereicherung für den Park und ein Glücksfall, schließlich verdanke man das Ganze letztlich einem Zufallsfund. (Norbert Müller)

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