1. Startseite
  2. Lokales
  3. Wolfhagen
  4. Wolfhagen

Richard Mangold leitet seit 50 Jahren den Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen

Erstellt:

Von: Antje Thon

Kommentare

Geschichtsinteressiert: Richard Mangold leitet seit 50 Jahren den 220 Mitglieder zählenden Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen.
Geschichtsinteressiert: Richard Mangold leitet seit 50 Jahren den 220 Mitglieder zählenden Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen. © Antje Thon

Richard Mangold liebt Geschichte. Seit 50 Jahren leitet er den Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen.

Wolfhagen – Dass seine Bereitschaft, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen, in eine Ära von 50 Jahren münden würde, hatte Richard Mangold 1972 nicht auf dem Schirm. Ein halbes Jahrhundert steht der 83-Jährige nun schon an der Spitze des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen. Er tue es gern und nach wie vor mit viel Leidenschaft. Und wenn es die Mitglieder Anfang März so beschließen, wird der geschichtsinteressierte, ehemalige Stabsfeldwebel weitere drei Jahre die Geschicke im Verein lenken.

Mangold, aufgewachsen nur einen Steinwurf entfernt von der französischen Grenze in Pirmasens, kam Mitte der 1960er-Jahre als Soldat nach Wolfhagen. Er verliebte sich in die Fachwerkstadt, entdeckte und folgte immer wieder den Spuren, die zurückführen ins Mittelalter und in eine spannende Geschichte. Der Weg zum Verein, der im Februar 1956 zunächst als Verkehrsverein aus der Taufe gehoben wurde, war nicht weit.

Zunächst brachte sich Richard Mangold als Schriftführer ein. Als man sein Organisationstalent entdeckte, machte man ihn zum kommissarischen Leiter des Vereins, der sich anfangs auch um die touristische Entwicklung der Stadt und deren Verschönerung kümmerte. In dieser Zeit erhielten die Teich- und Bruchwiesen ihren parkartigen Charakter. Mangold und seine Mitstreiter hatten daran großen Anteil. Sie waren es auch, die 300 Bänke in und um Wolfhagen platzierten. Am einstigen Hospitalsplatz, dort wo heute eine Bronzefigur des Abenteurers Hans Staden Passanten grüßt, entstand ein Brunnen. Und damit die Wolfhagen-Reisenden im Sommer angenehm beschattet von der Stadt hinaufwandern können zum Hellen Platz, dem Tor zum Stadtwald, wurde eine Birkenallee gepflanzt. Der 83-Jährige könnte weitere Beispiele aufzählen, die die vielen Aktivitäten dokumentieren.

Als alles Touristische in die Zuständigkeit des Rathauses wechselte, legte der Verein seinen alten Namen ab. Seit 1988 heißt er Heimat- und Geschichtsverein. Drei Personen haben laut Mangold einen Anteil daran, dass sein Herz für alles Historische höherschlägt, dass er sich noch heute für Bodendenkmale, die Herkunft alter Straßennamen, den Schützeberg, den Landsberg und Rodersen interessiert. „Geerbt habe ich das wohl von meiner geschichtsbewussten Mutter“, sagt er. Geprägt hätten ihn aber auch Georg Lindemann, der Vater von Filmemacher und ebenfalls Vereinsmitglied Dirk Lindemann, und Wilhelm G. Winter, ehemaliger Konrektor der Wolfhager Grundschule. Beide hätten eine Gabe gehabt, Geschichte mitreißend zu vermitteln.

Die 750-Jahr-Feier Wolfhagens (1981) und der Hessentag (1992) waren für den Heimat- und Geschichtsverein Ereignisse, in die sie sich mit ihrem Fachwissen einbrachten. Neben vielen Puzzleteilen, die die Vereinsmitglieder aus Archiven, Forschung, Literatur und Entdeckungen zusammengetragen und damit an einigen Stellen die Geschichte der Stadt ergänzt haben, blieb eine Frage offen. Sie betrifft den Schützeberg, auf dem Mitte des 8. Jahrhunderts die Kirche St. Petri thronte und deren Steine nach dem Abriss Ende des 16. Jahrhunderts im Turm der Zierenberger Kirche eine Zweitverwendung fanden. Mangold hätte gerne historische Unterlagen, die die Vergangenheit des Schützeberges und seine Rolle in der Christianisierung des Chattengaus näher beleuchten. Dazu hatte er den inzwischen verstorbenen Bischof und Kardinal Karl Lehmann angeschrieben, in der Hoffnung, dass sich mit dessen Fürsprache die Archive im Bistum Fulda oder gar in Rom öffneten. Doch die Magazine blieben verschlossen und das Geheimnis, was es ist: ein Geheimnis.

Sollte Richard Mangold demnächst in seinem Amt bestätigt werden – in drei Jahren will er dann in die zweite Reihe treten – möchte er noch eine große Aufgabe erledigen. Seinem Nachfolger möchte er nach dem abgeschlossenen Umzug in die Burg ein intaktes Domizil übergeben. Freuen würde er sich auch, wenn wieder mehr Jüngere sich für die Geschichte ihrer Stadt interessierten und den Verein in seiner Arbeit unterstützten. (Antje Thon)

Auch interessant

Kommentare