Von der Skyline zum Fachwerk 

New Yorkerin macht Entgiftungstherapie in Wolfhagen 

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Fasziniert von der Welt der Märchen: Die Amerikanerin Andrea Cappo mit Sohn Gianmarco am Brunnen in Wolfhagen. 

Andrea Cappo aus New York leidet unter einer Multiplen Chemikaliensensibilität (MCS), der chronischen Unverträglichkeit gegenüber verschiedener Chemikalien.

Zwischen den Häuserschluchten ihres Heimatortes New York war für Andrea Cappo kein Leben mehr möglich. Berstende Kopfschmerzen, bleierne Müdigkeit begleiteten ihren Alltag und führten schließlich bis zur kompletten Berufsaufgabe.

Die 48-Jährige arbeitete als Krankenschwester. An ihrem Arbeitsplatz im Krankenhaus waren die Symptome besonders schlimm. Warum das so war, erfuhr sie erst nach einer jahrelangen Ärzte-Odysee und verschiedenster Therapien.

Die Amerikanerin leidet unter einer Multiplen Chemikaliensensibilität (MCS), der chronischen Unverträglichkeit gegenüber verschiedener Chemikalien, die sich in Zigaretten, Farben, Böden, Textilien, Computern, Medikamenten, Zahnersatz, Abgasen wie auch in kosmetischen Mitteln wie zum Beispiel Parfüms, Deos und Cremes befinden. Diese Alltagssubstanzen lösen schwere Reaktionen und Krankheitsschübe aus. „Zwischenzeitlich wurde ich für verrückt erklärt und sollte Psychopharmaka einnehmen“, berichtet die Amerikanerin von ihrem Leidensweg.Hilfe fand sie nun beim Wolfhager Institut für Umweltkrankheiten (IFU). 

Ablenkung am Twistesee

Ihre Freizeit zwischen den Behandlungen am IFU verbrachte sie mit ihrem mitgereisten Sohn und weiteren Familienangehörigen in Wolfhagen und am Twistesee. Eine verblüffende Erfahrung für Cappo:

„Am ersten Tag in Wolfhagen konnte ich meinen Mundschutz weglassen“. Die aus ihrer Sicht extrem reine Luft habe sie richtig durchatmen lassen. Dies zusammen mit der Entgiftung habe schließlich dazu geführt, dass innerhalb von ein paar Tagen die Kopfschmerzen nachließen. Naturerleben in der Region stand für die Familie im Vordergrund. Fasziniert waren die Amerikaner auch von den Fairytales, der Märchenwelt in Nordhessen. Abends liest sie jetzt ihrem Sohn Gianmarco die Märchen der Brüder Grimm vor. Cappo kann gar nicht verstehen, warum hierzulande über handyverrückte Kinder geschimpft wird. „Das ist in Amerika um ein Vielfaches schlimmer. Man sieht die Gesichter der Kinder gar nicht mehr, weil sie rund um die Uhr hinter dem Handy verschwunden sind.“

Andrea Cappo ernährt sich, auch wegen ihrer Krankheit, mit biologischen Lebensmitteln. Das koste bei ihr Zuhause ein Vermögen. Als sie in Wolfhager Supermärkte kam, wollte sie ihren Augen nicht trauen. Was Auswahl und Preis betreffe, herrschten hierzulande paradiesische Verhältnisse.

Schweren Herzens verließ die Familie in diesen Tagen Wolfhagen. Zumindest wartet reinere Luft auf die Familie, die jetzt eine Stunde von New York City entfernt nach Long Island zieht.

Hintergrund: MCS

Als „Multiple Chemikaliensensibilität” (MCS) wird ein Beschwerdekomplex bezeichnet. Betroffene leiden unter Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Atemproblemen, Problemen des Magen-Darm-Traktes und weiteren Störungen verschiedener Organsysteme und sehen sich oft nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben. Das Erledigen alltäglicher Arbeiten sowie die sozialen Kontakte mit Freunden und Familie werden oftmals als problematisch und konfliktbehaftet erlebt. Der Leidensdruck von MCS-Patienten kann sehr hoch sein und in extremen Fällen bis hin zur sozialen Isolation führen. (Quelle: Umwelt Bundesamt)

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