Nicht mal Palmen sind sicher

Zahl von Diebstählen im Wolfhager Land steigt stetig

Im Visier von Langfingern: So mancher Hotelgast packt heimlich ein unerlaubtes Urlaubssouvenir in seinen Koffer. Meist sind es zwar nur Kleinigkeiten, wie auf unserem Bild Hygieneartikel, die verschwinden. Besonders beliebt sind Handtücher, aber auch größere Gegenstände wie Fernseher wurden schon aus Hotels im Wolfhager Land entwendet. Einige Betreiber versuchen, sich mit Videoüberwachung (in öffentlichen Bereichen) zu schützen. Foto: dpa

Wolfhager Land. Die Zahl von Diebstählen aus Hotels und Ferienwohnungen ist in der Vergangenheit stetig angestiegen. Hoteliers aus dem Wolfhager Land über ihre Erfahrungen.

In den gut 35 Jahren, die Rudolf Zaun im gastronomischen Bereich tätig ist, hat er viel erlebt. Diebstähle aus Hotels gehören laut des Betreibers des Kasseler Hofs in Zierenberg auch dazu. Dabei hätten es Langfinger klassischerweise meistens auf Handtücher, Aschenbecher und Gläser abgesehen.

Doch er habe auch schon die unglaublichsten Vorfälle erlebt, sagt Zaun: „Einmal wurde von einer Gruppe junger Leute eine komplette Schiffsglocke von der Wand abgeschraubt und geklaut. Sie ist nie wieder aufgetaucht.“ Doch dem Einfallsreichtum der Menschen sind offenbar kaum Grenzen gesetzt, denn sowohl aus einer Toilette und dem Eingangsbereich wurden die Pflanzen samt Töpfen eingesackt. Dabei handelte es sich aber nicht um Kleinpflanzen, sondern um ausgewachsene Palmen - mit der stattlichen Größe von bis zu zwei Metern. Auch sechs Reh-Geweihe, aufgehängt im Flur zu den Zimmern, wechselten unfreiwillig ihren Besitzer. Zumindest den bei Dieben überaus beliebten Klau von Handtüchern hat Zaun einen Riegel vorgeschoben: Seit man neutrale Handtücher ohne das Logo des Kasseler Hofs auslege, blieben diese auch wo sie hingehören. Die komplette Ausstattung der einst mit Logo bedruckten Handtücher war zwei Monate nach Einführung nicht mehr vorhanden.

Jörg Waßmuth vom Hotel Zum Schiffchen in Wolfhagen erging es genauso wie Kollege Zaun, auch bei ihm waren die mit Wappen des Hotels versehenen Handtücher innerhalb kurzer Zeit verschwunden: „Das Angebot wurde also quasi besonders gut angenommen“, sagt Waßmuth und nimmt den Umstand mit Humor. Auch er legt inzwischen nur noch neutrale Handtücher aus.

Seit 1987 führt Waßmuth den Familienbetrieb, natürlich blieb es in der Zeit nicht bei geklauten Handtüchern: „Einmal wurde ein Fernseher aus einem Zimmer gestohlen.“ Ein anderer Gast wollte sich vermutlich einen Kaninchenstall bauen, mutmaßt der Hotelier über einen Gast, der sämtliche Regalbretter aus einem Kleiderschrank entwendete.

Ähnlich sieht es auch bei Stefan Frankfurth aus, der das Parkhotel Emstaler Höhe betreibt: „Ja, auch bei uns ist es immer mal wieder der Fall, dass Gäste etwas mitgehen lassen.“ Besonders hoch im Kurs der Langfinger stehen Handtücher. Er nutze aber Mietwäsche eines Anbieters, der „einen gewissen Schwund“ wohl bereits in seiner Kalkulation berücksichtige, sagt Frankfurth. Allerdings sei es auch schon zu Diebstählen eines Fernsehers und Beamers gekommen. Da diese jedoch in den öffentlichen Tagungsräumen standen, sei eine Überwachung der Bereiche und somit auch Strafverfolgung der Täter schwierig.

Als Konsequenz daraus und einiger Einbruchsversuche habe man vor einem halben Jahr eine Video-Überwachung im Eingangs- und Empfangsbereich installieren lassen, sagt der Inhaber. Alle befragten Hoteliers führen keine Statistiken über Diebstähle.

Von Nicolai Ulbrich

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