Niederelsunger bauen seit zwei Jahren Dorfarchiv auf

Schätze im Niederelsunger Dorfarchiv: Rolf Gerhold steht neben einer Flakpatrone, die der damalige Dorflehrer zu einem Schulgong umgebaut hat.

Mit ihrem Einsatz sorgen vier Niederelsunger seit zwei Jahren dafür, dass die Geschichte des Wolfhager Stadtteils nicht in Vergessenheit gerät.

Kümmert sich um das Bildarchiv: Gerhard Götte vor einer alten Aufnahme. Fotos: Uminski

Niederelsungen. Alt und verstaubt wirkt das Dorfarchiv im Haus des Gastes in Niederelsungen nicht. Die Regale im Obergeschoss stemmen sich der Last der alten, teils schweren Bücher entgegen. Seit zweieinhalb Jahren bauen Gisela Waßmuth, Heinrich Löwenstein, Rolf Gerhold und Gerhard Götte kontinuierlich das Dorfarchiv auf. Neben vielen Dokumenten, Landkarten, Büchern und Akten haben die Niederelsunger bereits ein Bildarchiv bestehend aus 1500 Fotos gesammelt und dokumentiert.

Hinter jedem Namen, hinter jedem Dokument und hinter jeder Zahl verbirgt sich eine Geschichte - und davon gibt es im Niederelsunger Archiv sehr viele. Wie beispielsweise die von August Hornschuh. „Nicht alle Niederelsunger wissen, dass hier Braunkohle abgetragen wurde“, sagt Rolf Gerhard. 1923 begann August Hornschuh nach Braunkohle zwischen Escheberg, Oberelsungen und Niederelsungen zu graben und wurde dabei verschüttet. „Er überlebte, doch ihm wurden daraufhin die Schürfrechte wieder entzogen, weil er die Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten hat.“

Die Leute erzählen viele Geschichte, doch erst durch die Akten komme die Wahrheit ans Licht, sagt Rolf Gerhold. Im Dorfarchiv sind alle Geschichtsinteressierte willkommen, aber auch diejenigen, die alte Briefe oder Dokumente noch besitzen. „Vor Kurzem war ein Niederelsunger bei uns, der brachte einen alten Brief einer Verwandten aus Nebraska (USA) aus dem Jahre 1889“, sagt Rolf Gerhold. Das Archivteam hat den Brief übersetzt und begonnen nach den Ahnen zu recherchieren. „Im Rahmen des Möglichen versuchen wir jedem zu helfen.“

Fotos und Dokumente werden eingescannt, kopiert und digitalisiert. Eine wichtige Arbeit des Teams besteht auch darin alte Schriftstücke aus dem Sütterlin in die lateinische Schrift zu übersetzten. „Zu unseren Schätzen gehören die Zeitungsartikel von 1873 bis heute, die Gemeindebücher und unsere Bildersammlung“, sagt Gerhold. Das Archivteam sammelt alle Bilder über Niederelsungen, die es bekommen kann. Eine Arbeit, mit der sich vor allem der ehemalige Archivar Rolf Gerhard beschäftigt ist, die Stammbäume der jüdischen Familien aus Niederelsungen zu rekonstruieren. „Ich habe Stammbäume, die etwa 200 Jahre zurückreichen.“

Die Idee eines Dorfarchives besteht schon seit über 40 Jahren. „Der damalige Bürgermeister Wilhelm Gerhardt hat die ganzen Dokumente aufgehoben - er war ein vorausschauender Mann“, betont Rolf Gerhard. Lange Zeit hat sich niemand für die Geschichte des Dorfes interessiert, bis sich das vierköpfige Archivteam gefunden hat. „Wir wollen die Niederelsunger Geschichte im Dorfarchiv lebendig machen“, betont der 66-Jährige.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.