E-Mobilität nimmt Fahrt auf

Noch zu wenig Ladesäulen in kleinen Kommunen

Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen, lädt das Elektroauto der Stadt an der Ritterstraße 1 in Wolfhagen mit Strom auf.
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Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen, lädt das Elektroauto der Stadt an der Ritterstraße 1 in Wolfhagen mit Strom auf.

Die Elektromobilität nimmt im Landkreis Kassel immer mehr zu. Viele Menschen schaffen sich ein Elektroauto an, allerdings fehlen vor allem in kleineren Dörfern die entsprechenden Ladesäulen.

Wolfhager Land – Mittlerweile seien die Kreisteile mit Ladestationen gut ausgestattet, in kleineren Kommunen sei jedoch noch Luft nach oben, wie Kreissprecher Harald Kühlborn berichtet. Auch der Landkreis selbst setzt auf die Elektromobilität. „Ein Drittel unserer Dienstwagen sind E-Mobile“, sagt Kühlborn.

Öffentliche Ladestationen sind zumeist in Ballungsgebieten verteilt, da der Bedarf dort höher sei, wie Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen, mitteilt. In ländlichen Regionen haben viele ein eigenes Haus und damit die Möglichkeit, ihr Elektroauto privat aufzuladen, während in Städten einige zur Miete wohnen und deshalb auf öffentliche Ladesäulen angewiesen sind. „Ich schätze 80 Prozent laden ihr Auto zuhause oder an der Arbeit.“

Aus diesem Grund sei die Nachfrage an sogenannten Wallboxen, das sind Ladestationen für Zuhause, gestiegen. „Sehr viele Bürger sind an den privaten Ladestationen interessiert“, sagt Huntzinger. Seit dem 24. November 2020 bezuschusst der Staat private Ladestationen mit einem Pauschalbetrag von 900 Euro. Das Angebot hätten bereits viele genutzt, wie der Klimaschutzmanager mitteilt.

Die Zahl der Elektroautos im Wolfhager Land hat sich mehr als verdreifacht. Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen, lädt das Elektroauto der Stadt in Wolfhagen mit Strom auf.

„In Kassel ist die Dichte natürlich höher als im ländlichen Bereich.“ Dennoch sei die Lade-Infrastruktur im Landkreis Kassel auch gut ausgebaut. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Huntzinger.

Die EAM ist mit sieben Ladesäulen im Landkreis Kassel vertreten, betreibt zusätzlich aber noch 34 weitere Ladestationen, die über deren Leitsystem überwacht werden, wie Pressesprecherin Sandra Hübner berichtet.

„Durch eine Änderung im Eichrecht tauschen wir derzeit einige unserer Ladesäulen aus“, sagt Hübner, dazu zähle zum Beispiel auch die Ladesäule am Hohen Dörnberg. Während des Tauschs bis zur Fertigstellung der Anschlussarbeiten seien die Ladesäulen außer Betrieb. Die neue Ladesäule am Naturparkzentrum sei bereits fertig angeschlossen und stehe für die Kunden wieder zur Verfügung.

Zudem könne es aber, wie bei allen elektrischen Geräten, auch mal zu Störungen kommen, zum Beispiel durch Softwarefehler oder einen technischen Defekt.

Weitere Ladestationen in Planung

Der Trend zur Elektromobilität wächst weiter – so auch im Wolfhager Land. Im Altkreis Wolfhagen hat sich die Zahl der E-Autos innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht. Während aktuell (Stand 18. Mai) 249 elektrische Fahrzeuge zugelassen sind, waren es vor einem Jahr noch 76, wie Simone Scharnke von der Stadt Kassel für die Zulassungsstelle mitteilt.

Die Bundesnetzagentur weist 14 Ladesäulen mit insgesamt 33 Ladepunkten im Wolfhager Land auf. Davon sind allerdings nur vier Schnellladeeinrichtungen mit insgesamt acht Ladepunkten.

Wolfhagen

Der Bedarf an öffentlichen Ladesäulen sei in Wolfhagen gut gedeckt, wie Markus Huntzinger, Klimaschutzmanager der Stadt Wolfhagen, berichtet. In Wolfhagen würde auf etwa 643 Einwohner ein Ladepunkt kommen. „Das ist schon ein gutes Verhältnis.“ Die Ladesäulen würden sich derzeit auf die Kernstadt konzentrieren, eventuell könne man noch darüber nachdenken, zwei oder drei Ladesäulen in den Ortsteilen aufzustellen.

E-Auto-Ladestationen im Wolfhager Land.

Es sind derzeit sieben Ladestationen mit 21 Ladepunkten in Wolfhagen installiert, wie Huntzinger mitteilt. Dabei handele es sich um AC-Ladesäulen mit Leistungen von 22 Kilowatt als auch um DC-Ladesäulen, sogenannte Schnellladesäulen, mit entsprechend höheren Ladeleistungen. Sie befinden sind beim Autohaus Ostmann, beim SVG Rasthof Elsinger Höhe, beim Burger King in der Otto-Hahn-Straße, beim Regionalmuseum, bei der Energie 2000, beim Parkhaus Schäferstraße und bei der Pommernanlage Wolfhagen.

Bad Emstal

Seit Kurzem gibt es in Bad Emstal acht neue Ladepunkte durch die Gemeinde, wie Bürgermeister Stefan Frankfurth mitteilt. Davon sind vier am Rathaus und vier am Kurpark auf dem Parkplatz am Wohnmobilstellplatz. Anbieter ist die EAM.

Außerdem gebe es noch privatwirtschaftliche Lademöglichkeiten, wie beim Landhotel Grischäfer sowie drei Ladepunkte am Parkhotel Emstaler Höhe. Eine weitere Möglichkeit zum Aufladen eines Elektroautos bestehe bei der Firma H. K. Möller in Balhorn.

Habichtswald

In Habichtswald befinden sich die Ladestationen noch in der Entstehung, wie Bürgermeister Daniel Faßhauer berichtet. Ihm sei wichtig, „dass die Lade-Infrastruktur in Habichtswald deutlich verbessert und ausgebaut wird“. Das umfasse neben den Ladesäulen für Autos vor allem auch Lademöglichkeiten für E-Bike-Fahrer. „Ziel ist es hierbei, an allen wichtigen und zentralen Stellen unserer beiden Orte Lademöglichkeiten zu bieten und die E-Mobilität damit zu fördern“, sagt Faßhauer.

Die Stadtwerke Wolfhagen würden der Gemeinde sogenannte Wallboxen kostenfrei liefern und montieren. Standorte sollen das Rathaus Dörnberg, die Mehrzweckhalle Dörnberg, das Dorfgemeinschaftshaus Ehlen, die Sportplätze in Ehlen und Dörnberg sowie das Schwimmbad in Ehlen sein.

Zierenberg

Drei Ladesäulen stehen in Zierenberg zur Verfügung. Eine befindet sich am Hohen Dörnberg. Im Stadtteil Oberelsungen gibt es jeweils eine Ladestation an den Rastanlagen Bühleck-Nord und Bühleck-Süd, wie Christian Fischer, Leiter des Fachbereichs Planung, Bau und Umwelt bei der Stadt Zierenberg, mitteilt.

Naumburg

In Naumburg gibt es eine Ladestation. Diese steht am Haus des Gastes, Hattenhäuser Weg 10-12, und wird von der Stadt betrieben, wie Thomas Fingerling von der Stadt Naumburg berichtet.

Breuna

Wie Bürgermeister Jens Wiegand mitteilt, gibt es in Breuna eine Ladestation an der Märchenlandtherme. Die Ladestation wird von der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) betrieben. „Dort können zwei Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen werden“, sagt Axel Voigt von der EWF. Die Leistung betrage 22 Kilowatt.

Bei den Ladestationen gibt es zwei verschiedene Varianten: die Normal- und die Schnellladesäulen. Bei den Normalladesäulen wird das Auto mit Wechselstrom aufgeladen. Das dauere beispielsweise bei einem VW e-up mit einer Batterie von 30 kWh etwa drei Stunden, wie Klimaschutzmanager Huntzinger erklärt. „Bis vier Stunden muss man keine Zeitdauer zahlen“, sagt er. Danach würde es teurer werden, damit die Ladesäulen nicht unnötig blockiert werden.

Bei den Schnellladesäulen, die mit Gleichstrom die Autos betanken, dauere es nur eine halbe bis drei viertel Stunde. So stehen zum Beispiel Schnellladesäulen beim SVG-Hof und beim Burger King an der Otto-Hahn-Straße bei der A 44, damit die Autos schnell wieder weiter fahren können. Mit einem Kleinwagen würde man bei aufgeladenem Akku etwa 250 Kilometer schaffen, wie Huntzinger berichtet. „Im Winter ist es weniger“, sagt er. Die Reichweite des Elektroautos hänge mit der Temperatur zusammen. Je kälter es ist, desto weniger Reichweite hat das Elektroauto. Aktuelle Modelle würden aber schon 300 bis 400 Kilometer schaffen. (Samira Müller)

Information: Unter zu.hna.de/ladesaeulenwo sind die Ladesäulen in der Stadt Wolfhagen aufgelistet. Außerdem gibt es dort eine Verlinkung zu Ladestationen in anderen Gebieten in Deutschland und Europa.

Anzahl der Elektroautos fast verdreifacht

Die Anzahl der Elektroautos im Landkreis hat sich innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Aktuell (Stand 18. Mai 2021) sind im Landkreis Kassel 1483 rein elektrische Fahrzeuge zugelassen, wie Simone Scharnke von der Stadt Kassel mitteilt. Ein Jahr zuvor (Stand 19. Mai 2020) waren es noch 508 Elektroautos. Den Trend zum Elektroauto merke man eindeutig im Landkreis, wie Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreis Kassel, bestätigt. 

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