Nordhessens größte Burgruine: Alter Weg auf der Weidelsburg entdeckt

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Begutachten die Ablaufrinne und eine kleine Öffnung in der Mauer, die bislang unter Erde verborgen waren: Heinrich Bachmann, Vorsitzender des Fördervereins zur Erhaltung der Weidelsburg (von links), Volker Debelius vom Ingenieurbüro HAZ und Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel.  

Ippinghausen. Sie wollten für Besucher den Zugang zum Ostturm der Weidelsburg verbessern und haben dabei eine Entdeckung gemacht: Die Mitglieder des Fördervereins zur Erhaltung der Weidelsburg und die Arbeiter einer Fachfirma sind auf alte Wegfragmente gestoßen.

Die steinernen Überreste lagen unter einer mehrere Zentimeter dicken Erdschicht verborgen und sind derzeit sichtbar. Doch nur ein wenige Meter langes Stück soll auch freigelegt bleiben. Der größte Teil wird wieder mit Erde angefüllt. Das sagte Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel während eines Besichtigungstermins.

Dafür gibt es aus seiner Sicht zwei Gründe: Zum einen seien die Basaltstelen sehr holprig und enthielten Stolperfallen. Zum anderen würde die veränderte Gefällesituation für Probleme beim Ableiten des Niederschlagswassers führen. Aus Mangel an historischen Quellen sei es schwierig, den Steinverbund in seiner früheren Funktion zu deuten, sagte Sippel. Am wahrscheinlichsten sei es aber wohl, dass die querliegenden Basaltstelen der Unterbau eines Weges waren, auf dem sich möglicherweise früher ein Pflaster befunden habe. Einige abgelaufene Steine lägen diese Interpretation nahe. Dass es sich um ein mittelalterliches Fundament handeln könnte, schließt der Archäologe aus. „Darauf kann man keine Mauer setzen.“

Bei Arbeiten an der Weidelsburg entdeckt: Basaltsteine im Vordergrund, dahinter glatte Sandsteine und eine Ablaufrinne am linken Rand. Der Weg wird flankiert auf der rechten Seite vom Ostturm und links von einer Mauer.

Die Sandsteinplatten, die sich an die ersten Stufen am Ostturm anfügen, sollen zur Freude des Fördervereins sichtbar bleiben. Das Gleiche gilt für die Ablaufrinne, die sich unmittelbar an die Mauer anfügt, die in den 1930er-Jahren aufgebaut worden war. Eine ebenfalls bei den Arbeiten am Weg freigelegte Vertiefung wird mit Basaltsteinen aus dem Zwinger aufgefüllt. Es wird vermutet, dass sich im Bereich der glatten Steine ein Torhaus befand. Der Förderverein will den Fund dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Jahr für Jahr nimmt sich der Verein einen Teilbereich der Ruine vor, um ihn für Besucher herzurichten. In diesem Jahr stehen ihm dafür eine Spende in Höhe von 10.000 Euro von der Kasseler Sparkasse und 5000 Euro aus dem Nachlass von Hildegard Blank zur Verfügung. Blank war Oberstudienrätin und stammte aus dem Wolfhager Land. Bislang flossen aus ihrem Vermögen mehr als 65.000 Euro in den Ausbau der Ruine zum außerschulischen Lernort.

Eigentümer Hessen-Forst investiert jährlich bis zu 25.000 Euro in den Erhalt. Heinrich Bachmann, Vorsitzender des Fördervereins, regte an, von dem Geld den Zementmörtel an der Mauer, die den nun freigelegten Weg flankiert, zu entfernen und durch Kalkmörtel zu ersetzen.

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