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Pflege der Exponate im Regionalmuseum ist aufwendig

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Von: Antje Thon

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Kostbare Stücke: Museumsleiterin Beate Bickel, hier mit einer um die 3000 Jahre alten Urne aus Balhorn, und Mitarbeiter Steffen Kienold beim Reinigen der Vitrinen im Regionalmuseum Wolfhager Land.
Kostbare Stücke: Museumsleiterin Beate Bickel, hier mit einer um die 3000 Jahre alten Urne aus Balhorn, und Mitarbeiter Steffen Kienold beim Reinigen der Vitrinen im Regionalmuseum Wolfhager Land. © Antje Thon

Die Reinigung und Pflege der zahlreichen Exponate im Regionalmuseum Wolfhager Land ist zeitintensiv.

Wolfhagen - Wie lästig Staub und Schmutz sein können, weiß wohl jeder, der daheim regelmäßig zu Tuch und Wedel greift. Im Regionalmuseum Wolfhager Land mit seinen um die 30 000 Ausstellungsstücken bekommt das Thema noch einmal eine andere Dimension. Und die ist so groß, dass gar nicht so oft geputzt werden kann, wie es sinnvoll und wünschenswert wäre. „Das liegt am fehlenden Personal“, sagt Museumsleiterin Beate Bickel, die einen Reinigungsgang zu den Vitrinen und Objekten alle sechs Wochen gut fände. Doch die Ausstellungsstücke werden oft nur zwischendurch entstaubt. Es werden Prioritäten gesetzt, und es wird nach Aufwand entschieden. Die geschlossenen Vitrinen seien eher unproblematisch, sagt Bickel. In ihnen werden Papiere, Archivalien und Drucke, aber auch Textilien der Weberei- und Schreinereiabteilung staub- und lichtgeschützt aufbewahrt.

Arbeit hingegen machen zum Beispiel die offenen Vitrinen in der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte, deren hinteren Abschluss das Mauerwerk bildet und aus dem Sand und Steinchen vergangener Jahrhunderte herunterrieselt und sich über die fast 3000 Jahre alten Urnen und Beigabengefäße aus Balhorn legt. Vor denen hat Steffen Kienold, der das Museumsteam seit einigen Monaten unterstützt, gehörigen Respekt. „Ich möchte nicht derjenige sein, dem die Gefäße auf den Boden fallen.“ Auch Beate Bickel nimmt diese wertvollen Objekte nur ungern und äußerst behutsam in die Hand. Und dann kommt der Staubwedel zum Einsatz. Spätestens nach vier Wochen müsste diese Prozedur wiederholt werden.

Wer die Irdenware in die Hände bekommt, behandelt sie wie ein rohes Ei. „Das liegt daran, dass sie teilweise geklebt ist“, sagt die Chefin des Hauses. „So ein Schwert hält einfach mehr aus als ein Krug, der ein paar Tausend Jahre alt ist“, merkt Kienold an. Probleme hat es einst auch mit dem Federschmuck der Indigenen in der Hans-Staden-Abteilung gegeben. „Der war beliebt bei Motten“, meint Bickel. Von Kollegen in Kassel habe sie Amtshilfe erhalten und den Schmuck für ein paar Wochen in einer speziellen Kammer einer Wärmebehandlung unterziehen dürfen. Die helfe übrigens auch bei Holzwürmern, „es tötet die Schädlinge ab.“ Begehrt bei Motten und Marienkäfern sind auch Kleidungsstücke. Deshalb hätten sie auf diese Objekte, die zudem schwer zu reinigen seien, ebenfalls ein besonderes Augenmerk, so Bickel.

Das Vorgehen beim Reinigen ist immer der gleiche: Zunächst wird der Bereich fotografiert. Dann werden die Vitrinen – 75 Prozent aller Ausstellungsstücke befinden sich in Schaukästen – ausgeräumt. Dazu gehören auch die Beschriftungen und erläuternden Texte. Nichts wird ohne Handschuhe angefasst. Abdrücke könnten die Schätze aus vergangenen Zeiten ebenso schädigen wie Feuchtigkeit. Letzte könne bei Gegenständen aus Eisen zu Korrosion führen, sagt Bickel. Die Schaukästen werden ausgesaugt, mit einem Tuch und Glasreiniger geputzt, die Objekte selbst vorsichtig mit einem Staubwedel behandelt. Und schließlich wird alles wieder Stück für Stück für die Museumsbesucher arrangiert, dabei hilft das zuvor aufgenommene Foto.

Der Einsatz von Wasser ist tabu. Groben Schmutz auf Holz oder Metall entfernen sie mit einem Radiergummi. So sehr das rieselnde Mauerwerk des alten Renthofes die Mitarbeiter zum Griff nach dem Staubwedel nötige, so sehr schützt es auch vor einem anderen Feind der wertvollen Exponate. Und der heißt Feuchtigkeit. Die vor einiger Zeit aufgestellten Messgeräte in verschiedenen Bereichen haben eine eher zu geringe Feuchtigkeit angezeigt, was die Lebensdauer von Objekten aus Eisen verlängert.

Beim Entstauben werden die Teile der Sammlung auch auf Unversehrtheit geprüft, mitunter auch Inventarnummern vergeben. Das ist der Fall, wenn ein neues Objekt direkt ausgestellt wurde, ohne es zuvor in der Datenbank hinterlegt zu haben. Etwa 5000 Sammlungsstücke seien bereits digital über eine Software erfasst, sagt Bickel. Der Rest befindet sich noch auf Karteikarten. Das alles in den Rechner zu übertragen – eine weitere Mammutaufgabe. Und wie bei der Pflege der Kulturgüter eine Tätigkeit, die nur zwischengeschoben werden kann, wenn Zeit ist. (Von Antje Thon)

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