Das Wunder im Pullunder - Olaf Schubert ließ Wolfhagen lachen

Sächselte sich in die Herzen der Zuschauer: Olaf Schubert, hier mit Bert Stephan (links). Foto: Neubauer

Wolfhagen. „So!“, da war er also: Olaf Schubert, Betroffenheitslyriker aus Dresden, mit Freunden und neuem Programm in der Kulturhalle Wolfhagen.

Klein und schmächtig, in verwaschenen Jeans und unverkennbarem Rhombenpullunder stand er am Mittwochabend auf der Bühne und erleuchtete die über 400 Besucher mit neuen, alten Lebensweisheiten.

Mit sächsischen Akzent nimmt er alles und jeden aufs Korn. Zuerst musste natürlich Wolfhagen im Märchenland daran glauben. Bei der Einfahrt in Wolfhagen hätten sie fast Rotkäppchen überfahren, erzählte er den staunenden Zuschauern. Obwohl er nie wieder in die Schule gehen wollte, sei er nun doch wieder in einer gelandet, sagte Olaf Schubert mit Blick auf die Kulturhalle.

Der Comedian nimmt kein Blatt vor den Mund. Nichts und niemand sind vor ihm sicher. Auch die Bundeskanzlerin nicht. „Für eine Diktatorin fehlt ihr die weibliche Komponente“, meinte er und schaute dabei mit großen, unschuldigen Augen das Publikum an. Dabei wirkte er wie ein großer Junge, dem es Spaß macht, die Erwachsenen mit vorlauten Bemerkungen zu ärgern.

Seine Themenbreite reichte von der gesunden Ernährung über die Außen- und Innenpolitik bis zu den Neuen Medien. Jeder bekam sein Fett weg. So meinte er, das Griechenlandproblem mit einem Kompromiss lösen zu können: „Wir behalten den Euro und die Griechen bekommen den Cent.“

Schubert bewegte sich manchmal hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit. In das Lachen des Publikums mischte sich Empörung und manchem blieb es gar im Halse stecken. Wenn Schubert Witze riss über Behinderte und die angeblichen Sexprobleme seines Gitarristen Jochen M. Barkas. Der nahm es gelassen, schließlich sind die beiden seit 19 Jahren befreundet. Ein weiterer Freund, Bert Stephan, tauchte gelegentlich auf der Bühne auf. Neben Posaune und Gitarre übernahm er die Moderation. Olaf Schubert ist auch ein guter Musiker. An der Gitarre bewies er sein Können, dagegen riss seine Stimme das Publikum nicht von den Sitzen. Bei dem Lied „Madeleine“ kreischte er zuweilen richtig los und hatte damit auch beim letzten Zuschauer die Aufmerksamkeit.

Trotz der nüchternen, sportlichen Ausstrahlung der Kulturhalle hatte Olaf Schubert die Verbindung zum Publikum sofort hergestellt. Seine Waffe ist er selber: sein unverwechselbares Äußeres, seine sparsamen Gesten und seine Sprache, direkt und humorvoll. Das Publikum kam aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Von Ursula Neubauer

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