Einstimmige Resolution der Stadtverordneten

Parlament macht sich für Wolfhager Klinik stark

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Soll erhalten bleiben: das Wolfhager Krankenhaus. Das Stadtparlament hat dazu eine Resolution beschlossen, außerdem soll ein alternativer Klinikverbund geprüft werden.

Die von der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) geplante Schließung der Wolfhager Klinik bestimmte die Sitzung des Wolfhager Stadtparlaments am Donnerstagabend in der Stadthalle.

Die SPD hatte die Verabschiedung einer Resolution beantragt und auch einen Entwurf vorgelegt. Fraktionsvorsitzender Manfred Schaub wies bei der Begründung des Antrags darauf hin, dass es wichtig sei, dass sich das Parlament klar und einig gegen die geplante Schließung positioniere. Man müsse im Sinne der Menschen der Stadt und des Wolfhager Landes alles versuchen, um das Krankenhaus, das kurze Wege zur stationären Versorgung ermöglicht, zu erhalten. Man dürfe die Gesundheit der Menschen nicht der Wirtschaftlichkeit unterordnen.

Dr. Axel Vetter von den Grünen, der bis zum Ruhestand viele Jahre als Gynäkologe in der Wolfhager Klinik tätig war, übte ebenfalls deutliche Kritik an der Entscheidung der GNH. Das Krankenhaus, das viele Jahrzehnte die Wolfhager und die Menschen des Umlands versorgt habe, solle nun „als Bauernopfer für die hausgemachte Misere“ der GNH herhalten. „Das ist ein Skandal.“ Man sollte sich, so der Vorschlag des Grünen, nach einem neuen Partner umsehen. Als Kandidaten nannte er in Kassel das Rote-Kreuz-Krankenhaus, die Diakonie-Kliniken oder auch den Landeswohlfahrtsverband.

Anna-Lena Habel von der CDU erklärte, „das Zusammengehen“ der Kreiskliniken mit dem Klinikum sei ein Fehler gewesen. „Wir haben uns dem Löwen zum Fraß vorgeworfen.“ Wolfhagen sei nach der Fusion zum „Zulieferkrankenhaus“ für das Klinikum geworden. Im Klinikum im Kassel werde operiert, und zur weiteren Pflege schicke man die Patienten nach Wolfhagen. Der Großteil der Kostenerstattung für den Patienten bleibe so in Kassel. Da verwundere es nicht, wenn die kleinen Häuser im Klinikverbund nicht kostendeckend arbeiten. Man hätte sich seinerzeit nicht mit dem Klinikum zusammenschließen sollen, sondern mit Warburg und Höxter. „Die kleinen Landkreiskliniken, die sich zusammengeschlossen haben, haben es hingekriegt. Die haben sich spezialisiert.“ Jeder in der Kooperation habe dort seinen besonderen Schwerpunkt. „Man sieht es in Höxter und Warburg, wie es gehen kann.“

Nach allem, was man in den vergangenen Tagen erlebt habe, auch wie die Stadt Kassel in Person ihres Bürgermeisters Christian Geselle (SPD) mit Bürgern und Mitarbeitern umgegangen sei, müsse man feststellen, dass Kassel so kein Partner für den Landkreis sein könne, erklärte Christoph Lübcke (CDU).

Schließlich wurde die Resolution einstimmig verabschiedet, in der die Gremien und Organe des Kreises aufgefordert werden, „mit Nachdruck zum dauerhaften Erhalt der Kreisklinik Wolfhagen beizutragen“. Eine Schließung der Klinik würde die Gesundheitsversorgung und notfallmedizinische Daseinsvorsorge im Wolfhager Land massiv in Gefahr bringen. Die Resolution weist darauf hin, dass laut Grundgesetz auf gleichwertige Lebensbedingungen – ganz gleich,ob Stadt oder Land – zu achten sei. Eine wohnort- und familiennahe Krankenhausversorgung sei angesichts des steigenden Anteils älterer Menschen gerade in den ländlichen Gebieten erforderlich. Rein betriebswirtschaftliche Aspekte dürften nicht dazu führen, dass die gesellschaftliche Aufgabenstellung des Sozialstaates unterlaufen werde. Ziel müsse es sein, „unter den Kliniken der GNH tatsächliche Solidarität leben zu lassen.

Einstimmig wurde auch ein Antrag der CDU angenommen, mit dem der Magistrat beauftragt wird, mit dem Landrat Verhandlungen zur Fortführung des Klinikbetriebs aufzunehmen. „Zum einen soll die Schaffung eines Klinikverbundes regionaler Champions geprüft werden“, heißt es im Antrag. Außerdem sollen Möglichkeiten erörtert werden, sich einem anderen Klinikverbund anzuschließen.

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