Trotz neuer Richtlinien

Patienten warten monatelang auf Psychotherapieplatz im Wolfhager Land

Wolfhagen. Psychisch Erkrankte müssen im Wolfhager Land auch ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Psychotherapierichtlinien monatelang auf einen Therapieplatz warten. 

„Es ist ungebrochen so, dass Patienten meiner Einschätzung nach meist mehrere Monate auf einen Platz bei niedergelassenen Psychotherapeuten warten müssen“, sagt Dr. Matthias Bender. Er ist als Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie von Vitos Kurhessen unter anderem für den Standort Bad Emstal zuständig. Vor einem Jahr waren neue Richtlinien in Kraft getreten, die die Versorgung für psychisch erkrankte Personen verbessern sollten.

Die bedeutendste Neuerung damals: Ein Erstgespräch bei einem Therapeuten soll garantiert innerhalb von fünf Wochen erfolgen. Um den Zugang zu erleichtern, wurden Therapeuten verpflichtet, bei einem vollen Kassensitz wöchentlich 200 Minuten und bei einem halben Kassensitz 100 Minuten telefonisch erreichbar zu sein. Die Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen hilft bei der Terminvermittlung.

„Das sind sinnvolle Angebote, doch die Inanspruchnahme ist meinem Eindruck nach sehr gering“, sagt Klinikdirektor Bender. Die Hemmschwelle sei besonders bei schwer Erkrankten häufig zu groß. Und: Zu mehr Therapieplätzen haben die neuen Richtlinien nicht geführt.

Im Wolfhager Land gibt es fünf Psychotherapeuten für Erwachsene. Sharif Soraya Nasser, die eine Praxis in Wolfhagen hat, sagt auf HNA-Anfrage, dass die Wartezeit bei ihr etwa drei Monate betrage. Eine Warteliste führe sie nicht. Eine andere Therapeutin aus dem Wolfhager Land teilt der HNA mit, dass sie eine solche Liste führe und die Wartezeit bei ihr bei mindestens neun Monaten liege. Ein Therapeut ist weder mit einer E-Mail-Adresse noch mit einer Telefonnummer im Telefonbuch oder auf der Internetseite www.arztsuchehessen.de der KV Hessen vermerkt. Zwei weitere Psychotherapeuten antworteten auf die Anfrage unserer Zeitung nicht. 

Hintergrund: Servicestelle vergibt Termine

Jeder Patient soll seit dem 1. April 2017 innerhalb von vier Wochen einen Ersttermin bei einem Psychotherapeuten bekommen. Die Patienten können entweder telefonisch mit einer Praxis einen Termin vereinbaren oder sich an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen wenden. Diese muss binnen einer Woche einen Termin vermitteln, der innerhalb der Vier-Wochen-Frist liegt. Wenn kein Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten frei ist, hat die KV Hessen eine weitere Woche Zeit für die Vermittlung eines ambulanten Behandlungstermins in einem Krankenhaus. 

Kontakt: Terminservicestelle, 069/24741-7777

In der gedruckten Montagsausgabe der HNA Wolfhager Allgemeine lesen Sie, wie zwei Patientinnen von ihren Problemen bei der Therapeutensuche berichten und warum ein Privattherapeut nicht mehr Kassenpatienten versorgen kann. 

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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