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Pause an den Autobahn-Raststätten im Wolfhager Land

Der Weg ist das Ziel: Monika und Werner Siebert fahren mit ihrem Gespann nach Österreich. Sie planen jeweils zwei Wochen für Hin- und Rückfahrt und vier Wochen Aufenthalt in Österreich ein.
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Der Weg ist das Ziel: Monika und Werner Siebert fahren mit ihrem Gespann nach Österreich. Sie planen jeweils zwei Wochen für Hin- und Rückfahrt und vier Wochen Aufenthalt in Österreich ein.

Für die meisten dient der Stopp an Raststätte oder Autohof nur als Mittel zum Zweck: anhalten, tanken oder die Blase entleeren, und weiter geht’s. Wer hält an der Elsinger Höhe und am Bühleck so an?

Wolfhagen/Zierenberg – Morgens, 10 Uhr, am Autohof Elsinger Höhe bei Breuna. Viel los ist hier nicht, obwohl gerade noch Ferien sind. Bis auf ein paar Lkw und Autos auf der Durchreise, teilweise mit Camping-Anhänger, herrscht gähnende Leere.

Lange hält sich hier kaum jemand auf. Warum auch? Die Umgebung wirkt nicht sonderlich einladend. In der Mitte des riesigen Platzes befindet sich die Tankstelle, daneben das Rasthaus – geschlossen. Ansonsten gibt es hier einen Picknicktisch mit zwei Bänken, der direkt bei den Tanksäulen steht – den Benzingeruch gibt’s also zum Mittagessen gratis dazu.

35 Stunden mit dem Auto in die Türkei

Mustafa aus Köln legt einen letzten Tankstopp ein, bevor es nach Hause geht. Seine Frau und die vier Kinder nutzen die Zeit, um auf Toilette zu gehen und sich die Beine zu vertreten – schließlich hat die Familie eine lange Reise hinter sich: Die sechs kommen gerade aus dem Urlaub in der Türkei.

Mit dem Auto. 35 Stunden Fahrt. „Wenn die Grenze frei ist, schafft man es auch in 24 Stunden“, sagt der Familienvater lässig, als sei eine solch lange Fahrt bei ihm an der Tagesordnung.

Zwei Monate unterwegs mit dem Camping-Anhänger

Da rollen auch schon Monika und Werner Siebert mit ihrem Gespann auf die Tankstelle zu. Das Ehepaar ist auf dem Weg nach Österreich. Zwei Wochen planen der 72-Jährige und die 66-Jährige für die Fahrt ein. Übernachtet wird in dem Wohnanhänger – aufgrund seiner Größe eine richtige Knutschkugel.

In Österreich wollen sie vier Wochen verbringen und dann wieder 14 Tage zurückreisen. Ihre Stopps haben sie vorher nicht geplant: „Wir halten einfach da an, wo es uns gefällt“, sagt der 72-Jährige. Seit das Ehepaar in Rente ist, macht es öfter solche Touren. „Eigentlich zieht es uns mehr ans Wasser“, so Siebert.

Da Sieberts aber noch einen Gutschein für einen Campingplatz in Österreich haben, geht es nun in Richtung Süden. Heute dient der Halt an der Elsinger Höhe nur zum Tanken. Sonst stehen aber auch längere Pausen an Rasthöfen auf dem Plan, wo das Paar dann auch gerne einmal etwas isst.

Das Badezimmer der Lkw-Fahrer ist auf der Raststätte

An der Raststätte Bühleck nahe Zierenberg ist an diesem Vormittag etwas mehr los. Möglicherweise, weil die Raststätte direkt an der Autobahn liegt. Hier gibt es in der Tankstelle auch einen Imbiss, an dem es zum Beispiel Currywurst oder Schnitzel mit Pommes gibt. Auch gemütlich sitzen kann man hier.

Die Menschen, die hier vorbeikommen, scheinen eher genervt und gestresst, als in freudiger Urlaubsstimmung. Auf dem großen Hof stehen einige Lkw – ein Fahrer läuft mit Handtuch und Duschgel unterm Arm in Richtung Sanitäranlagen, ein anderer füllt drei leere Plastikkanistern mit frischem Wasser auf.

In 31 Jahren nur selten an Raststätten und Rasthöfen geparkt

Bernd und Jutta Breitbarth sind mit ihrem Wohnmobil Berta, der Name setzt sich aus den Vornamen der beiden zusammen, unterwegs. Eigentlich fahren sie damit zwei bis drei Mal im Jahr weg, am liebsten auf ihren Stamm-Campingplatz in Kroatien. Coronabedingt bleibt es in diesem Jahr aber nur bei dem Besuch von Freunden innerhalb Deutschlands.

Begeisterte Camper: Jutta und Bernd Breitbarth sind gerne mit ihrem Wohnmobil Berta unterwegs.

Der 70-Jährige kennt Autobahnen und Parkplätze nur zu gut: Bis zu seiner Rente vor fünf Jahren ist er 31 Jahre lang Lkw gefahren und war dabei bis auf Spanien und England in ganz Europa unterwegs. Raststätten und Rasthöfe hingegen hat er in dieser Zeit eher selten gesehen.

Zu wenig und zu kleine Raststätten in Deutschland

Wenn es hochkommt, hat er ein Mal die Woche seinen Feierabend an einer Raststätte verbracht. „Die Pause machste da, wo die Fahrtzeit zu Ende ist“, sagt Breitbarth. „Wenn dann gerade keine Raststätte in der Nähe ist, steht man blöd auf einem Parkplatz herum.“

Das Problem liegt laut Breitbarth darin, dass es in Deutschland zu wenig Raststätten gibt. Zudem seien die Vorhandenen viel zu klein. „Man muss hoffen, dass man überhaupt einen Platz findet“, sagt er. Meist ist er einfach von der Autobahn abgefahren und hat sich in irgendein Industriegebiet gestellt und dort seinen Feierabend verbracht – ohne Toilette.

Schaffte er es doch einmal auf einen Autobahn-Parkplatz, seien die Toiletten dort sehr dreckig gewesen. Das sei in Deutschland meist so. (Lea-Sophie Mollus)

Autohof oder Raststätte?

Unter Autohof, oder auch Rasthof, versteht man in Deutschland eine an der Autobahn ausgeschilderte Tank- und Rastanlage. Autohöfe liegen, im Gegensatz zu Raststätten, nicht direkt an der Autobahn, sondern sind über Autobahnausfahrten erreichbar.

Damit sich eine Rastanlage als Autohof bezeichnen kann, darf sie unter anderem nicht weiter als einen Kilometer von der Autobahn entfernt sein, muss ganzjährig und ganztags geöffnet sein und mindestens 50 Lkw-Stellplätze an schwach frequentierten und mindestens 100 an stärker frequentierten Autobahnen aufweisen. Übrigens: An Autohöfen ist tanken, essen und trinken in der Regel günstiger als an Raststätten.

Da es kein Zentralregister für Autohöfe gibt, lässt sich die genaue Anzahl in Deutschland nur schwer feststellen. Der Vereinigung Deutscher Autohöfe (Veda) gehören laut Geschäftsführer Alexander Quabach 98 Autohöfe an. Insgesamt gibt es in Deutschland zwischen 200 und 250 Autohöfe, so Quabach.

Die Raststätten in Deutschland werden von verschiedenen Betreibern geführt. 400 Anlagen werden laut Alexander Schnaars vom ADAC und von Tank & Rast betrieben. Über die Gesamtzahl konnte er keine Angabe machen.

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