„Ohne Menschen wird es anders“

Pfarrer und Christen erleben in der Coronakrise ein besonderes Osterfest

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In der Osternacht wird die Osterkerze entzündet: Christen gedenken so der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Es ist ein Symbol für den Übergang vom Dunkel ins Licht. 

Eine leere Kirche an Ostern. Die Coronakrise bringt auch das mit sich. Die Kirchen im Wolfhager Land haben sich jedoch gute Alternativen überlegt.

Wolfhager Land – Es sind besondere Tage, die Marek Prus in diesen Wochen erlebt. Die Coronakrise hat das Leben fest im Griff. Sie schränkt ein. Sie macht Angst. Und doch lässt sie die Menschen zusammenrücken. Prus, der als Pfarrer für die katholischen Gemeinden in Zierenberg und Wolfhagen zuständig ist, stellt sich auf ein Osterfest ein, wie er es noch nie erlebt hat. Stiller und doch auch getragen von einer Gemeinschaft, in der die Menschen näher zusammenrücken.

Schon die Fastenzeit sei außergewöhnlich gewesen, sehr ruhig und mit Auswirkungen auf die soziale Gemeinschaft. Fasten habe plötzlich den Verzicht auf die gemeinsame Feier der Eucharistie bedeutet. Dennoch würden die Menschen in dieser schweren Zeit ihren Glauben leben. 

„Jeden Tag kommen sie in die Zierenberger Kirche.“ Zwischen sechs und 15 Personen seien es über den Tag verteilt, sagt Prus, der direkt nebenan wohnt. Das seien deutlich mehr als vor der Krise. Einige der Menschen gingen in der Kirche die 14 Kreuzweg-Stationen ab und hielten inne. Manche suchten das Gespräch, andere Trost.

Der Ausschluss der Öffentlichkeit machte die Gottesdienste an Ostern in diesem Jahr einmalig. „Ohne Menschen ist es anders“, sagt der 56-Jährige. Jetzt sei jeder einzelne Christ gefragt. Die Gewohnheit der vergangenen Jahre werde durchbrochen, und jeder müsse das Fest in der Tradition des Glaubens für sich feiern.

Ostern für Katholiken beginnt am Gründonnerstag mit dem Sakrament der Eucharistie. Am Karfreitag, dem Tag der Stille, wird des Leidens und Sterbens Jesu Christi am Kreuz gedacht. Nach dem Tag der Grabesruhe, dem Karsamstag, wird in der Osternacht die Auferstehung gefeiert. Die katholische Kirche unterbreitet für die Dreitagefeier verschiedene Angebote. Die Kirchen werden geöffnet sein. 

Ostern in der Coronakrise: Geistliche erreichen Gläubige trotzdem

In Pfarrbriefen und im Internet wenden sich Geistliche an die Gläubigen. In Wolfhagen können die Christen an ihrer Tradition festhalten und am Karsamstag mit Speisen gefüllte Körbe vor den Altar stellen. Prus wird diese segnen, am Sonntagvormittag können sie abgeholt werden. Das Gleiche gilt für die Osterkerzen. Der Zierenberger Gemeinderat hatte die Idee, Palmzweige mit Blüten zusammenzubinden und diese versehen mit einem Ostergruß älteren Menschen vor die Tür zu legen.

Prus selbst feiert nicht nur über Ostern jeden Tag Gottesdienst, immer zu anderen Zeiten, und immer bezieht er dabei seine Mitmenschen mit ein. „Wir hätten uns für Ostern gewünscht, dass die Zahl der Infizierten kleiner wird und ein Ende der Krise in Sicht ist“, sagt er. Die Hoffnung auf eine Kehrtwende hat er noch nicht verloren.

Anders fühlt sich Ostern auch für evangelische Christen an. „Mir wird die Osternacht fehlen“, sagt Wolfhagens Pfarrerin Kathrin Wittich-Jung. Traditionell kommen die Christen gegen 5 Uhr morgens in der dunklen Kirche zusammen, um gemeinsam ins Licht zu gehen. In dieser Nacht wird zum ersten Mal die Osterkerze angezündet, die von da an ein Jahr lang während der Gottesdienste brennen wird. Das gemeinsame Abendmahl gehöre ebenso dazu wie die Musik von Bernd Geiersbach. „Das hat etwas sehr Meditatives.“

Der Ostergottesdienst wird live in die Wohnzimmer übertragen

Auf dieses Erlebnis müssen Wittich-Jung und ihrer Kollegen am kommenden Sonntag verzichten. Vielleicht, erzählt sie, stehe sie trotzdem früh auf, um den Sonnenaufgang, den Wechsel von der Dunkelheit zum Licht ganz bewusst zu erleben. Für die Gemeinde wird ihr Mann, Martin Jung, am Sonntag den Ostergottesdienst feiern, der wieder live in die Wohnzimmer übertragen wird. 

Im Anschluss daran wird die Kirche offen sein. Wer Lust hat, könne sich eine kleine Osterkerze nehmen, diese an der Kerze auf dem Altar anzünden und nach Hause tragen. „Wer nicht in der Lage ist, in die Kirche zu kommen, dem stellen wir das Licht vor die Tür“, sagt Wittich-Jung. Auch dies ein Service, den die Coronakrise an positiven Begleiterscheinungen mit sich bringt.

Mit den Online-Gottesdiensten haben die Wolfhager Pfarrer sehr gute Erfahrung gemacht. An Smartphones und Tablets versammelten sich mehr Menschen als zuvor an den Sonntagen in der Kirche. Zuletzt waren es bis zu 140 Personen. Deshalb wird es an Gründonnerstag eine Online-Abendmahlfeier geben. Jeder könne sich an der beim Essen und Trinken symbolisierten Gemeinschaft der Christen beteiligen und etwas Brot und einem Schluck Saft oder Wein bereithalten. Ein weiterer virtueller Gottesdienst wird an Karfreitag gefeiert. kirche-wolfhagen.de

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