Einbrecher wählen auch ungewöhnliche Wege

Die Polizei klärt auf: So schützt man sich vor Einbrüchen

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Kennen die Einbruchsmaschen: Markus Gebauer (links) und Simone Wolf von der Polizei verweisen auf Schwachstellen am Gebäude und geben Hauseigentümern Tipps für mehr Sicherheit.

Kreis Kassel. Der Winter ist die Lieblingsjahreszeit für Einbrecher. In Kooperation mit der Polizei geben wir Tipps zur Prävention. 

Markus Gebauer und Simone Wolf wissen, wie Einbrecher ticken: Ein Regenrohr, das zum Hochklettern auf den Balkon einlädt, eine papierdünne Waschküchentür, die spielend aufgebrochen werden kann oder dicht gewachsene Büsche, die beste Versteckmöglichkeiten bieten. Die beiden Polizisten der Präventionsabteilung öffnen einem Baunataler Ehepaar beim Rundgang um ihr Haus die Augen. Die älteren Leute haben die Beamten um einen Beratungstermin zum Einbruchschutz gebeten, nachdem ihr Auto aufgebrochen worden war. Mit dabei ist auch der Nachbar: „Wir passen schließlich aufeinander auf.“

Gebauer erklärt, wo die Büsche geschnitten werden müssen, damit Sichtachsen den Blick auf das Nachbargrundstück freigeben. Der Baunataler hat sich bereits fest entschlossen, mehr Bewegungsmelder rund um sein Haus aufzustellen. Von den Beamten erhält er den Tipp, solche mit eingebauter Kleintierunterdrückung zu wählen. Ein Tierquäler sei er nicht, scherzt der Baunataler. Er will sich aber darum kümmern. „Mit dieser Technik geht nicht wegen jeder Katze das Licht an“, erklärt Gebauer das Prinzip.

„Wenn ein Unbekannter durch den Garten schleicht, rufen Sie immer die Polizei an. Ist es am Ende nur der Staubsaugervertreter oder der Bruder vom Nachbarn, reißt ihnen niemand den Kopf ab“, appelliert Markus Gebauer. Viele Menschen hätten in so einem Fall immer noch eine Hemmschwelle, die 110 zu wählen.

Mit der Aktion „Wachsamer Nachbar“ versucht die Polizei für diese Thema zu sensibilisieren. Wie erfolgreich das sein kann, könne man an einem Fall sehen, bei dem ein Täter vor einiger Zeit rund 400 mal im Landkreis Kassel in Häuser und Wohnungen einstieg. Eine Frau habe den Mann schließlich aus dem Haus ihrer Nachbarin herauskommen sehen und sofort die Polizei informiert. Der Einbrecher konnte daraufhin endlich gefasst werden.

Doch zurück nach Baunatal. Die beiden Polizisten, die selbst schon oft an Tatorten ermittelt haben, inspizieren mit den Hauseigentümern die Fenster. Verschiedene Sicherungsmöglichkeiten werden besprochen. Das Paar entscheidet sich schließlich für eine mechanische Zusatzsicherung, die sie ästhetischer finden als Riegel.

Der Winter ist die Lieblingsjahreszeit für Einbrecher. Statistisch gesehen gebe es zwischen 16 und 21 Uhr die meisten Einbrüche, klärt Präventionsexpertin Wolf auf. Es sei ein Irrtum, dass Einbrecher immer nachts kämen. Vor allem in der dunklen Jahreszeit nutzten sie die frühe Dämmerung aus, wenn gerade niemand zu Hause sei. Sie rät den Baunatalern mit Zeitschaltuhren Anwesenheit vorzutäuschen. Nach rund eineinhalb Stunden ist die Beratung vorbei. Die Baunataler wollen gleich mit der Umsetzung der einzelnen Projekte beginnen. Einbrecher werden es künftig bei ihnen schwer haben.

Private Wachsamkeit unterstützt effektiven Einbruchschutz

in Wohnungseinbruch belastet die Opfer oft stark und kan nicht nur materielle Schäden verursachen, sondern auch Folgen für die Psyche haben, sagt Reinhard Giesa, Leiter der Präventionsabteilung der Polizei im Kasseler Präsidium. Die Verbesserung des technischen Einbruchschutzes sei besonders wichtig, um möglichst viele Täter scheitern zu lassen. Mittlerweile würden durch vorhandene Sicherheitsmaßnahmen und aufmerksame Nachbarn. 40 Prozent der Einbrüche misslingen. 

Folgende Tipps gibt die Polizei für einen effektiven Einbruchsschutz: 

  • Täuschen Sie Anwesenheit vor, zum Beispiel durch die Beleuchtung von Innenräumen Mit Hilfe von den Zeitschaltuhren oder Fernsehsimulatoren.
  • Wenn Sie Ihr Haus verlassen - auch nur für kurze Zeit - schließen Sie Türen ab und verriegeln Sie die Fenster. Denken Sie daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Lassen Sie bei Abwesenheit die Rollladen herunter – besonders rückwärtige und sichern Sie diese gegen Hochschieben.
  • Sorgen Sie für Außenbeleuchtung
  • Bewahren Sie größere Geldbeträge oder Wertgegenstände nicht in der Wohnung auf oder verschließen Sie diese in speziellen Wertschränken.
  • Achten Sie auf Fremde in Ihrer Wohnanlage oder auf dem Nachbargrundstück. (Stichwort: Wachsamer Nachbar)
  • Informieren Sie bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei unter 110.
  • Geben Sie keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Ihrem Anrufbeantworter.
  • Sollten Sie Täter in Ihrer Wohnung überraschen, stellen Sie Sich diesen nicht in den Weg, sondern verständigen Sie schnellst möglich die Polizei. 
  • Ergänzende Sicherheit bietet zum Beispiel eine Einbruch- und Überfall-Meldeanlage. Damit werden Einbruchsversuche automatisch gemeldet und man kann den Alarm bei Gefahr auch selbst auslösen. 

Nachbarn können sich gegenseitig schützen. Giesa rät, sich über das Thema Sicherheit auszutauschen und sogar ein Nachbarschaftstreffen mit der Polizei zu organisieren. Weitere Tipps:

  • Tauschen Sie untereinander Rufnummern, Erreichbarkeit und Autokennzeichen aus.
  • Sind Sie oder Ihre Nachbarn im Urlaub, können Sie vorab Aufgaben vereinbaren, wie Wohnungen betreuen, Briefkästen leeren und Kontrollgänge organisieren.

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