Kirchturm und Teichberg

Posaunenchor begrüßte das neue Jahr in luftiger Höhe

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Premiere: Für die 19-jährige Maja Kühling (vorne), die derzeit ein soziales Jahr im Evangelischen Kirchenkreis Wolfhagen absolviert, war es die erste Teilnahme am Neujahrsblasen des Posaunenchors vom Kirchturm. Bernhard Winter (rechts) nahm zum 53. Mal daran teil.

Wolfhagen. Das Neujahrsturmblasen der Wolfhager Blechbläser fand auch in diesem Jahr wieder statt: 

Viele Einwohner der Wolfhager Kernstadt öffneten am Neujahrstag um 11 Uhr ihre Fenster, standen auf dem Balkon ihres Hauses, oder blieben beim Spaziergang durch die Straßen und Gassen stehe, um zu lauschen und sich musikalisch auf das neue Jahr einstimmen zu lassen. Die ersten instrumentalen Töne, die in luftiger Höhe über die Dächer der Stadt schwebten, erklangen von der Balustrade des 56 Meter hohen Turmes der evangelischen Stadtkirche.

Hatten dort Bianca und Matthias Fieseler, Maja Kühling, Tim Albrecht, Carsten Opfermann, Christoph Weinreich, Aian Michel, Marco Lingemann und Bernhard Winter vom Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Wolfhagen ihr Stück beendet, herrschte keineswegs Funkstille. Vielmehr ertönte vom Teichberg die gleiche Melodie. Dort auf dem Balkon der Familie Kepper hatte sich nämlich der Rest der derzeit 25 Chormitglieder versammelt, um einem Echo gleich mit der nächsten Strophe des jeweils angestimmten Liedes in einem wunderbaren Wechselspiel zu antworten.

Das Neujahrsturmblasen der Wolfhager Blechbläser hat eine Jahrzehnte lange Tradition und begann vermutlich schon kurz nach der Gründung des Klangkörpers vor 93 Jahren. Bernhard Winter, dessen Elternhaus, die Seilerei Winter am Kirchplatz, allgemein nur als Marktplatz bezeichnet, nur einen Steinwurf von der Stadtkirche entfernt liegt und dessen Vater Ludwig Winter 1925 den Posaunenchor mit aus der Taufe hob, ist in der jetzigen Besetzung ein Urgestein des Wolfhager Neujahrsblasens. Seit 1964 selbst aktives Chormitglied hat er in diesem Jahr dafür zum 53. Mal die 156 engen und steilen Stufen hoch auf die Turmbalustrade zum Neujahrsblasen erstiegen. Er erinnert sich: „Von Beginn an, auch als ich vor 54 Jahren anfing, wurde von den Bläsern das neue Jahr immer in der Silvesternacht Punkt null Uhr in luftiger Höhe vom Kirchturm begrüßt.“

In diesem Jahr hatten die Bläserinnen und Bläser einen idealen Spielpartner: das Wetter. Mit zehn Grad plus und Sonnenschein beste Voraussetzungen für einen bunten Melodienstrauß und einen märchenhaften Panoramablick über die Stadt und das Umland. Bernhard Winter: „Wir hatten aber auch schon Silvesternächte, wo wir nur ganz wenige Lieder anstimmen konnten. Da herrschten nämlich tiefe Minustemperaturen und ließen die Instrumente einfrieren.“

Bernhard Winter, der, bevor er vor über 50 Jahren selbst aktiver Teil des Posauenchors wurde, vorher aber auch schon immer seinen Vater begleitete, erstieg den Kirchturm aber nicht nur zum Neujahrsblasen, sondern auch am Heiligen Abend. Bernhard Winter: „Denn früher haben wir mit dem Posaunenchor hoch über den Dächern der Stadt die Wolfhager Einwohner musikalisch auch auf das Weihnachtsfest eingestimmt.“ Diesen Brauch ließen die Blechbläser vor einigen Jahren wieder aufleben. Jedoch nicht vom Turm, sondern von der Treppe des Rathauses.

Für Maja Kühling war die Turmbesteigung und das Neujahrsblasen eine Premiere. Die aus Kassel stammende 19-jährige absolviert ein soziales Jahr im Kirchenkreis Wolfhagen: „Fantastisch der Bilderbuchblick über Wolfhagen als Lohn der Strapazen“, sagte sie begeistert.

Den Bläsern auf dem Kirchturm antworteten im Wechselspiel die anderen Chormitglieder vom Balkon der Familie Kepper am Teichberg.

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