"Ich fühle mich von der Stadt verarscht“

Posse um Straßenleuchte: Streit zwischen Anwohner aus Istha und Stadtwerken

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Hier stand die Straßenleuchte: Harald Hensel steht vor der Hecke an seinem Grundstück, an der die Straßenbeleuchtung angebracht war. Jetzt ragt nur noch die Spitze der Stange heraus.

„Was hier läuft, ist eine Sauerei“, sagt Harald Hensel. Sein Gesicht zeigt Unverständnis, seine Worte sind voller Wut: „Ich fühle mich von der Stadt verarscht.“

Der Grund dafür ist eine Straßenleuchte. Die steht an Hensels Grundstück in Istha und wurde jetzt von Mitarbeitern der Stadtwerke im Auftrag der Stadt abmontiert.

Die knapp vier Meter hohe Stange, die von einer hohen, dichten Hecke umschlungen ist, erinnert noch an die einstige Beleuchtung. „Es ist hier jetzt total dunkel und gefährlich abends, meine Tochter hat Angst“, zeigt sich der Familienvater empört.

Das Grundstück liegt unmittelbar in einer Kurve der engen, aber viel befahrenen Seitenstraße. Eine Einsicht ist schon tagsüber äußerst schwierig, nun ist es nachts auch noch dunkel. Statt vier, sind es nun drei Straßenleuchten in der Seitenstraße am Rande Isthas, in der auch das Grundstück des getöteten Regierungspräsidenten Walter Lübcke liegt.

Noch heute sind dort täglich Polizisten für Ermittlungen und den Schutz der Familie anzutreffen. „Das macht das Ganze noch absurder“, meint Hensel.

Dieter Spangenberg

Doch Hensel hat das Abmontieren der Lampe selbst provoziert – so sieht es Dieter Spangenberg, Technischer Leiter der Stadtwerke Wolfhagen. Der Auslöser ist Hensels Hecke. „Das Ganze geht jetzt zwei Jahre. Wir haben Harald Hensel immer wieder auf seine Hecke hingewiesen, die deutlich zu hoch ist und über das Grundstück hinausragt“, so Spangenberg.

Hensel behauptet, die Straßenleuchte stehe etwa einen halben Meter auf seinem Grundstück, dem widerspricht Spangenberg. „Sie steht klar an der Grundstücksgrenze.“ Das habe auch eine Begutachtung der Grenzverläufe ergeben. Es steht Aussage gegen Aussage.

„Das Licht kam wegen der hohen Hecke nur noch zu zehn Prozent auf die Straße“, sagt Spangenberg. Jeder Versuch, Hensel zu bewegen, seine Hecke zu schneiden, sei gescheitert. „Er hat es uns mehrmals versprochen.“

Nach Gesprächen und Ortsbesuchen griffen Stadt und Stadtwerke nun zu einem schärferen Mittel und ließen die Lampe vorerst abmontieren. „Wir haben die umliegenden Anwohner informiert und die Sache erklärt“, so Spangenberg. „Wenn Harald Hensel seine Hecke geschnitten hat, dann kommt da auch wieder eine Beleuchtung hin.“

Ob das geschieht? Unklar. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagt der Mann aus Istha, der halbtags Taxi fährt.

Hensel kaufte das Grundstück an der Turnstraße vor 20 Jahren. Die Straßenleuchte war da bereits installiert. Der damalige Nachbar habe einen Deal mit der Stadt vereinbart und die Leuchte in Absprache gekauft, da die Ecke so dunkel gewesen sei, schildert Hensel. Das will Spangenberg nicht ausschließen. Hensel hatte sogar eine zweite beantragt, damit die Straße noch besser beleuchtet werde. Das lehnten die Stadtwerke ab.

Spangenberg erklärt weiter: „Das Grundstück liegt in einem privilegierten Außenbereich.“ Dort befinden sich überwiegend landwirtschaftliche Betriebe. Solche hätten generell kein Anrecht auf eine Beleuchtung. Besagte Straßenleuchte sei wegen der umliegenden Wohnhäuser installiert worden.

Ob das Abmontieren und die damit dunklere Straßenecke in Zeiten des Lübcke-Mords zu einem ungünstigen Zeitpunkt kämen? Das beteuert Hensel. Spangenberg sagt: „Am Haus der Lübckes und am Kindergarten etwa 300 Meter entfernt sind Leuchten, außerdem ist die Polizei noch rund um die Uhr vor Ort.“

So bleibt die Ecke wohl dunkel, bis die Hecke geschnitten ist.

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