Bürgerbeteiligung ab Anfang Juli erwünscht

Radverkehr in Wolfhagen soll zunehmen: Verbesserung wird ein Kraftakt

Wollen die Situation für Radfahrer verbessern: Anne-Christine Bandurski, im Wolfhager Rathaus im Bereich Tourismus tätig, und Klimaschutzmanager Markus Huntzinger. Zu einem attraktiven Angebot zählt auch die Verleihstation für E-Bikes, die die Familie Wetterich an der Buttlarstraße für die Stadt betreibt.
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Wollen die Situation für Radfahrer verbessern: Anne-Christine Bandurski, im Wolfhager Rathaus im Bereich Tourismus tätig, und Klimaschutzmanager Markus Huntzinger. Zu einem attraktiven Angebot zählt auch die Verleihstation für E-Bikes, die die Familie Wetterich an der Buttlarstraße für die Stadt betreibt.

Die Radwege rund um Wolfhagen sollen verbessert werden. Bürger können sich am Radverkehrskonzept beteiligen.

Wolfhagen – Bei der Radmobilität hängt Wolfhagen anderen Städten ähnlicher Größe hinterher. Das geht aus einer Untersuchung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor. Der ADFC hatte Bürger im vergangenen Jahr aufgefordert, die Attraktivität ihrer Stadt für Radfahrer zu bewerten. Dieses eher durchschnittliche Image will die Stadt Wolfhagen nun aufpolieren.

Die städtische Arbeitsgruppe Radverkehr arbeitet seit Monaten intensiv an einer Verbesserung der Infrastruktur. Im Februar wurde die Firma LK Argus aus Kassel mit der Erstellung eines Radverkehrskonzepts beauftragt. Erste Ergebnisse liegen nun vor, sagt Klimaschutzmanager Markus Huntzinger, dem es auch darum geht, den Anteil des Radverkehrs an der Nahmobilität von derzeit nur zwei Prozent deutlich zu steigern. „Zweistellig sollten wir schon werden“, sagt Huntzinger und skizziert das Ziel für die kommenden Jahre.

Demnächst sollen die Wolfhager in das Konzept eingebunden werden. Doch nicht nur sie, auch Menschen aus benachbarten Kommunen sind aufgefordert, sich von Anfang Juli bis Anfang August online zu beteiligen. Auf der vor wenigen Tagen freigeschalteten Internetseite radverkehrskonzept-wolfhagen.de können sie darlegen, wo aus ihrer Sicht dringend Handlungsbedarf besteht. Das könnten bestimmte Strecken sein, sagt Huntzinger, aber auch andere Dinge, die zur Radinfrastruktur zählten, wie Beschilderungen oder Querungen von Straßen.

Würde ein verbessertes Radwegenetz sehr begrüßen: Grit Hahn aus Ippinghausen fährt während in der warmen Jahreshälfte oft mit dem Rad zur Arbeit, von Ippinghausen nach Zierenberg und wieder zurück.

Das Radverkehrskonzept bildet die Richtschnur für künftige Vorhaben, die Radverkehrsentwicklung in Wolfhagen, den Stadtteilen und an den Anschlussstellen zu anderen Kommunen zu fördern. Aufbauend auf eine Bestandsanalyse wurden bisher Netzlücken und Defizite aufgedeckt. Dafür sind Mitarbeiter von LK Argus das 144 Kilometer lange Netz aus Rad- und Wirtschaftswegen abgefahren.

Was nun noch fehle, sei eine Priorisierung der Aufgaben, sagt Arbeitsgruppenmitglied Huntzinger. Hierfür wolle man das Feedback aus der Bevölkerung nutzen. Schließlich müssten Kosten und Fördermöglichkeiten ermittelt werden. Bei der Umsetzung der ersten konkreten Vorhaben allerdings sei noch etwas Geduld gefragt. Huntzinger rechnet nicht vor dem Jahr 2023 mit einer Bereitstellung von Mitteln im Haushalt der Stadt. Schneller geht es hingegen mit dem Radverkehrskonzept – das sollte spätestens im Oktober dieses Jahres fertig sein.

Die Arbeitsgruppe, die sich seit Monaten mit der Verbesserung der Radwege rund um Wolfhagen befasst, hat nicht in erster Linie Radtouristen im Blick. Dass die freilich von lückenlosen Verbindungen zwischen mehreren Orten ebenfalls profitieren würden, ist ein angenehmer Begleiteffekt. Den Mitarbeitern aus Rathaus und Magistrat geht es viel mehr um eine Verbesserung der CO2-Bilanz. Sie wollen, dass mehr Menschen ihr Auto stehen lassen und für ihre kurzen Wege aufs Rad wechseln.

Gegenwärtig spielt der klimafreundliche Fuß- und Radverkehr in Wolfhagen nur eine untergeordnete Rolle. Wie in anderen Kommunen mit einer Wolfhagen ähnlichen Struktur liegt der Anteil der Autos bei der Nahmobilität bei knapp 85 Prozent, gefolgt von Bus und Bahn mit gut zehn Prozent. Jeweils zwei Prozent der Verkehrsteilnehmer sind zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Der Anteil der Motorräder liegt bei etwas mehr als einem Prozent. Das Gute an den Zahlen aus Sicht von Wolfhagens Klimaschutzmanager Markus Huntzinger: Der Radverkehr hat Potenzial. Und mit dem Aufwind, den das Fahren mit dem E-Bike gerade erfährt, könne doch einiges möglich sein. „Denn je mehr Menschen mit dem Rad fahren, umso mehr werden die Emissionen reduziert“, sagt Huntzinger.

Dennoch dürfte die Verbesserung der Infrastruktur ein Kraftakt werden. Huntzinger sieht sich gleich mehreren Herausforderungen gegenüber. So kostet der Bau von Radwegen Geld. Also geht es für die Planer im Wolfhager Rathaus auch darum, Fördertöpfe anzuzapfen. Doch um einen ordentlichen Schluck aus der Pulle abzubekommen, müssen die Wege gewisse Voraussetzungen erfüllen, sagt Huntzinger. So sollten die Strecken sicher sein, Bundes- und Landesstraßen sollten gemieden werden. Und eine Verbindung zwischen zwei Orten sollte möglichst auf direktem Weg erfolgen, damit sich Radfahrer den Wechsel auf das klimafreundliche Fortbewegungsmittel nicht teuer mit längeren Fahrtzeiten erkaufen müssen. Gleichzeitig sollen dabei nur geringe Höhendifferenzen überwunden werden. „Wenn eine Strecke für Radfahrer zu anstrengend ist, wird sie nicht gut angenommen“, sagt der Klimaschutzmanager. Deshalb hoffen er, die Arbeitsgruppe Radfahren und die Konzeptersteller von der Firma LK Argus auf möglichst viele Anregungen aus der Bürgerschaft, wenn Anfang Juli eine Beteiligung über die Homepage radverkehrskonzept-wolfhagen.de möglich ist.

Daneben warten bei der Planung und dem Schließen von Lücken im Ragwegenetz noch weitere Probleme. Huntzinger macht ein Beispiel: Die Verbindung zwischen Istha und Martinhagen verspricht für Radfahrer an einer Stelle wenig vergnüglich zu werden. Auf einer 700 Meter langen Passage müssen Radler eine Wiese befahren. Insbesondere nach Regenfällen oder wenn das Gras hoch steht, kommt der Durchschnittsradfahrer an seine körperlichen Grenzen. Deshalb wollen die Stadt Wolfhagen und die Gemeinde Schauenburg diese Lücke schließen.

Zuvor müssen aber die zahlreichen Grundstückseigentümer ins Boot geholt und beteiligt werden. „Sie müssen bereit sein, ein paar Meter ihrer Flächen abzugeben.“ Gute Aussichten auf Erfolg habe man dann, wenn die Radwege gleichzeitig auch Wirtschaftswege seien, die für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben sind. (Antje Thon)

Mittelplatz im Ranking

Beim Fahrradklimatest 2020 des ADFC belegt Wolfhagen unter den 418 Kommunen mit bis 20 000 Einwohnern Platz 220. Das Ergebnis spiegelt die Meinungen von Bürgern wider, die die Attraktivität ihrer Stadt für Radfahrer bewertet haben. Als positiv honorierten sie, die geringe Zahl an Raddiebstählen und das Vorhandensein öffentlicher Fahrräder. Negative Noten gab es bei den Themen zügiges Radfahren, Erreichbarkeit des Stadtzentrums und Radfahren für Alt und Jung.

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