Ein Herz für zottelige Schotten

Rainer Haardt züchtet in Wolfhagen seit 30 Jahren Highland-Cattle-Rinder

Ein Leben für die Hochlandrinder: Rainer Haardt hat vor gut drei Jahrzehnten die zotteligen Highland Cattles ins Wolfhager Land geholt. Heute kümmert sich Enkel Christian Berdi um die am Glockenborn weidenden Tiere.
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Ein Leben für die Hochlandrinder: Rainer Haardt hat vor gut drei Jahrzehnten die zotteligen Highland Cattles ins Wolfhager Land geholt. Heute kümmert sich Enkel Christian Berdi um die am Glockenborn weidenden Tiere.

Es ist kalt, und der Wind pfeift mit voller Kraft durch den Glockenborn. Die Highland-Cattle-Rinder, die hier zuhause sind, scheint das ebenso wenig zu jucken wie Rainer Haardt, der beinahe täglich mit seinem grünen Gator-Flitzer raus ins Feld fährt, um bei seinen tierischen Freunden nach dem Rechten zu sehen.

Wolfhagen – Haardt ist der Mann, der die zotteligen Hochland-Rinder aus Schottland einst ins Wolfhager Land geholt hat. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie beeindruckt ich war, als ich vor gut 30 Jahren die ersten Highlands gesehen habe“, erinnert sich der Ippinghäuser an jenen schicksalhaften Tag, als er seinen Chef von Wintershall mal wieder gen Nordseeküste chauffieren musste und im Morgennebel plötzlich eines der stattlichen Tiere erspähte.

„Ich dachte, es sei ein Elefant“, sagt er lachend und berichtet, dass er umgehend begann, sich über die nie zuvor gesehenen Tiere zu informieren. „Es war um mich geschehen, das Urige und Natürliche hat mich einfach fasziniert, und entsprechend dauerte es nicht lange, bis die ersten zwei Tiere in Ippinghausen landeten.“

Mit einer Kuh und einem Kalb startete Haardt, unterstützt durch Schwiegersohn Reinhard Berdi, in sein ungewöhnliches Hobby, das er stets nur aus Spaß und Leidenschaft betrieben habe.

Dass sich drei Jahrzehnte später weit über 30 Tiere im Glockenborn wohlfühlen und Enkel Christian die Zucht mit ebenso großer Leidenschaft wie der Opa weiterführen würde, das hätte er sich einst nicht erträumt. „Das zu sehen, macht mich glücklich“, sagt er und ist stolz auf seinen Enkel, der – anders als er selbst – nun mit den Tieren auch wirtschaftlich erfolgreich ist.

Mit dem grünen Flitzer stattet Rainer Haardt seinen tierischen Freunden so oft wie möglich einen Besuch ab.

„Ich habe immer nur das Portemonnaie aufgemacht, um in mein Hobby zu investieren, das Kaufmännische lag mir nie“, gibt er zu und lächelt, während er seinem Enkel zufrieden zuschaut, wie der geschickt mit den Tieren umgeht. „Ich bin mit den Highlands aufgewachsen, bin auf Opas Lieblingsbullen Sam über unseren Hof geritten, solche Erlebnisse prägen“, sagt der Junior, der trotz seiner kommerziellen Ausrichtung immer ein Auge darauf hat, dass die Tiere glücklich und stressfrei im Herdenverbund aufwachsen, so, wie es schon seinem Opa immer wichtig gewesen sei.

In dem alten Herrn hat Berdi bis heute einen gewissenhaften Helfer und Berater an der Seite. Auch wenn der am heutigen Freitag seinen 85. Geburtstag feiert, lässt er es sich nicht nehmen, noch immer so oft wie möglich mit dem grünen Gator-Flitzer raus zu seinen tierischen Freunden zu fahren, selbst wenn es kalt ist und der Wind mit voller Kraft durch den Glockenborn pfeift. (Sascha Hoffmann)

Robust und schön anzusehen: Hochlandrinder aus Schottland

Weltweite Verbreitung fand das schottische Hochlandrind anfangs vor allem in Ländern mit ähnlichen Lebensbedingungen wie in ihrer schottischen Heimat – etwa in Kanada und Schweden. Nach Deutschland kam es Ende der Siebzigerjahre, als die ersten Tiere in Schleswig-Holstein angesiedelt wurden. Von dort verbreiteten sie sich nicht nur wegen ihrer anmutigen Schönheit schnell. Die Tiere aus Schottland erwiesen sich aufgrund ihrer Robustheit auch den neuen Anforderungen in der Landwirtschaft als besser gewachsen als die bisher hier vorrangig gehaltenen, zum Teil hochspezialisierten Hochleistungsrinderrassen. Derzeit sind in Hessen 61 Züchter schottischer Hochlandrinder verzeichnet.

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