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Biogas Wolfhagen GmbH erweitert Nahwärmenetz

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Von: Antje Thon

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Schadholz aus dem Wolfhager Stadtwald: Wenn der Rohstoff keiner stofflichen Verwertung, etwa in der Holzindustrie, zugeführt werden kann, bietet sich eine thermische Nutzung an. In der Feuerungsanlage, die demnächst neben der Biogasanlage in Wolfhagen errichtet werden soll, kann auch Landschaftspflege verbrannt werden.
Schadholz aus dem Wolfhager Stadtwald: Wenn der Rohstoff keiner stofflichen Verwertung, etwa in der Holzindustrie, zugeführt werden kann, bietet sich eine thermische Nutzung an. In der Feuerungsanlage, die demnächst neben der Biogasanlage in Wolfhagen errichtet werden soll, kann auch Landschaftspflege verbrannt werden. © Antje Thon

Das von der Biogasanlage ausgehende Wärmenetz in Wolfhagen wird erweitert. Die Biogas Wolfhagen GmbH wird im Frühling mit dem Bau einer Holzfeuerungsanlage beginnen und ihr Nahwärmenetz ausbauen.

Wolfhagen - Die Biogas Wolfhagen GmbH will zwei Millionen Euro in Netz und Feuerungsstätte investieren. Von der Wärme, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert und somit klimaneutral ist, werden Verwaltungsgebäude des Landkreises Kassel an der Ritterstraße, Stadthalle, Rathaus und Kita an der Landgrafenstraße profitieren. Mit Beginn der nächsten Heizperiode soll die umweltfreundliche Wärme bereits an diese Abnehmer geliefert werden. Bislang werden seit dem Jahr 2012 die Walter-Lübcke-Schule und seit 2014 auch das Erlebnisbad klimaneutral beheizt.

Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake und Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer der Biogas Wolfhagen GmbH, haben jetzt die Lieferverträge unterzeichnet und damit das Projekt von der Theorie in die Praxis geholt. Das Vorhaben ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, das sich mit dem Thema „Bioenergie aus Rest- und Abfallstoffen – Chancen für die regionale Wärmewende“ befasst und in das neben den Universitäten in Bremen und Flensburg und der Energieagentur Energie 2000 auch die Kommunen Wolfhagen, Hofgeismar und Felsberg eingebunden sind. Die Forschungsarbeit wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die Verbrennungsanlage besteht aus mehreren Modulen, sagt Jan Hampe, ebenfalls Geschäftsführer der Biogas Wolfhagen GmbH. Zunächst sei die Bereitstellung zweier Module geplant, von denen jedes eine Leistung von 250 Kilowatt hat. Wenn weiterer Bedarf nach Nahwärme bestehe, ließe sich die Holzfeuerungsanlage, die mit Hackschnitzeln aus der Region bestückt wird, erweitern.

Die Holzfeuerung sei eine sinnvolle Ergänzung der Biogasanlage, sagt Schulte-Ebbert. Letztere erzeugt zu jeweils gleichen Teilen Strom und Abwärme. Der Strom wird über die Energiebörse in Leipzig verkauft und sichert einen Teil der Einnahmen. Der Wärmesektor soll nun deutlich stärker als bisher in den Fokus rücken. Nach Angaben von Wolfhagens Klimaschutzmanager Markus Huntzinger lägen bereits weitere Anfragen von potenziellen Abnehmern vor. Man sei unter anderem im Gespräch mit dem Eigentümer einer Wohnanlage.

Für die Stadt Wolfhagen ist die Umstellung der Wärmeversorgung von Erdgas auf Biomasse für einen Teil ihrer Liegenschaften ein wichtiger Beitrag, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Und bei den aktuell explodierenden Preisen für Erdgas fällt der Wechsel zu einem günstigeren Energieträger aus nachwachsenden Rohstoffen ohnehin nicht schwer. „Für uns ist das ein wesentlicher Meilenstein auf dem Weg in Richtung Klimaneutralität“, kommentiert Bürgermeister Reinhard Schaake die Entscheidung.

Viel Holz fällt an

Der durch Stürme und Trockenheit bedingte enorme Anfall an Schadholz sei ein wesentlicher Grund, weshalb sich der Bau einer Holzfeuerungsanlage lohne, sagt Timo Kuhrau, der bei der Stadt Wolfhagen beschäftigt und eingebunden ist in das Forschungsprojekt. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass das Holz aus der Region komme und anders als Erdgas nicht aus dem Ausland eingeführt werden müsse. Kuhrau geht davon aus, dass selbst dann noch genügend Biomasse für die thermische Verwertung anfallen wird, wenn die riesigen Fichtenvorräte irgendwann erschöpft sein werden. „Denn die Buche ist auch betroffen“, sagt er mit Blick auf Klimawandel und Trockenheit, die Nordhessens Leitbaumart schwer zu schaffen machen. Selbst bei der Pflege und Durchforstung des knapp 1800 Hektar großen Stadtwaldes werde regelmäßig Holz anfallen.

Und schließlich sei eine Zusammenarbeit mit Hessen Mobil denkbar, ergänzt Bürgermeister Schaake. Bei Baumschnittarbeiten entlang von Straßen gebe es regelmäßig Biomasse. Daneben könne auch anderweitiges Landschaftspflegeholz verfeuert werden. In der Verbrennungsanlage können zwischen 200 und 300 Tonnen Holz pro Jahr in Wärme umgewandelt werden. Das entspricht einer Menge von etwa 400 Festmetern. Letztlich sei die Holzfeuerungsanlage als Ergänzung zur Biogasanlage gedacht, bei der ebenfalls Wärme anfällt. In der zunächst geplanten Dimensionierung mit zwei Modulen wird ihr Anteil an der umweltfreundlichen Wärmeproduktion bei etwa 30 Prozent liegen.

Die Logistikkette, die für die Anlieferung der Holzhackschnitzel sorgt, soll in den kommenden Monaten aufgebaut werden. In einem Bunker soll das Brennmaterial zwischengelagert werden. Die 1,8 Kilometer lange Leitung für das Nahwärmenetz wird im Spülbohrverfahren in einer Tiefe von einem bis 1,5 Meter verlegt. Die Leitungen, durch die das erwärmte Wasser später zirkulieren wird, hat einen Durchmesser von 12,5 Zentimeter.

4000 Megawattstunden Wärme pro Jahr

An die Biogasanlage sind derzeit acht Blockheizkraftwerke gekoppelt. Zusammen haben sie eine Leistung von zwei Megawatt. Die beiden Module der Holzfeuerungsanlage werden über eine Leistung von 0,5 Megawatt verfügen. Die Walter-Lübcke-Schule verbraucht im Jahr etwa 2500 Megawattstunden (MW/h) Wärme, davon kommen 800 MW/h von der Biogasanlage. Künftig soll die Schule komplett aus nachwachsenden Rohstoffen beheizt werden. Die Verwaltungsgebäude an der Ritterstraße haben einen jährlichen Wärmebedarf von 800 MW/h, Rathaus und Kita Landgrafenstraße verbrauchen 400 MW/h und die Stadthalle 200 MW/h. Die Biogasanlage und die Holzfeuerungsanlage zusammen können jährlich um die 4000 MW/h Wärme produzieren. (Antje Thon)

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