Boom bei Direktvermarktern

Regionale Lebensmittel sind im Landkreis Kassel gefragt

Doris Kuhaupt von Kuhaupts Hofladen und Café in Viesebeck
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Auch Doris Kuhaupt von Kuhaupts Hofladen und Café in Viesebeck merkt, dass Leute gerne regional einkaufen. Im Laden gibt es Wurst- und Fleischprodukte aus eigener Schlachtung und viele weitere regionale Produkte.

Nachhaltigkeit ist vielen Menschen beim Lebensmittelkauf immer wichtiger, zudem bevorzugen sie Waren aus heimischer Produktion, wie aus einer Befragung der Universität Göttingen hervorgeht.

Wolfhager Land – „Hofläden, Marktstände und – allen voran – Lebensmittelautomaten erleben seit einem guten Jahr einen regelrechten Nachfrageboom“, sagt Sigrun Krauch, Leiterin des Fachgebiets Erwerbskombinationen beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Der LLH erhebt keine Daten, Krauch sagt aber: „Die große Nachfrage nach Beratungen zum Thema Einstieg in die Direktvermarktung unterstreicht unsere Beobachtungen.“

Beim Kreisbauernverband habe es von den Mitgliedern viele Rückmeldungen gegeben, dass das Interesse der Verbraucher gestiegen sei – „insbesondere zu Beginn der Pandemie, als öfter auch die Supermarktregale leer waren“, sagt Stefanie Wittich. Dadurch hätten Direktvermarkter einen enormen Aufschwung erlebt. Vor allem Kartoffeln würden viel regional gekauft. Es finde ein gewisses Umdenken statt, denn die Leute wollen wissen, wer die Lebensmittel produziert. „Es bleibt alles in der Region.“

Nachfrage deutlich gestiegen

Auch bei den Biobetrieben sei die Nachfrage in dieser Zeit deutlich gestiegen, sagt Silke Flörke von der Ökomodell-Region Nordhessen. Flörke und Wittich fragen sich, wie nachhaltig der Trend ist.

Silke Flörke von der Ökomodell-Region Nordhessen

Einen Boom sieht Landkreissprecher Harald Kühlborn seit Pandemiebeginn nicht. Vielmehr sei es ein langsamer Aufwärtstrend. Der Landkreis arbeitet aktuell an einer Neuauflage seiner Broschüre „Regionale Entdeckungen“ und hat damit einen Überblick. Vor fünf Jahren gab es laut Kühlborn 80 direktvermarktende Betriebe im Landkreis, heute sind es 87. Das Interesse der Verbraucher an Bioprodukten und insbesondere regionalen Lebensmitteln sei durchaus da. Allerdings: „So einen Laden stampft man nicht von jetzt auf morgen aus dem Boden, das braucht Vorlaufzeit.“ (Michaela Pflug und Samira Müller)

Göttinger Studie

Forscher der Universität Göttingen haben 422 Verbraucher in Deutschland zu ihrem Einkaufs-, Ernährungs- und Kochverhalten während Corona befragt. Beim Einkaufsverhalten zeigt sich, dass Aspekte wie Regionalität, Arbeitsbedingungen bei der Herstellung, Tier-, Natur- und Artenschutz sowie die Frage, wie gesund ein Lebensmittel ist, an Bedeutung gewonnen haben. Insgesamt ist die Präferenz für regionale Lebensmittel laut Studie sehr ausgeprägt. zu.hna.de/uni

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