Klinikessen regional und Bio

Regionales Bio-Essen in der Klinik: Landkreis Kassel startet in Wolfhagen Pilotprojekt

Ab sofort gibt es in der Wolfhager Klinik frisches Bio-Essen aus regionalen Produkten. Im Bild: Biond-Geschäftsführerin Jana Fuhrmann-Heise, Betriebsleiter Silvan Uick und Koch Pedro Oliveira.
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Ab sofort gibt es in der Wolfhager Klinik frisches Bio-Essen aus regionalen Produkten. Im Bild: Biond-Geschäftsführerin Jana Fuhrmann-Heise, Betriebsleiter Silvan Uick und Koch Pedro Oliveira.

Der Landkreis Kassel startet ein Projekt mit regionalem Essen von Bio-Landwirten in der Wolfhager Kreisklinik.

Wolfhagen – So etwas gibt es derzeit bundesweit nur in Privatkliniken: Der Landkreis Kassel lässt jetzt in der Wolfhager Kreisklinik und später auch in Hofgeismar für seine Patienten regional und biologisch kochen. Partner ist das Unternehmen Biond aus Kassel, das sich zum Auftakt der Kooperation nicht nur um die Lebensmittel kümmern, sondern auch gemeinsam mit den Klinikmitarbeitern in der Küche stehen und die Gerichte frisch zubereiten wird. Damit trennt sich der Landkreis von dem noch aus GNH-Zeiten gelieferten Fer- tigessen.

Eine Art Thermomix im Großformat: Biond-Koch Pedro Oliveira zeigt die gute Ausstattung der Wolfhager Klinikküche.

„Wir können nicht mit Spezialabteilungen wie einer Stroke Unit punkten, aber wir wollen mit dem neuen Angebot den Wohlfühl- und Attraktivitätsfaktor unserer Häuser erhöhen“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn. „Wir bieten den Patienten ein Essen an, das auch wirklich die Gesundung fördert, unterstützen regionale Produzenten und tun etwas für den Klimaschutz“, ergänzt Silvan Uick, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Kliniken. Neben dem Bio-Essen gebe es zudem viel Ruhe und Chefarztbehandlung für alle.

Silvan Uick: Betriebsleiter

Da in Hofgeismar die Küche zum Kochen nicht ausreicht, wolle man ein Bio-Angebot für den Neubau vorsehen, so Kühlborn. Gespräche über eine Umstellung auf Bio-Essen gebe es auch mit dem Krankenhaus Gesundbrunnen in Hofgeismar.

Bio-Produkte kosten mehr als die konventionellen und, die Krankenhauspauschale lasse keinen Spielraum, so Kühlborn. Deshalb schieße der Kreis für das neue Angebot 75 000 Euro pro Jahr zu. „Das ist uns die Zufriedenheit der Patienten wert.“ Leider reiche es nur für das Mittagessen. Am Frühstück und Abendessen ändert sich vorerst nichts.

Bunte Gemüsepfanne

Ein Teil des Geldes könnte bald wieder hereinkommen: „Wir denken gemeinsam mit Biond darüber nach, künftig auch Kindergärten und Schulen aus der Region mit dem Essen aus der Krankenhausküche zu beliefern“, so Uick. Die Küche in Wolfhagen sei groß und gut ausgestattet. Aktuell werden bis zu 60 Essen pro Tag zubereitet. Bei Vollbelegung sollen es künftig bis zu 140 sein. Die Küche gebe aber viel mehr her.

Für das Unternehmen Biond aus Kassel ist die Versorgung einer Krankenhausküche Premiere: „Wir haben uns das System erst mal anschauen müssen“, berichtet Jana Fuhrmann-Heise, Geschäftsführerin des Caterers. Viel Fleisch habe auf dem Speiseplan gestanden, der sich alle vier Wochen wiederholt. Das Konzept sei jetzt zeitgemäßer: An vier Tagen gibt es Fleisch, an einem Fisch und an den anderen beiden Tagen wird vegetarisch gekocht. Jeden Tag gibt es zur Auswahl ein vegetarisches Gericht.

Buttergemüse mit Nudeln

Zubereitung und Auswahl musste auf Kranke abgestimmt werden. „Dann gibt es statt Kartoffeln eben Kartoffelstampf auf den Teller“, erklärt Betriebsleiter Silvan Uick, der dazu besonders Kötbullar mag. Weniger Fleisch hat nicht nur einen gesundheitlichen Aspekt. Damit konnte der Landkreis die Kosten für das hochwertige Mittagessen etwas senken. Inzwischen würden auch viele Krankenhausmitarbeiter das Essen ordern und bemerken, dass „Gurke nach Gurke schmeckt“, freut sich Uick.

Buttergemüse mit Nudeln

Viele Gerichte werden jetzt vor Ort in der Krankenhausküche vom landkreiseigenen Personal zubereitet. Biond liefert die Zutaten, die Rezepte und vorbereitete Komponenten. „Wir kaufen die Produkte bei Biobauern in der Region ein“, erklärt Fuhrmann. Aus dem Wolfhager Land sei zum Beispiel der Eschenhof in Altenhasungen mit im Boot. Die Küche der Wolfhager Klinik soll künftig an Bedeutung gewinnen. Zum einen gibt es die Planungen, auch Kitas und Schulen von dort zu versorgen, zum anderen sollen Ausbildungsplätze geschaffen werden. „Uns schweben Kooperationen mit regionalen Restaurants vor“, so Uick. Er könne sich eine Verbundausbildung vorstellen, bei der Lehrlinge sowohl in der Klinik als auch im Restaurant arbeiten.

Jana Fuhrmann-Heise: Biond

Über das Pilotprojekt Bioessen in einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung wolle man sehr gerne andere Kliniken informieren, sagt der Betriebsleiter. Es gebe schon einige Anfragen.

Essen wurde bisher auf der Station erwärmt

Ökomed, die Tochter der Gesundheit Nordhessen (GNH), kümmerte sich zuletzt um die Essensversorgung der Patienten in den Kliniken Hofgeismar und Wolfhagen. Das Essen für die Patienten wurde im sogenannten Sous-vide-Verfahren portionsweise in Vakuumbeuteln vorgegart und auf den Stationen nur noch kurz erhitzt und dann serviert. Seit 1. Dezember organisiert der Landkreis Caterer und Essensversorgung selbst. (Bea Ricken)

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