Ausstellungseröffnung

Regionalmuseum Wolfhager Land: Frage nach Aktualität der Weimarer Republik 

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Ausstellungsmacher: Beate Bickel hat mit ihrem Team den regionalen Teil der Ausstellung zusammengestellt. Die Historiker Dr. Torsten Reters (links) und Wolfgang Hoffmann lieferten den überregionalen Teil. 

Das Regionalmuseum Wolfhager Land hat seine Sonderausstellung über die Zeit der Weimarer Republik eröffnet. Ein Fokus wird auf die Ereignisse in und um Wolfhagen gelegt. 

In der Eröffnungsveranstaltung zogen die Redner beunruhigende Parallelen zur heutigen Zeit.  Wie aktuell ist die Zeit der Weimarer Republik heute? Eine Frage, die sich wie ein roter Faden durch die Eröffnung der Ausstellung „1918/1919 – 1932/1933 Zeitenwende – Möglichkeiten und Probleme in der ersten deutschen Demokratie - die Weimarer Republik mit Wolfhager Schwerpunkt“ am Donnerstagabend zog. Zahlreiche Gäste kamen zu der Veranstaltung in der Zehntscheune des Regionalmuseums Wolfhager Land.

„Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen“, erläutert der Vorsitzende des Vereins Regionalmuseum Wolfhagen, Lothar Rasch. Der Wolfhager Teil wurde vom Museumsteam und dem Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen zusammengestellt. Den überregionalen Teil haben die beiden Dortmunder Historiker Dr. Torsten Reters und Wolfgang Hoffmann erstellt. Sie beschäftigen sich besonders mit den Jahren 1918 bis 1923. Der regionale Teil erstreckt sich über die komplette Zeit der Republik, von 1918 bis 1932.

Der Erste Kreisbeigeordnete Andreas Siebert (SPD) und Wolfhagens Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Finke (SPD) verwiesen in ihren Ansprachen auf die Aktualität der „ersten Demokratie auf deutschem Boden“ und deren Probleme. Siebert stellt über den Mord an Dr. Walter Lübcke einen traurigen Gegenwartsbezug her. Nach solchen Ereignissen stelle man sich die Frage, was die Menschen aus der Vergangenheit gelernt hätten. Es gelte, „den Anfängen zu wehren“, so Bernd Klinkhardt vom Team des Regionalmuseums.

Warnung vor Populisten 

Alle Redner waren sich einig, dass der Populismus eine große Gefahr darstelle. Dies gelte für die Weimarer Republik und auch für heute.

Auch das Phänomen der sogenannten Volkspartei, der die Wählerbasis wegbricht, könne man schon damals betrachten. „Die Parteien erreichten das Volk nicht mehr“, so Reters und erinnerte damit an die aktuelle Situation der SPD.

Trotz all den Verwerfungen, die schließlich in die Diktatur der Nationalsozialisten mündete, habe die Weimarer Republik auch sehr viel Positives gebracht, sagte Bernd Klinkhardt.

Aus den Wirren, die das Deutsche Reich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg beherrschten, sei die erste deutsche parlamentarische Demokratie entstanden, mit einer Verfassung „die damals eine der modernsten war“. Sie sei ein Vorbild unseres jetzigen Staates, so Klinkhardt.

Zudem sei der Ausbau des Sozialstaates in den 1920er-Jahren eine große Leistung gewesen, die eine der Grundlagen für die soziale Marktwirtschaft in der modernen Bundesrepublik bilde. Davon profitierten damals nicht nur die Menschen in den Großstädten, auch die Wolfhager erhielten bescheidenen Wohlstand. Die Segnungen der Technik – Motorräder, Elektrizität und Waschmaschinen – hielten Einzug in das Städtchen.

Die Ausstellung „1918/1919 – 1932/1933 Zeitenwende“ wird bis zum 27. Oktober im Regionalmuseum Wolfhager Land zu sehen sein. Der Eintritt beträgt für Erwachsene drei Euro, für Kinder einen Euro. 

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