Bundestagswahl

Riesige Freude bei SPD und Grünen – CDU hat noch Hoffnung

In Breuna wird die Wahlurne zum Zählen ausgekippt.
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In Breuna wird die Wahlurne zum Zählen ausgekippt.

Während die SPD und die Grünen auf Bundesebene und im Wahlkreis 167 zulegten, verlor die CDU deutlich. Wir fragten Politiker aus der Region nach ihrer Einschätzung.

Wolfhager Land – Noch ist nicht alles verloren: Martin Roth, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Kassel-Land, hält eine Regierung unter CDU-Führung auch nach dem miserablen Wahlergebnis für machbar: „Grundsätzlich ist es möglich, auch als Zweiplatzierter die Regierung zu stellen“, sagt der Naumburger.

Er könne sich eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP vorstellen. Roth schränkt aber auch ein: „Es darf aber nicht sein, dass wir unsere zentralen Positionen aufgeben, nur damit wir den Kanzler stellen. Wenn es inhaltlich nicht passt, sollte man es lassen.“ Wobei er inhaltlich die größten Gräben zwischen Grünen und FDP sieht. Entsprechend geht er davon aus: „Es werden sehr schwierige Verhandlungen.“

„Ohne das Lachen wären wir am Wahlabend vorne gewesen“

Man merkt dem Kreisgeschäftsführer der CDU die Enttäuschung darüber an, dass das Ergebnis relativ spät noch vergeigt wurde. Und Martin Roth lässt auch keinen Zweifel, wo er den Punkt verortet, an dem die Wahl für die Union in den Sand gesetzt wurde: An jenem Tag im Juli, als Kanzlerkandidat Armin Laschet mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Flutgebiet unterwegs ist.

Während Steinmeier in Erftstadt seine Betroffenheit zum Ausdruck bringt, lacht der hinter ihm stehende Laschet. „Ohne das Lachen wären wir am Wahlabend vorne gewesen.“ Aber Martin Roth sieht noch weitere Gründe: Nach 16 Jahren Kanzlerschaft habe es in der Bevölkerung wohl auch den Wunsch nach einem Wechsel gegeben.

Die Parteibasis muss künftig mehr Gehör finden

Da mag auch mit hineinspielen, dass „die Bindung an die Parteien nicht mehr so stark“ sei, wie noch früher.

Für Roth ist klar, dass künftig die Parteibasis mehr Gehör finden muss. „Die müssen wir bei personellen Fragen und auch inhaltlich stärker einbinden.“ Wie die Chancen stehen, dass Laschet trotz allem doch noch Kanzler wird, werden jetzt die anstehenden Gespräche zeigen. Roth ist sicher: „Es wird extrem schwierig. Und ich sehe es noch nicht, dass wir vor Weihnachten eine neue Regierung haben.“

Die Grünen aus Habichtswald haben mit 13 Prozent bei den Erststimmen und 13,9 Prozent bei den Zweitstimmen das beste Ergebnis im gesamten Wahlkreis 167 eingefahren. „Das freut uns riesig“, sagt Vorsitzende Susanne Dorr.

Die Grünen freuen sich, ein „Aushängeschild für Habichtswald“ zu sein

„Dann haben wir ja nicht so viel falsch gemacht.“ Die Grünen freuen sich, ein „Aushängeschild für Habichtswald“ zu sein. Auch das bundesweite Ergebnis der Grünen loben die Habichtswalder. „Ein bisschen mehr haben wir uns erhofft, damit es für eine Koalition von Grünen und SPD reicht“, so Dorr.

Es sei aber zu sehen, dass die Menschen sich wünschen, dass die Themen der Grünen wie der Klimaschutz angegangen werden.

SPD hat im Wahlkreis alle Kommunen gewonnen

2013 hatte es Thomas Viesehon (CDU) erstmals geschafft, die SPD-Hochburg zu erobern und den Wahlkreis für vier Jahre zu gewinnen. Nun hat es Esther Dilcher (SPD) zum zweiten Mal wieder geschafft. Er gratuliere Dilcher. Ohne Rückenwind aus Berlin, wie im Jahr 2013, sei dieser Wahlkreis nicht zu gewinnen. Er freue sich jedoch, dass dennoch Armin Schwarz künftig die Region in Berlin vertrete.

Freude über den Wahlerfolg der SPD herrscht bei den Sozialdemokraten in der Region. Die SPD habe im Wahlkreis alle Kommunen gewonnen, so Burkhard Finke, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks.

„Wir sind sehr, sehr zufrieden“

Er sei zufrieden, dass Esther Dilcher mit großer Mehrheit in Berlin weiterarbeiten könne. Auch bundesweit sei das Ergebnis großartig und sorge für eine Wende, mit der man so nicht gerechnet habe. Die SPD hoffe, dass das Votum akzeptiert werde und eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP zustande komme.

„Wir sind sehr, sehr zufrieden“, erklärt Stefan Denn, SPD-Unterkreisvorsitzender auf Anfrage der HNA. Die SPD habe in Kassel und im Wahlkreis 167 die Direktmandate geholt. „Besser konnte es nicht laufen.“ Auch hessenweit habe die SPD ein super Ergebnis aufzuweisen. „Dort haben wir deutlich mehr Direktmandate als 2017 gewonnen“, freut sich Denn. (Norbert Müller, Bea Ricken)

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