Rosemarie Nickel aus Wolfhagen lernt mit 86 Jahren Klavierspielen

Weiß auf ihre alten Tage genau, was sie will: Rosemarie Nickel, die wohl älteste Klavierschülerin der Region. Fotos: Hoffmann 

Wolfhagen. Auf ihre alten Tage einfach nur in den Tag hinein zu leben, von einem Fernsehprogramm ins nächste zu schalten oder die x-te Handarbeit zu beginnen, das kommt für Rosemarie Nickel gar nicht in die Tüte.

Lieber schmeißt sich die adrette Dame einmal die Woche schick in Schale, macht sich auf in die Wolfhager Innenstadt und wartet in der Musikschule auf Karin Wagner. Die ist ihre Klavierlehrerin und unterrichtet Nickel nun schon seit drei Wochen. Eigentlich nichts Besonderes, wäre ihre neue Schülerin nicht schon 86 Jahre alt.

„Warum auch nicht?“, fragt die agile Seniorin lachend und erzählt von ihren ersten Gehversuchen am Klavier - da war sie sieben Jahre alt, vielleicht auch acht, genau erinnert sie sich nicht mehr. „Ich kam mit der Lehrerin einfach nicht zurecht“, weiß die gebürtige Ostpreußin noch, die später lange in Waldeck und Großenritte gelebt hat, bevor sie sich vor vier Jahren für ihren Alterssitz in Wolfhagen entschied. „Ich hatte immer viel im und um mein Haus zu tun, dachte mir aber, warum tue ich mir das noch an?“

Klavierlehrerin: Karin Wagner.

Im neuen Zuhause angekommen, keimte schnell die Idee auf, Klavierspielen zu lernen -oder besser gesagt Keyboard. „Das kann ich in meinen eigenen vier Wänden tun, wenn mir danach ist“, sagt sie und berichtet von jenem Tag vor etwa einem Jahr, als sie einem ihrer zwei Söhne vom großen Vorhaben erzählte. Er habe nicht wirklich darauf reagiert, aber zu ihrer großen Überraschung wenig später ein Keyboard vorbeigebracht. „So, Mutter, nun mach was“, seien seine Worte gewesen, und das habe sie sich nicht zweimal sagen lassen. „Ich habe direkt losgelegt, es macht mir unglaublich viel Freude, es ist eine wunderbare Beschäftigung, wenn man allein ist.“

Sich schlappe 80 Jahre für einen Neustart Zeit zu lassen, das ist für Nickel nicht außergewöhnlich. „Ich hatte ja immer zu tun“, sagt sie und kann es kaum abwarten, endlich in die Tasten des Musikschul-Klaviers zu hauen. Etwas zaghaft noch, doch durchaus schon hörenswert. „Sie macht das wirklich gut“, schwärmt ihre Lehrerin, die generell gern Erwachsene unterrichtet. „Die wollen es einfach wirklich, da ist kein Elterndruck im Spiel.“ Ihre neue Schülerin bezeichnet Wagner als „sehr ehrgeizig“. Zugute kämen ihr ihre Notenkenntnisse aus der Schulzeit. „Ich weiß auch nicht, irgendwie sind die über all die Jahre hängen geblieben“, sagt die wohl älteste Klavierschülerin der Region, die nun Tag für Tag fleißig am Proben ist und sich schon jetzt darauf freut, irgendwann einmal ihr Lieblingsstück selbst spielen zu können: Ludwig van Beethovens „Für Elise“.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.