Schnäppchenjäger auf Streifzug

Pächterin vom Café Alte Wache in Wolfhagen nimmt nach 13 Jahren Abschied

Eine Dame mittleren Alters steht inmitten eines Fachwerkhaus-Raumes, der mit Waren vollgestellt ist.
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Schnäppchenjagd statt Kaffeekränzchen: Silke Döhne lockte am Wochenende zum Hausflohmarkt in ihr Café Alte Wache, das sie nach über 13 Jahren aufgibt.

Sie hat sich den Abschied vom Café Alte Wache ein wenig anders vorgestellt. Mit einem Fest vielleicht, einem gemütlichen Frühstücksbrunch oder einem kleinen Umtrunk mit den Stammgästen.

Wolfhagen – Stattdessen schleppt Silke Döhne nun seit Tagen traurig Kisten durchs alte Fachwerkhaus am Wolfhager Marktplatz, in dem sie über 13 Jahre lang kleine Leckereien und unzählige Tassen Kaffee serviert hat.

„Ich habe das hier immer mit viel Herzblut und Leidenschaft gemacht“, sagt sie und kämpft immer wieder mit den Tränen, während sie über das abrupte Ende ihres Café-Traumes spricht. Dabei hatte sie sich vor Wochen bewusst für eine Zukunft ohne ihre geliebte Alte Wache entschieden, Corona hätte ihr gezeigt, dass es „auch ein Leben neben der Arbeit gibt“.

Das selbstbestimmte Café-Ende ist auch nicht das, was sie derzeit so belastet, vielmehr sind es die Umstände, mit denen sie nun klarkommen muss. „Ich hätte es mir einfach anders gewünscht“, sagt die 61-Jährige und spricht über mehrere Bewerber um ihre Nachfolge, die das Geschäft samt Mobiliar übernehmen wollten.

Döhne hoffte auf neue Generation des Cafés

„Den Zuschlag von der Stadt, die Eigentümer des Hauses ist, hat nun aber jemand bekommen, der scheinbar weder Interesse an unseren extra für das Gebäude angefertigten Möbeln, noch an einem Gespräch mit uns hat.“ Dabei hätte sie zu gern zu einem sanften Übergang in eine neue Generation der „Alten Wache“ beigetragen, sogar stundenweise auch nach Übergabe noch zur Verfügung gestanden, doch „nun ist eben alles anders“. Es tue ihr weh, die vergangenen Jahre „einfach so“ in Kisten verschwinden zu sehen, doch das sei nun mal so und ihr bleibe nichts anderes übrig, als „irgendwie damit umzugehen“.

Alles müsse raus, und das möglichst schnell. Die Idee: ein Hausflohmarkt. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was sich hier über die Jahre angesammelt hat“, sagt Klaus Döhne und spielt lächelnd auf das ausgeprägte Dekorations-Faible seiner Frau an. „Wo immer wir unterwegs waren, war sie zumindest mit einem Auge auf der Suche nach neuen Dingen, die in ihr Café passen könnten.“

Tatsächlich gleicht das Obergeschoss der Alten Wache dann am Wochenende auch einem gut ausgestatteten Dekorationsgeschäft, wo viele Freunde, Stammgäste aber auch Schnäppchenjäger auf einen Streifzug durch die Jahreszeiten gehen.

Nutzten den Hausflohmarkt wie viele andere auch, um sich persönlich vom Café Alte Wache zu verabschieden: Manuela Matthaei und Susanne Overbeck.

Sind es in der einen Ecke funkelnde Weihnachtsaccessoires, die die Herzen höherschlagen lassen, locken wenige Meter weiter Osterhasen und Lämmchen. Vasen, Teller, Gläser und Tassen sind ebenso begehrt wie Kerzenständer, Etageren und Tischdeckchen.

Mit jedem verkauften Stück zieht ein Stück Café-Erinnerung aus, viele über die Jahre liebgewonnene Gegenstände finden ein neues Zuhause, was Silke Döhne dann zumindest kurzzeitig wieder ein freudiges Lächeln ins Gesicht zaubert – auch wenn sie sich den Abschied von ihrem Café ein wenig anders vorgestellt hat. (Sascha Hoffmann)

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