Im Landkreis Kassel greift ab Mittwoch die Notbremse

Schulen und Kitas im Wolfhager Land müssen schließen

Halten die neue Regelung für einen Schritt in die richtige Richtung: Melanie Hodeck (rechts), Leiterin der Ehlener Kindertagesstätte Kunterbunt, und ihre Vertreterin Sarah Riemenschneider.
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Halten die neue Regelung für einen Schritt in die richtige Richtung: Melanie Hodeck (rechts), Leiterin der Ehlener Kindertagesstätte Kunterbunt, und ihre Vertreterin Sarah Riemenschneider.

Jetzt greift die Bundesnotbremse auch im Landkreis Kassel: Da an drei Tagen in Folge die Inzidenz von 165 überschritten wurde, sind Präsenzunterricht in Schulen und Regelbetreuung in Kitas tabu.

Wolfhager Land – Die Notbremse gilt für alle 72 Schulen und 141 Kitas im Landkreis Kassel. Das teilt Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage mit. Dementsprechend bleiben die Schüler aller Jahrgänge zuhause.

Ausnahmen gibt es für Abschlussklassen und Förderschulen, so Kühlborn. „Sie bleiben auch bei einer Inzidenz von über 165 im Wechselunterricht.“

Für die Zeiten des Wechsel- und Distanzunterrichts könne auch eine Notbetreuung in Anspruch genommen werden. Weiterhin könnten Schüler in die Schule kommen, die beispielsweise sonderpädagogische Förderung benötigten.

Laut Kühlborn trifft die Notbremse aus Sicht des Landkreises den richtigen Nerv: Sie schaffe einen einheitlichen Rahmen, der greift, sobald eine Inzidenz überschritten wird. „Das begrüßen wir, da wir im Norden und Westen an zwei andere Bundesländer angrenzen“, sagt Kühlborn.

Kai Liebig: Stadt Wolfhagen

In den Schulen und Kindertagesstätten im Altkreis Wolfhagen liefen am Montag die Telefone heiß. Viele Eltern waren verunsichert. „Wir haben schon am Wochenende Mails bekommen“, so Katrin Bergmann, stellvertretende Schulleiterin der Walter-Lübcke-Schule. Dort gehen jetzt die Klassen eins bis sechs in den Distanzunterricht. Die Schüler ab der 7. Klasse waren es ohnehin schon, für sie ändert sich nichts. Für die Abschlussklassen nutze man die Verlängerung für den Präsenzunterricht bis 3. Mai. „Die Schule ist sowieso leer und die Schüler haben schon in sechs Wochen Abschlussprüfung. Da helfen selbst die paar Tage etwas“, so Bergmann.

Ab Mittwoch richtet auch die Stadt Wolfhagen eine Notbetreuung in den Kitas ein. Laut den Regeln der Notbremse müssten beide Eltern in ihren Arbeitsstellen unabkömmlich sein, um einen Platz für ihr Kind zu erhalten. Das erklärt Kai Liebig, zuständig für die Kitas.

Die für Mittwoch angekündigte Schließung von Kindergärten und Schulen hat am Montag für einige Krisensitzungen in den Einrichtungen gesorgt. Viele verunsicherte Eltern ließen die Telefone heiß laufen.

Schulen

Dass ihre Schule ab Mittwoch aufgrund der hohen Inzidenz schließen muss und die Kinder nicht mehr kommen können, macht Marcella Jakobi, Leiterin der Balhorner Grundschule, traurig und betroffen. „Wir hatten uns gerade mit dem Testen arrangiert, die erste Woche lief gut, und wir hatten das Gefühl, dadurch wirklich sicherer zu sein“, so Jakobi, die Unmut seitens der Elternschaft durchaus verstehen kann. „Viele sind wirklich am Limit, die Beschulung zuhause ist auf Dauer schon eine ganz schöne Kraftanstrengung.“

Regina Hagenow : Grundschule Ippinghausen

„Die Stimmung wechselt“, sagt Regina Hagenow, Schulleiterin der Grundschule Ippinghausen. Es sei schön gewesen, dass die Kinder wieder in der Schule sein konnten. Wegen der Schließung ab Mittwoch frage sie sich als Leiterin vor allem, wie lange die Schließung nun dauern werde. „Man fragt sich auch, wohin die Reise geht“, ergänzt sie. Denn eine Perspektive fehle in jedem Fall. Das werde sicherlich auch die Eltern verunsichern, vermutet Hagenow.

Bereits in den vorherigen Schulschließungen habe es verhältnismäßig viele Kinder in der Notbetreuung gegeben. Das bedeutet, dass die Lehrer sowohl die Kinder in der Notbetreuung als auch die Schüler zuhause betreuen müssen. Das sei quasi doppelte Beanspruchung für die Mitarbeiter. „Arbeit haben wir genug“, sagt die Schulleiterin.

Marcella Jakobi: Grundschule Balhorn

Kitas

Auch die Kindergärten, wie die Kindertagesstätte Regenbogenland in Altenstädt, sind von der Schließung betroffen. „Klar macht das die Eltern unsicher“, sagt Andrea Groß, Leiterin der Kindertagesstätte. Bereits im vergangenen Jahr mussten einige Eltern weniger arbeiten, weil sie ihre Kinder zuhause betreuen mussten. Auch für die Mitarbeiter gebe es in der Notbetreuungszeit genug zu tun, da die Gruppen separiert sind und nicht zusammengelegt werden können, wie Groß erklärt.

Für einige Eltern sei es schwierig, nun alles unter einen Hut zu bekommen, sagt Sabine Sitzmann, Leiterin der Kindertagesstätte Zwergenhöhle in Sand. Manche Eltern würden sich fragen, wie sie das alles nun regeln sollen. „Ich stehe im E-Mail-Kontakt mit den Eltern“, sagt Sitzmann. Doch die Familien seien über die Situation sehr gut aufgeklärt, es habe am gestrigen Montag nur wenige Nachfragen gegeben.

Andrea Groß: Kindertagesstätte Altenstädt

Melanie Hodeck, Leiterin der Ehlener Kindertagesstätte Kunterbunt, hält die Notbremse-Regelung für notwendig, um die Zahlen zu senken und in den Griff zu bekommen. „Da im Moment doch eher Kinder die Überträger und Infizierten sind, ist das ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Hodeck und hofft auf baldige Besserung. Am Mittwoch bleibe die Einrichtung erst einmal geschlossen, eine Notbetreuung werde aber eingerichtet. Für die Mitarbeiter der Kindergärten in Wolfhagen gebe es trotz des Herunterfahrens genug Arbeit, erklärt Kai Liebig von der Stadt Wolfhagen. Da Gruppen nicht durchmischt werden dürften, müsse man auch bei weniger Kindern entsprechendes Personal einsetzen. In den kommenden Tagen werde sich erst herausstellen, wie viele Kinder in die Einrichtungen kommen. Man müsse flexibel agieren, da die Regeln sich bei sinkender Inzidenz auch schnell wieder ändern könnten. (Bea Ricken, Moritz Gorny, Sascha Hoffmann und Samira Müller)

Ausnahme gilt für Abschlussklassen

Überschreitet an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Landkreis die Inzidenz den Wert von 165, so gilt automatisch Distanzunterricht. Eine Ausnahme gilt für Abschlussklassen und Förderschulen. Diese bleiben im Wechselunterricht, wobei das diesmal für Abschlussklassen spätestens ab Montag, 3. Mai, gilt. Fällt an fünf Werktagen hintereinander die Inzidenz unter 165, gelten die Regelungen der vorherigen Stufe. 

Wechselunterricht bei Inzidenz unter 100 

Fällt an fünf Werktagen hintereinander die Inzidenz wieder unter 100, gelten ab dem übernächsten Tag die Regelungen aus der aktuellen Corona-Einrichtungsschutzverordnung. Diese sind derzeit: Wechselunterricht für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 und Vorklassen. Die schulischen Vorlaufkurse können weiterhin stattfinden. Distanzunterricht für die Jahrgangsstufen ab Klasse 7 bis zum 5. Mai, ab dem 6. Mai Wechselunterricht und Präsenzunterricht für die Abschlussklassen. Für Zeiten des Wechsel- und Distanzunterrichts besteht wie bisher die Möglichkeit, eine Notbetreuung nach den bislang geltenden Voraussetzungen in Anspruch zu nehmen

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