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Schutz vor dem Wolf: Bauernverbände im Kreis Kassel unzufrieden

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Von: Bea Ricken

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Liebt seine Ziegen und macht sich Sorgen, nachdem vor drei Jahren der Wolf Schafe bei Zierenberg gerissen hatte. Die Tiere von Frank Schmidt sind im Sommer Landschaftspfleger auf dem Dörnberg.
Liebt seine Ziegen und macht sich Sorgen, nachdem vor drei Jahren der Wolf Schafe bei Zierenberg gerissen hatte. Die Tiere von Frank Schmidt sind im Sommer Landschaftspfleger auf dem Dörnberg. © Bea Ricken

Weidetierhalter aus den südöstlichen Kommunen des Landkreises Kassel in Nieste, Kaufungen, Helsa, Lohfelden und Söhrewald erhalten jetzt eine neue Förderung vom Land, um ihre Tiere vor dem Wolf zu schützen.

Wolfhager Land. Geld bekommen sie beispielsweise für mobile und feststehende Elektrozäune sowie einen Herdenschutzhund.

Andere Weidetierhalter im Kreis gehen laut Sprecher Harald Kühlborn leer aus, da sie nicht in einem ausgewiesenen Wolfspräventionsgebiet liegen, die vom Land festgelegt worden seien. Das Land habe die Kommunen ausgewählt, weil sie nah am Werra-Meißner-Kreis liegen, wo der Wolf heimisch sei. Ein Antrag liege dem Landwirtschaftsamt, das die Fördermittel abwickelt, bereits vor, sagt Kühlborn. Zierenberg, wo es in 2019 den einzigen bestätigten Wolfsriss im Landkreis Kassel gab, zählt nicht zur förderfähigen Region.

„Förderprogamm ist praxisfern“

„Das Förderprogramm ist praxisfern“, kritisiert Reinhard Schulte-Ebbert vom Kreisbauernverband. Die Bürokratie sei immer noch zu hoch und die Förderung nicht attraktiv. Außerdem müsse es für alle Weidehalter gelten. Schulte-Ebbert geht davon aus, dass die überarbeitete Förderung kaum abgerufen wird. Die einzige wirksame Lösung sei eine Populationsbegrenzung wie bei anderen Wildtierarten auch. „Damit meine ich nicht, dass alle Wölfe geschossen werden sollten. Aber die Tiere gehören unter das Jagdrecht. Dann haben die Behörden eine bessere Übersicht und Kontrolle“, so der Kreisbauernsprecher.

Ähnlich sieht es der stellvertretende Vorsitzende beim Regionalverband Kurhessen, Jörg Kramm. Die überarbeitete Förderung sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht. „Nach einem Wolfsriss werden vermehrt Weidetierhalter aufgeben“, befürchtet Kramm. 76 Cent pro Meter Zaun seien ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Inge Till von der Landesarbeitsgruppe Wolf beim Naturschutzbund sieht das anders: „Die neuen Förderrichtlinien sind ein großer Schritt nach vorn.“ Die Antragstellung werde durch Pauschalbeträge deutlich erleichtert. Herdenschutz sei das A und O, um den Wolf zu stoppen. Da wo Rudel sesshaft seien, würden diese sich von gut geschützten Herden auch fernhalten. In der Regel seien es Wanderwölfe, die hunderte von Kilometern unterwegs seien und jederzeit überall auftauchen könnten. Da würden gezielte Abschüsse nichts bringen.

4000 Euro für Herdenschutzhund

Die Förderung ist nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums aufgrund von Rückmeldungen aus der Praxis verbessert worden. Für mobile Zäune gibt es beispielsweise pauschal mindestens 760 Euro je Kilometer Zaunlänge, 235 Euro je Kilometer bei feststehenden Elektrozäunen und 4000 Euro für den Kauf eines Herdenschutzhundes. Neu ist, dass auch Halter von Rindern, Pferden oder Eseln eine Förderung erhalten, wenn es einen amtlich bestätigten Wolfsangriff gab.

„Wenn meine Ziegenherde vom Wolf angegriffen wird, höre ich auf“, sagt Frank Schmidt entschlossen, der im Auftrag des Landes Hessen Landschaftspflege auf dem Dörnberg betreibt. Da helfe ihm dann auch keine Entschädigung. „Das würde mir das Herz brechen.“ Weder er noch die Herde könnten das verkraften.


„Nach einem Wolfsriss sind die überlebenden Tiere traumatisiert und nicht mehr zu händeln.“ Die würden dann künftig auf jeden Hund eines Spaziergängers am Dörnberg panisch reagieren. Das gute Verhältnis zu seinen Tieren wäre dauerhaft gestört. Vor Kurzem hat er die Herde zur Winterpause zu Fuß Richtung Zierenberg geholt. „Ich gehe vorneweg und sie folgen mir wie Hunde“, berichtet Schmidt. Seine älteste Ziege ist 18 Jahre alt.

Vierbeinige Landschaftspfleger

Seit 1986 hat der 56-Jährige Burenziegen, die dafür sorgen, dass der Dörnberg nicht verbuscht und die Kulturlandschaft erhalten wird. Diese Rasse sei dafür gut geeignet. Rund vier Hektar müsse er mit seinen Netzen im unwegsamen Gelände einzäunen. Hier einen wolfssicheren Zaun zu bauen sei nicht einfach. Dennoch hätte Schmidt gerne die Förderung für Wolfschutzmaßnahmen in Anspruch genommen. Warum diese ausgerechnet für Zierenberg nicht ausgezahlt wird, obwohl dort doch der einzige Riss im Landkreis Kassel war, versteht er nicht. In Schleswig-Holstein werde viel mehr für die Weidetierhalter getan. Elektronetze für die Einzäunung hätte er gern neu gekauft, weil der Strom bei älteren Netzen nicht mehr gut fließe.

Nachdem ein Wolf in 2019 bei Zierenberg-Rangen Schafe gerissen hatte, sei er immer mit Bauchschmerzen zu seiner Herde mit 80 Muttertieren und einem Bock gefahren. Das sei nicht mehr so schlimm, aber die Angst vor einem Wolfsriss bleibt. Herdenschutzhunde sind aus seiner Sicht für den Dörnberg keine Option. „Das sind ja keine Schoßhunde.“ Wenn Spaziergänger mit Hunden zu nah an die Ziegen herankämen, könne es Konflikte geben.

Die Ziegen würden außerdem zwischen Weißdorn und Schlehen fressen. Die Hunde hätten dann ständig Dornen in den Pfoten.

Frank Schmidt hat nichts gegen den Wolf generell. „Er hat schließlich auch seine Daseinsberechtigung.“ Allerdings müssten aus seiner Sicht auffällige Tiere entnommen werden. (Bea Ricken)

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