Landwirte sind in Alarmbereitschaft

Schweinepest im Anmarsch: So sollen Kommunen bei der Seuchenbekämpfung helfen

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Ein Wildschwein, aufgenommen im Wildpark in Ludwigshafen.

Veterinäre und Landwirte sind in Alarmbereitschaft: Die Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Ende November gab es neue Fälle im polnisch-deutschen Grenzgebiet.

Die Leiterin des Kreis-Veterinäramtes in Wolfhagen, Dr. Sabine Kneißl, rechnet damit, dass die Schweinepest (ASP) auch in Deutschland ankommt und hat daher alle Kommunen im Kreis um Hilfe gebeten. So sollen aus jeder Verwaltung Mitarbeiter geschult werden, damit sie bei einem Seuchenausbruch tote Tiere bergen können.

Der große Sprung, den die Krankheit jüngst innerhalb Polens gemacht habe, sei vermutlich von Menschen herbeigeführt worden, sagte Kneißl. Die größte Gefahr sei tatsächlich das weggeworfene Wurstbrot aus Infektionsgebieten. Und das könnte, neben weiteren Infektionswegen, auch schnell für Deutschland zum Verhängnis werden. „Wir haben hier in der Region ein großes Risiko durch die Autobahnen 44, 7 und 49“, sagt sie. Ein einziges von Wildschweinen gefressenes Wurstbrot reiche aus, um die Schweinepest nach Deutschland zu bringen.

Schweinefleisch-Markt würde zusammenbrechen

Wenn es dazu kommt, hätte das dramatische Konsequenzen für die Tiere und den Handel. „Der Schweinefleisch-Markt würde komplett zusammenbrechen“, erklärt die Sprecherin des Bauernverbandes Kassel, Stefanie Wittich. Der Verband befürchtet dann einen deutschlandweiten Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe. Rund ein Drittel des Exports würde durch die Verhängung von Einfuhrverboten wegfallen. Ein weiteres Höfesterben wäre die Folge.

Veterinäre und Landwirte haben seit Auftreten der ersten Virusfälle in Europa Vorsorge getroffen. So stehen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen im Vordergrund, wie zum Beispiel eine doppelte Einzäunung bei Freilandhaltung von Schweinen, um den Kontakt zu Wildschweinen zu verhindern. Das Veterinäramt warnt mit Plakaten an Raststätten vor der Gefahr nicht ordnungsgemäß entsorgter Lebensmittel. Es gibt unter anderem Tierseuchenübungen, Infoveranstaltungen und ein Monitoring, bei dem Jäger bei verendeten Wildschweinen Tupferproben entnehmen.

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Was passiert bei Ausbruch der Schweinepest?

Bis Ende November dieses Jahres gab es 1788 Neuausbrüche der Schweinepest (ASP) bei Hausschweinen und 5327 Neuausbrüche bei Wildschweinen in Europa. Diese Zahlen nennt das Kreisveterinäramt in Wolfhagen. „Es ist nicht mehr die Frage ob, sondern wann die Schweinepest nach Deutschland kommt“, sagt die Leiterin des Amtes, Dr. Sabine Kneißl. Von allen betroffenen Ländern habe es nur Tschechien geschafft, die Schweinepest einzudämmen.

Dr. Sabine Kneißl, Leiterin Veterinäramt.

Wenn die Erkrankung bei einem Wildschwein in Deutschland nachgewiesen werden sollte, wird um den Fundort ein kilometerlanger Zaun gezogen. „In dieser Kernzone herrscht absolute Ruhe. Da wird zum Beispiel nichts mehr geerntet, niemand kann dort spaziergehen“, erklärt Kneißl.

 In einer zweiten Zone gelten weitere Einschränkungen. Eingerichtet werde ein Kadaver-Sammelplatz. Hier will der Landkreis Kassel mit dem Nachbarkreis Waldeck-Frankenberg kooperieren und gemeinsam im kommenden Jahr einen Anhänger zur Bergung anschaffen. Wenn ASP einmal ausgebrochen sei, habe man Jahre damit zu tun, so die Veterinärin.

Schweinepest hätte verheerende Konsequenzen

Ein Ausbruch der Schweinepest im Landkreis Kassel hätte für 422 Betriebe mit 60 000 Schweinen verheerende Konsequenzen. Nottötungen und Exporteinschränkungen würden für enorme wirtschaftliche Verluste sorgen. Denn: Wenn in einem Betrieb das Virus festgestellt wird, müssen alle Schweine des Bestandes getötet werden.

Bei den betroffenen Tieren zeigt sich unter anderem hohes Fieber, Appetitlosigkeit, Durchfall und Atemwegsprobleme. Eine Behandlung ist nicht möglich und auch verboten. Nahezu 100 Prozent der Schweine sterben laut Veterinäramt nach sieben bis zehn Tagen an der Infektion. Eine Impfung gibt es derzeit nicht.

Das Virus ist für den Menschen und auch für andere Haustierarten unschädlich. Eine Infektion ist weder durch Tierkontakt noch durch den Verzehr von Schweinefleisch möglich.

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