Heikler Schwellenwert überschritten

Deutlich mehr Coronafälle: Altenheim in Elbenberg betroffen – Kreis verschärft Vorgaben

Zwei glatte Hände halten eine etwas faltigere und mit Altersflecken bedeckte Hand.
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Im Seniorenheim Elbenberg sind laut Landkreis 20 Senioren und vier Mitarbeiter betroffen. Einige der Infizierten werden nach Auskunft von Heiminhaber Mario Hahn im Krankenhaus stationär behandelt, noch nicht alle finden sich in der aktuellen Statistik wieder. Symbolfoto: Felix Kästle/dpa

Die Corona-Inzidenz im Landkreis hat mit 36,8 den Schwellenwert von 35 überschritten, womit die nächste Eskalationsstufe des Landes zur Eindämmung von Corona erreicht ist. Neue Maßnahmen greifen jetzt.

Wolfhager Land – Der aktuelle Anstieg der an Covid-19 infizierten Menschen hängt mit zwei Seniorenheimen in Elbenberg und Hofgeismar-Beberbeck zusammen. In Elbenberg sind nach Auskunft des Kreises 20 Senioren und vier Mitarbeiter betroffen, einige der Infizierten werden nach Auskunft von Heiminhaber Mario Hahn im Krankenhaus stationär behandelt. In Beberbeck sind elf Bewohner und acht Mitarbeiter infiziert.

Ab sofort dürfen nach dem hessischen Corona-Eskalationskonzept öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 150 Teilnehmern nicht mehr stattfinden. Die Regelungen sollen vom 23. Oktober bis zum 5. November gelten. Mund-Nasen-Schutz muss außerhalb des eigenen Sitzplatzes bei öffentlichen Veranstaltungen, in der Gastronomie, in Kirchen und vergleichbaren Räumen getragen werden.

Keine zusätzlichen Maßnahmen für Schulen und Kindertagesstätten

Auch für private Feiern gelten ab diesem Zeitpunkt zusätzliche Einschränkungen. Bei Feiern in angemieteten oder öffentlichen Räumen dürfen nicht mehr als 25 Personen oder zwei Haushalte teilnehmen. Bei Feiern in privaten Räumen wird eine Höchstteilnehmerzahl von 15 Personen oder zwei Haushalten dringend empfohlen.

Für Schulen und Kindertagesstätten sieht Vizelandrat Andreas Siebert aktuell keine Notwendigkeit zusätzliche Maßnahmen anzuordnen. „Die Hygienekonzepte in den Schulen und den Kindertagesstätten haben sich bewährt und beide Gemeinschaftseinrichtungen sind keine Bereiche mit erhöhtem Erkrankungsrisiko.“

69 Flüchtlinge aus der Erstaufnahme in Niederzwehren wurden jetzt nach Wolfhagen gebracht. Grund ist, dass in der Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel-Niederzwehren über 100 Flüchtlinge mit Corona infiziert sind. Deshalb hatte das Regierungspräsidium geplant, gesunde beziehungsweise negativ getestete von denen zu trennen, die bereits positiv getestet wurden.

Doch mittlerweile sind von den 69 Menschen nun auch 15 positiv auf Corona getestet, wie der Kreis auf Nachfrage mitteilte. Diese Fälle finden sich in der Statistik in Kassel-Stadt wieder. In der Pommernanlage wird der ohnehin seit Längerem eingerichtete Quarantänebereich der Anlage genutzt.

Das Quarantänehaus in der Pommernanlage in Gasterfeld wird von einem Sicherheitsdienst bewacht. Hier sind 69 Geflüchtete aus der Erstaufnahme in Niederzwehren untergebracht worden.

Flüchtlinge zeigen milde Symptome

In der Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel-Niederzwehren wurden über 100 Flüchtlinge positiv auf Corona getestet. Um die Lage zu entspannen, wurden 69 Menschen mit negativem Coronatest in die Flüchtlingsunterkunft der Pommernanlage in Wolfhagen-Gasterfeld gebracht. Doch mittlerweile sind darunter auch 15 positiv Getestete.

„Das Regierungspräsidium Gießen hat uns um Amtshilfe gebeten“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Zwar seien alle 69 Flüchtlinge mit negativem Test nach Wolfhagen gekommen. Mittlerweile zeige sich aber bei 15 von ihnen ein positives Ergebnis. Die Covid-19-Infizierten sollen jetzt wieder nach Niederzwehren gebracht werden.

Um durch die Pandemie nicht die komplette Flüchtlingsunterkunft in Gasterfeld zu gefährden, sei relativ schnell ein Quarantänehaus eingerichtet worden, wie Kühlborn erklärt. Das also sei keine neue Einrichtung. Das Regierungspräsidium habe nun um Unterstützung gebeten, und die sei auch geleistet worden.

Der Katastrophenschutzzug der Feuerwehr Breuna habe vor dem vergangenen Wochenende bei der Einrichtung der Zimmer geholfen und Betten aufgebaut. Entsprechendes Material wurde durch weitere Katastrophenschutzeinheiten aus Kassel angeliefert.

Die Flüchtlinge in der Pommernanlage zeigten allesamt milde Verläufe der Corona-Infektion und würden beobachtet. Keiner von ihnen sei so krank, dass er in ein Krankenhaus oder sogar intensivmedizinisch behandelt werden müsste. „Das wird genau beobachtet und es gibt auch Zugangsbegrenzungen und ein Wachdienst steht vor dem Gebäude“, so der Kreissprecher weiter.

Viele Betroffene fühlen sich gesund

Ziel des Regierungspräsidiums in Gießen war es, die 480 Betten fassende Einrichtung in Niederzwehren für die aktuell 301 Bewohnerinnen und Bewohner nach den mit der Stadt Kassel und ihrem Gesundheitsamt abgestimmten Quarantäneplänen räumlich so weit wie möglich nach positiv und negativ Getesteten zu trennen.

„Wir mussten leider am Freitag feststellen, dass zahlreiche der auch positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner kein Verständnis für die Quarantäne-Maßnahmen zum Schutz aller haben“, berichtet Manfred Becker, Abteilungsleiter im RP Gießen und für die Erstaufnahmeeinrichtung zuständig.

Im Laufe des späten Vormittags hatte es eine Auseinandersetzung in der Einrichtung gegeben, die von der Polizei geschlichtet werden musste. „Das Hauptproblem ist, dass viele der Betroffenen den Sinn der Quarantäneverfügung nicht verstehen und akzeptieren, weil sie sich völlig gesund fühlen und auch symptomfrei sind.“

Deshalb kam letztlich die Stadt Kassel mit dem Regierungspräsidium Gießen und dem Gesundheitsamt zu dem Entschluss, besser einige Bewohner zu verlegen, um wieder mehr Ruhe in die Einrichtung zu bringen.

Keine Beschränkung für Gastronomie

Kreisweit soll es nach einer Empfehlung des Landkreises keine Sperrstunde für die Gastronomie geben. Die gastronomischen Einrichtungen hätten sich vorbildlich an die Einhaltung der Hygienevorschriften gehalten. Deshalb sieht der Kreis keine Notwendigkeit, eine zusätzliche Vorgabe zu machen. Der Landkreis weicht dabei von den Empfehlungen des Landes Hessen ab. Für die Kontrollen der Corona-Maßnahmen sind die Ordnungsämter der Kommunen zuständig. 

(Monika Wüllner,Bea Ricken, Norbert Müller)

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