Als Schwimmer an Grenzen kommen

„Der Tod schwimmt immer mit“: Wolfhagens Bäderchef ruft Badegäste zu Achtsamkeit auf

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Alles im Blick: Sven Gulau auf der Brücke zwischen Schwimmerbecken (Foto) und Spaßpool. Auch wenn das Bad nicht rappelvoll ist, ist bei der Aufsicht volle Konzentration angesagt.

Endlich wieder Badewetter. Worüber sich Kinder und Jugendliche ganz besonders freuen, versetzt die Schwimmmeister in den Freibädern in erhöhte Alarmbereitschaft.

Die Becken sind voller Menschen. Dabei dann den Überblick zu behalten, und schnell erkennen, wenn es zu gefährlichen Situationen kommt, ist eine echte Herausforderung.

Das weiß auch Sven Gulau, Leiter des Bäderwesens in Wolfhagen und Meister für Bäderbetriebe. Gut 30 Jahre ist der aus Norddeutschland Stammende mittlerweile im Geschäft, davon 18 Jahre in Wolfhagen. Er bringt gerade im Bereich der Aufsicht während des Betriebes eine Menge Erfahrung mit. „Der Tod schwimmt immer mit“, bringt Gulau die Problematik beim Vergnügen im Wasser auf den Punkt. „Das habe ich von meinem Altmeister während der Ausbildung eingebläut bekommen.“

Und selbst der aufmerksameste Schwimmmeister kommt an seine Grenzen, wenn an Hitzetagen bis zu 1500 Menschen das Bad bevölkern. „Da musst du dann auch eine Portion Glück haben, um alles zu sehen. Denn es kann ganz schnell was passieren.“ Und die Badeaufsicht muss dann sofort reagieren und ins Wasser springen, ganz gleich, ob das Handy noch in der Hosentasche steckt.

So auch am 22. Juni. Er selbst hatte frei, erzählt der Bäderchef Gulau. Ein anderer Schwimmmeister hatte im Wolfhager Freibad Dienst. An diesem Tag, erzählt Sven Gulau, ist ein dreijähriges Kind im Nichtschwimmerbereich auf der Überlaufrinne balanciert, ausgerutscht und ins Becken gefallen. Wassertiefe: 60 bis 70 Zentimeter. „Da ist der Schwimmmeister sofort reingesprungen“, sagt Gulau. Denkbar, dass das Kind angefangen hätte zu schwimmen oder sich stehend oder hüpfend selbst geholfen hätte. In einer solchen Situation gelte es aber, auf Nummer sicher zugehen, sofort zu reagieren und keine Zeit zu verlieren. „Da denkst du nicht nach, da springst du rein.“

Dem Kind sei zum Glück nichts passiert. Wäre der Retter aber nur zwei Meter weiter bei seinem Rundgang entfernt gewesen, habe dieser ihm später erzählt, wäre das Kind schon aus seinem Blickfeld gewesen. Mit unabsehbaren Folgen.

„Ein Kleinkind kann auch im Planschbecken ertrinken“, weiß der Bäderchef. „Kleinkinder liegen dann wie ein Brett auf dem Wasser, kriegen den Kopf nicht hoch und schaffen es auch nicht, sich umzudrehen.“ Erst ab etwa fünf Jahren versuchen Kinder, an die Wasseroberfläche zu gelangen. Deswegen wirbt Sven Gulau eindringlich dafür, dass Eltern oder Großeltern ihre Kinder oder Enkel im Planschbecken, bei den Größeren auch im Schwimmerbereich immer im Auge behalten und dabei idealerweise auch einen Blick für anderen Kinder im Wasser haben.

Der Großteil der Eltern und Großeltern verhalte sich da auch durchaus vorbildlich. Es gebe aber auch jene, die ihre – auch noch recht jungen – Kinder im Schwimmbad absetzen und meinen, die Geschwister könnten gegenseitig aufeinander aufpassen. Für Gulau ist das keine gute Idee, was er im Übrigen auch vor einiger Zeit einer Mutter attestierte, die mal für eine knappe halbe Stunde zum Kaffeetrinken verschwand und ihre fünfjährige Tochter sich in der Zeit selbst überließ. „Die Mutter hat in der Zeit nichts mitgekriegt“, sagt der Schwimmmeister, auch nicht, dass das Kind in eine kritische Situation geriet und Gulau ins Wasser hechten musste, um das Kind herauszuholen.

Auch wenn die Aufsicht bei vollem Bad zu viert in Lauerstellung ist, gebe es keine absolute Sicherheit. Idealerweise sollten die jungen Nichtschwimmer deshalb die Schwimmflügel am Arm haben, wenn sie im Bad herumlaufen. Gulaus drei Kinder trugen, als sie das Schwimmen noch nicht beherrschten, im Bad sogar neonfarbene Schwimmwesten. „Damit hat man dann schon eine gewisse Sicherheit“, sagt der Mann, der im Wolfhager Bad auch Schwimmunterricht gibt. Schwimmen lernen und es dann auch gut beherrschen sei dann wohl auch die beste Lebensversicherung im Wasser. Auch für Erwachsene.

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