Kirche geht bei Konfirmationen neue Wege in Coronazeiten

Segen und Musik im Schutz der Weidelsburg

480 Konfirmanden zählt der Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen in diesem Jahr, davon kommen 174 aus dem Kreisteil Wolfhagen, wo teilweise an ganz besonderen Orten gefeiert wird: Die Freunde Amon Ickler (von links), Alexander Schminke und Paul Steinmetz sagen am Sonntag auf der Weidelsburg „Ja“ zur Kirche.
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480 Konfirmanden zählt der Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen in diesem Jahr, davon kommen 174 aus dem Kreisteil Wolfhagen, wo teilweise an ganz besonderen Orten gefeiert wird: Die Freunde Amon Ickler (von links), Alexander Schminke und Paul Steinmetz sagen am Sonntag auf der Weidelsburg „Ja“ zur Kirche.

Wolfhager Land. Wegen der Coronapandemie können Konfirmationen und Kommunionen nicht wie üblich gefeiert werden. Deshalb gibt es jetzt wegen des Abstandsgebots mehr Gottesdienste sowie kirchliche Feiern an ungewöhnlichen Orten.

„Es wird anders, aber auf jeden Fall besonders“, sagt Pfarrer Martin Jung mit einem freudigen Funkeln in den Augen, während er rauf zur Weidelsburg schaut, wo am Sonntag die vielleicht außergewöhnlichste Konfirmation stattfindet, die das Wolfhager Land jemals gesehen hat.

Alexander Schminke, Amon Ickler und Paul Steinmetz werden in der größten Burgruine Nordhessens in die evangelische Kirchengemeinde aufgenommen, und das mit reichlich Verspätung und ganz anders, als ursprünglich gedacht.

„Corona hat unseren 39 Jugendlichen, die eigentlich im April konfirmiert werden sollten, einen Strich durch die Rechnung gemacht“, blickt Jung zurück, der nun mit Kollegin Katharina Ufholz einen regelrechten Konfirmationsmarathon zu bewältigen hat.

Wären es im Frühjahr gerade einmal zwei Gottesdienste gewesen, braucht es nun an die 20, um die ausgefallenen Konfirmationen nachzuholen. „Anders wären die Hygieneanforderungen nicht umzusetzen“, weiß der Wolfhager Pfarrer, der großen Wert auf deren Einhaltung legt.

Anderthalb Meter Abstand, Mundschutz und vieles mehr gelte nun mal auch für die Kirche, sagt er, und deshalb werde nun eben mehrmals im kleinen Kreis gefeiert.

Die Orte werden dabei nicht das einzig Außergewöhnliche bleiben, denn auch die Abläufe der Gottesdienste hat das Virus ordentlich durcheinander gewirbelt. „Die Coronaregeln verbieten uns ganz selbstverständliche Dinge wie das Spenden des Segens, was mit Abstand und ohne Berührung einfach nicht möglich ist“, sagt Jung, der an dieser Stelle den Konfirmanden nahestehende Angehörige mit ins Boot holt.

Die kümmern sich auch um den Altar, Jung und Ufholz bringen nur noch das mit, was sie selbst für den Gottesdienst benötigen, etwa eine Bibel oder auch ein Kreuz aus der Kirche. In Sachen Musik allerdings wird nichts dem Zufall überlassen. Bezirkskantor Bernd Geiersbach ist bei allen Feiern dabei, auch außerhalb von Kirchen in Gärten oder wie am Sonntag auf der Weidelsburg, wo er seine portable Technik samt E-Piano im alten Gemäuer aufbauen wird.

Dass sich trotz Covid-19 vieles doch noch so positiv entwickeln würde, damit hat Pfarrer Jung anfangs nicht gerechnet. „Corona hat vieles erschwert und zum Erliegen gebracht, aber als Kirchengemeinde haben wir andere Wege gefunden, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen, probieren Neues und verändern uns, wobei der Glaube ganz viel Freiheit bringt, was richtig gut tut.“

Das finden auch die drei Freunde Alexander, Amon und Paul, die die Weidelsburg für ihre gemeinsames „Ja“ zur Kirche nicht nur gewählt haben, weil Amon hier oft mit dem Fahrrad unterwegs ist und sich bestens auskennt, sondern auch, weil sie die Möglichkeit nutzen wollten, ihren großen Tag an einem außergewöhnlichen Ort zu feiern.

„Kirche oder Garten kann ja jeder“, sagt sie keck grinsend und sind sich sicher, dass der Tag zwar anders als ursprünglich geplant, dafür aber ganz besonders sein wird. (Sascha Hoffmann)

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