Feuerwehrabteilung seit Jahren auf wackligen Beinen

Löschgruppe Philippinenburg/-thal wird aufgelöst

Zum 15. April wird die Löschgruppe Philippinenburg/-thal aufgelöst: Ihr Einsatzfahrzeug wurde nach einem Defekt aus dem Gerätehaus entfernt. „Künftig können wir nur noch mit Eimern löschen“, sagen sie und machen so ihrem Ärger über die Entscheidung des Magistrats Luft.
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Zum 15. April wird die Löschgruppe Philippinenburg/-thal aufgelöst: Ihr Einsatzfahrzeug wurde nach einem Defekt aus dem Gerätehaus entfernt. „Künftig können wir nur noch mit Eimern löschen“, sagen sie und machen so ihrem Ärger über die Entscheidung des Magistrats Luft.

Die Löschgruppe Philippinenburg/-thal, die Teil der Feuerwehr Wolfhagen war, wird zum 15. April aufgelöst. Das hat der Magistrat Anfang dieser Wochen entschieden.

Wolfhagen - Das Löschfahrzeug wurde bereits außer Dienst gestellt, die 15 Einsatzkräfte werden im Falle eines Brandes nicht mehr alarmiert und die Sirenen in Wolfhagens kleinsten Stadtteilen bleiben künftig stumm. In Philippinenburg/-thal ist die Verärgerung über die Situation groß. Schon länger erfülle die Löschgruppe gesetzliche Vorgaben nicht, begründet Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) die Entscheidung. Das sei auch immer kommuniziert worden. Als bei einer Kontrolle im Februar am Einsatzfahrzeug aus dem Jahr 1995 ein Defekt festgestellt worden war, dessen Behebung laut Kostenvoranschlag 6700 Euro kosten würde, wurde das Tragkraftspritzenfahrzeug einige Tage später stillgelegt und aus dem Gerätehaus entfernt. Nach Aussagen von Löschgruppenmitglied Benjamin Relke habe die beauftragte Werkstatt Öl im Wasserkreislauf gefunden, wofür ein Schaden am Motor als ursächlich angenommen wird.

Das Angebot an Relke und seine Kameraden, sich in andere Wehren einzugliedern, lehnen diese ab. Ihr Einsatz sei an Philippinenburg/-thal gekoppelt. Dort gebe es einen starken Zusammenhalt, der ein wesentlicher Grund für ihr Ehrenamt sei. Für die Reparatur müsste die Stadt aufkommen. „Wir wollten Spenden sammeln und die Kosten übernehmen“, sagt Relke, der verärgert ist, dass dieses Angebot nicht gewollt sei.

Das Fahrzeug sei nur die Spitze des Eisberges, sagt Wolfhagens Stadtbrandinspektor Frank Brunst. Das Problem sei komplexer. Schon länger würden in Philippinenburg/-thal Vorgaben nicht eingehalten. Der Motorschaden habe die Situation lediglich verschärft. Das Fahrzeug werde nicht repariert, eine Neuanschaffung sei finanziell nicht drin. Bei einem neuen Fahrzeug müsste das Gerätehaus vergrößert werden. Größe und Ausstattung des Gebäudes würden vom Technischen Prüfdienst regelmäßig kritisiert. Weitere Probleme gebe es beim Personal und der Organisation. An Übungsdiensten hätten nach Angaben von Brunst in den vergangenen vier, fünf Jahren im Schnitt nur fünf Einsatzkräfte teilgenommen. Es müssten aber mindestens sechs bis sieben sein. Fünf der 15 Einsatzkräfte wohnten nicht in Philippinenburg/-thal, bei Einsätzen könnten diese nicht die erforderliche zehnminütige Hilfsfrist einhalten. Nach Auflösung der Löschgruppe sei der Brandschutz durch Wehren in den Nachbarorten sichergestellt.

„Kein Einsatzfahrzeug, keine Feuerwehr“, fasst Benjamin Relke die Situation zusammen. Der 34-Jährige stieß im vergangenen Jahr nach Umzug zur Löschgruppe Philippinenburg/-thal. Dabei gehe es mit ihrer Truppe seit dem Jahr 2018 wieder bergauf. Von der Jugendabteilung, zu der 14 Mitglieder zählen, wären in diesem Jahr drei in die Löschgruppe gewechselt. Die hätte dann 18 Aktive gehabt. Sieben Aktive hätten in diesem Jahr Lehrgänge besucht.

Bis zum Jahr 2015 sei die Löschgruppe zumindest tagsüber zu Gebäudebränden angefordert worden. Bis dahin sei sie auch in die Alarmschleife Sonderobjekte eingebunden gewesen. Die Aktiven wären also gerufen worden bei Bränden in großen Gebäuden wie Schulen oder der Klinik, in denen sich viele Menschen aufhalten. Mit der Verkleinerung ihres Aktionsradius habe die Zahl der Einsätze abgenommen. Bis zuletzt habe eine Kooperation mit der Wehr in Wenigenhasungen bestanden – wenn der Schlauchwagen gefragt war, rückten auch die Kolonisten aus, sagt Relke.

Entscheidung kam plötzlich

Dass die Existenz der Löschgruppe auf wackligen Beinen steht, ist für deren Mitglieder nicht neu. Seit einigen Jahren schon wissen sie von Mängeln am Gerätehaus und Problemen beim Erfüllen rechtlicher Vorgaben. Dennoch kam die Entscheidung zur Auflösung für alle überraschend. „Das ging uns allen etwas sehr schnell“, sagt Relke. Gerne hätten sie einen zweiten Kostenvoranschlag für das defekte Fahrzeug eingeholt, das Geld für die Reparatur über Spenden aufgebracht. In Philippinenburg/-thal hätten mit einer Ausnahme bei einer Befragung alle angetroffenen 113 Menschen mit ihrer Unterschrift den Erhalt der Löschgruppe gefordert. „Viele haben gefragt, was denn die anderen so gegeben haben. Da hatten wir noch gar nicht um Spenden gebeten“, sagt Relke.

Ortsvorsteherin Helga Hughes setzte sich ebenfalls für den Erhalt der Gruppe ein. Zusammen mit dem Ortsbeirat hat sie eine Resolution verabschiedet und dem Magistrat überstellt. Der unterstützt die Resolution aber nicht. In dem Papier fordert der Ortsbeirat, alle Maßnahmen zu unterlassen, die die Einsatzfähigkeit des Fahrzeugs weiter einschränken. Dies schließe den weiteren Aus- und Abbau auf dem Fahrzeug befindlicher Gerätschaften ein, ebenso den Verkauf, einen anderweitigen Einsatz und die Verschrottung. Zudem möge ein zweiter unabhängiger Kostenvorschlag eingeholt werden – auch unter dem Aspekt, dass der tatsächliche Schaden wahrscheinlich geringer sei. Letzteres begründen die Mitglieder der Löschgruppe damit, dass ihr Einsatzwagen vor dem Ölwechsel bei der Feuerwehr in der Kernstadt noch „funktionsfähig war“.

Ihr größter Wunsch ist ein einsatzfähiges Fahrzeug, „an dem wir üben können“, sagen Relke und seine Kameraden. Doch nach dem Magistratsbeschluss wird es dazu nicht mehr kommen. An dem angebotenen Wechsel in andere Wehren haben sie kein Interesse. „Damit wird unsere Einheit zerrissen.“ Auch die Jugendabteilung zerfalle nun, der soziale Zusammenhalt ginge mit einem Wechsel in andere Wehren verloren.

Stadtbrandinspektor Brunst kann dieses Argument nicht nachvollziehen. Von den 77 Einsatzkräften der Wehr Wolfhagen-Mitte kämen zwölf aus anderen Kommunen. Sie hätten ihren Arbeitsplatz in Wolfhagen und stünden während ihrer Arbeitszeiten für Einsätze zur Verfügung. Sie seien in die Einsatzabteilung integriert, würden pro Jahr mindestens an zwölf Übungsdiensten teilnehmen. Brunst ist überzeugt, dass der Anschluss der Aktiven aus der Löschgruppe auch in anderen Wehren funktionieren würde. Für ihn wäre es schade, wenn die Einsatzkräfte aus Philippinenburg/-thal ihr Ehrenamt an den Nagel hängen würden.

Bürgermeister Schaake: Reparatur wäre unwirtschaftlich

Schweren Herzens habe der Magistrat der Stadt Wolfhagen am Montag die Auflösung der Löschgruppe Philippinenburg und -thal zum 15. April beschlossen. „Dieser Schritt ist allen Beteiligten mehr als schwergefallen. Dennoch mussten wir uns den Fakten stellen“, sagt Bürgermeister Reinhard Schaake. Die Einsatzfähigkeit der Löschgruppe, die als Unterabteilung zum Stützpunkt Wolfhagen-Mitte gehört, sei aufgrund der nicht ausreichenden Anzahl an Aktiven schon seit einiger Zeit nicht mehr sichergestellt, sodass die Auflösung zwingend notwendig sei.

Ein schwerwiegender Defekt am mittlerweile 26 Jahre alten Einsatzfahrzeug der Löschgruppe, dessen Reparatur aufgrund der zu erwartenden Kosten unwirtschaftlich wäre, mache die Auflösung nach Einschätzung des Magistrats zusätzlich erforderlich. „Die Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges oder auch die Bereitstellung eines vergleichbaren Einsatzfahrzeuges infolge eines Ringtausches ist nicht möglich, da das vorhandene Feuerwehrhaus nicht mehr die gesetzlichen Anforderungen für eine sichere Unterbringung erfüllt“, begründet Schaake die Auflösung. Weiterhin fehle es an geeigneten und nach Männern und Frauen getrennten Sanitär- und Umkleideräumen.

Für die Stationierung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges müsste das Feuerwehrhaus daher grundlegend erneuert werden. Da dies am derzeitigen Standort nicht möglich sei, wäre ein Neubau des Feuerwehrhauses unumgänglich. Die zu erwartenden Kosten sowohl für die Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeugs als auch für einen Neubau des Feuerwehrhauses seien nach Auffassung des Magistrats, der sich zuvor intensiv mit dem Stadtbrandinspektor und seinem Vertreter ausgetauscht hatte, nicht vertretbar. Sie lösten auch die Probleme der mangelnden Mitgliederzahl nicht. „Wir würden uns sehr freuen, möglichst alle Kameradinnen und Kameraden in einer anderen Wehr willkommen zu heißen“, so Schaake.

Der Feuerwehrverein in Philippinenburg sei von der Auflösung nicht betroffen. Da er in der Ortsgemeinschaft eine wertvolle soziale und gesellschaftliche Funktion besitze, werde sein Fortbestand unterstützt und nach Lösungen gesucht.

„Der Brandschutz für die Stadtteile Philippinenburg und -thal ist selbstverständlich auch nach der Auflösung der Löschgruppe sichergestellt“, so der Rathauschef. Das Einleiten wirksamer Hilfe innerhalb der gesetzlichen Frist von zehn Minuten nach einer Alarmierung könne sowohl vom Stützpunkt Wolfhagen als auch von Wenigenhasungen aus erfolgen.

(Von Antje Thon)

Möchten weiter Dienst in der Löschgruppe schieben: Benjamin Relke (links) und Löschgruppenführer Andreas Galuschka.

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