Sie will mit Klischees aufräumen

Mit 27Jahren leitet die Wolfhagerin Sarah Rueda eine Brennpunkt-Schule

Sarah Rueda aus Wolfhagen ist mit 27 Jahren eine der jüngsten Schulleiterinnen der Region.jpg
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Sarah Rueda aus Wolfhagen ist mit 27 Jahren eine der jüngsten Schulleiterinnen der Region.jpg

Die Wolfhagerin Sarah Rueda ist mit 27 Jahren eine der jüngsten Schuldirektorinnen Nordhessens und noch dazu an einer Brennpunktschule mit hohem Ausländeranteil. Sie leitet seit einem halben Jahr die Carl-Anton-Henschel-Schule in der Kasseler Nordstadt.

Altenhasungen – „Ich würde gerne jungen Menschen Mut machen, sich auch in jüngeren Jahren auf Führungspositionen im Bildungsbereich zu bewerben, zu engagieren und mit einigen Klischees zum Thema Brennpunkt aufzuräumen. Ich war vier Jahre lang an ländlichen Schulen in Zierenberg und Wenigenhasungen tätig und weiß, wie viele falsche Bilder es von Brennpunktschulen mit hohem Migrationsanteil gibt“, so Rueda.

Solche Schulen, und eigentlich gilt das aus ihrer Sicht für alle Schulen, müssten zum Lebensort für die Kinder werden. „Natürlich müssen Lesen, Schreiben, Rechnen gelehrt werden – aber nicht ausschließlich. Es gilt Rückzugsmöglichkeiten zu bieten sowie lebensweltbezogene Projekte, die Möglichkeit, sich Bücher auszuleihen oder Hörbücher anzuhören.“

2017 hat Rueda ihren Schuldienst an der ganztägig arbeitenden Grundschule in der Kasseler Nordstadt angetreten. Eine Schule, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe von 430 Kindern, davon einem Großteil mit Migrationshintergrund und vielen, die erst Deutsch lernen müssen, einiges vom pädagogischen Personal abverlangt. Aber Sarah Rueda war von Anfang an begeistert: „Die Kinder sind hier auffallend offen, sie fordern enge Bindungen ein und genießen sie.“

Selbstverständlich gehöre die Kultur der Kinder zum Leben an der Schule dazu. „95 Prozent der Kinder sind noch nie mit ihren Eltern in einem Theaterstück oder in einem Museum gewesen. Dafür muss Schule Raum schaffen, um den Kindern überhaupt die Möglichkeit zu geben, am kulturellen Leben der Gesellschaft teilzuhaben“, sagt die 27-Jährige.

„Wir übernehmen sehr viel Erziehungsarbeit. Das ist aber aus meiner Sicht auch der Auftrag von Schule. Es wird nicht funktionieren über die reine Wissensvermittlung an die Schüler heranzukommen“, meint Rueda. Die familiäre Erziehungsarbeit fehle häufig, oder es gebe große kulturelle Unterschiede, weil in manchen Kulturen Erziehung schon immer ausschließlich die Aufgabe von Schule gewesen sei und sich das Elternhaus hier zurückgezogen habe. „Ein Gemeinschaftsgefühl an der Schule muss immer erst aufgebaut werden, und zwar nicht nur an Brennpunktschulen. Das ist mir besonders wichtig.“ Sarah Rueda weiß, dass manche Berufskollegen die Übernahme von Erziehungsarbeit als Überforderung sehen. Für sie ist es aber ein befriedigendes Gefühl, was gerade Kinder aus schwierigen Familienkonstellationen zurückgeben. „Unsere Arbeit trägt unmittelbar Früchte.“

Die junge Lehrerin hat eine Vision davon, wie sie Unterricht gestalten will. Zu den Ideen, die sie an ihrer Schule verwirklichen möchte, gehört, in den ersten drei Jahrgängen keine Noten zu vergeben. „Auch multiprofessionelle Teams wären toll.“

Eine Herzenssache, von der Sarah Rueda überzeugt ist, dass sie Schulen enorm guttun würden, wären Sportklassen. Gerade Kinder mit Sprachdefiziten, wie Geflüchtete, könnten durch den Sport Selbstbewusstsein aufbauen und Kraft schöpfen.

Sarah Rueda selbst hat eine Leidenschaft für den Sport. Sie hat an der Universität in Kassel Deutsch und Sport für Haupt- und Realschule studiert und als zweites Studium Grundschullehramt draufgesattelt. Sie spielt seit 17 Jahren aktiv Fußball. „Zeitlich bedingt leider nicht mehr so häufig wie früher“, bedauert sie.

Entspannung findet Sarah Rueda, die in Burghasungen aufgewachsen ist und jetzt in Altenhasungen lebt, auf Spaziergängen mit ihrem Hund Emmi in der nordhessischen Natur. 

(Bea Ricken)

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