Am liebsten Elektriker

Blick nach vorn: Simons Traum vom Ausbildungsplatz im Handwerk

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Mit dem Fahrrad fing alles an: Simon Teame Berhe aus Eritrea macht bei Spiel- und Freizeit Pelz ein Praktikum. Er möchte gerne eine Ausbildung machen. Im Bild rechts ist Pelz-Inhaber Ernst Pötter, der dem jungen Mann ein Praktikum ermöglicht.

Wolfhagen. Nach seiner Flucht sehnt sich Simon Teame Berhe nach einem normalen Leben. Sein Traum ist aber ein Ausbildungsplatz in einem Handwerksberuf.

Derzeit macht er in einem Wolfhager Geschäft ein Praktikum.

Simon Teame Berhe kommt aus Eritrea. Er ist nach Folter und Bedrohung von dort geflüchtet. Von Eritrea in den Sudan, nach Libyen, dann mit dem Boot nach Lampedusa (Italien) und von dort mit dem Flugzeug nach Frankfurt. Von da ging es nach Kassel und später nach Wolfhagen in die Gemeinschaftsunterkunft der Pommernanlage. Man kann es sich kaum vorstellen, was der 24-Jährige bereits erlebt hat. Doch er schaut nach vorne. Er will unbedingt eine Ausbildung machen.

Am liebsten will er Elektriker werden. Aber auch die Berufe des Schreiners, Bäckers, Malers oder Altenpflegers interessieren ihn. Derzeit absolviert er im Spiel-und Freizeitgeschäft Pelz ein Praktikum. „Er sieht wirklich, was gemacht werden muss, ist sehr fleißig und engagiert“, sagt Geschäftsinhaber Ernst Pötter.

Als die beiden Männer sich kennenlernten, lebte Simon noch in der Gemeinschaftsunterkunft in Gasterfeld. Simon hatte bei der Fahrradbörse ein Fahrrad erstanden. Weil er eine sogenannte Acht im Rad hatte, kam er zu Pötters Geschäft und bat um Hilfe. Doch Pötter wurde während der Reparatur immer wieder unterbrochen und zu anderen Kunden gerufen. Kurzerhand übernahm Simon die Reparatur selbst. „Das hat mich beeindruckt“, sagt Pötter. Der Junge habe ihm von der ganzen Art her gefallen.

Pötter fragte Simon, ob er ihm beim Michaelismarkt am Los-Stand helfen könnte. Und das machte er. Abermals sehr engagiert. Und so kam es zum Angebot, ein Praktikum im Spielwarengeschäft zu machen.

Es gefällt ihm gut, und die Arbeit macht ihm Spaß, aber er möchte gerne handwerklich arbeiten. Deshalb sucht er jetzt eine Ausbildungsstelle. Eine Wohnung in Wolfhagen hat er bereits.

Kontakt in seine Heimat hat Simon nur telefonisch. Er weiß, dass er seine Familie in Eritrea wahrscheinlich nie wiedersehen wird. Sollte er in sein Land zurückkehren, würde er als Verräter und Staatsfeind verhaftet. Ebenso dürften seine Eltern nicht ausreisen, sie sind durch seine Flucht ins Visier der Polizei geraten.

„Wir sind Bauern. Und trotz der langen Dürre und dem Ernteausfall wollten Staatsbeamte Steuern eintreiben. Den letzten Getreidesack wollten sie mitnehmen, weil wir die erhöhte Aufbausteuer nicht zahlen konnten“, erzählt der junge Mann. Er habe sich diesen letzten und für die Famile so wichtigen Sack gegriffen und an die Beamten appelliert, ihre letzte Nahrung nicht mitzunehmen. Die Beamten schlugen ihn, nahmen in mit zur Polizei. Er landete im Gefängnis, und dort wurde er gefoltert.

Simon erzählte, dass es in Eritrea üblich sei, junge Menschen zum Militärdienst zu zwingen oder sie gar dort unentgeltlich arbeiten zu lassen und zu foltern, wenn sie wegen irgendetwas widersprechen. Seine einzige Chance zu überleben, sei die Flucht gewesen.

„Ich bin dankbar, dass ich hier in einer Demokratie leben kann und sicher bin“, sagt der junge Eriträer.

Kontakt über Ernst Pötter, Telefon: 05692 / 2361.

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