Grünstreifen an B 450

Anwohner in Gasterfeld kritisiert Schnittaktion: „So brutal musste es nicht sein“

Direkt an der B 450: Günther Rückner am Zufahrtsweg zur Schanze bei Gasterfeld. Er steht wenige Meter vor seiner Grundstücksgrenze. Auf Höhe des Lkw ist die Begrünung auf den Stock gesetzt, am rechten Bildrand sieht man den ursprünglichen Zustand.
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Direkt an der B 450: Günther Rückner am Zufahrtsweg zur Schanze bei Gasterfeld. Er steht wenige Meter vor seiner Grundstücksgrenze. Auf Höhe des Lkw ist die Begrünung auf den Stock gesetzt, am rechten Bildrand sieht man den ursprünglichen Zustand.

Hessen Mobil ließ an der Bundesstraße 450 in Höhe des Wolfhager Stadtteils Gasterfeld Büsche abschneiden. Ein Anwohner übt massive Kritik.

Gasterfeld – Das Entsetzen ist Günther Rückner deutlich anzumerken. Der 75-Jährige wohnt im Wolfhager Stadtteil Gasterfeld direkt an der Bundesstraße 450. Bäume und Gebüsch schirmten bislang über mehrere hundert Meter die viel befahrene Straße und die Siedlung nahe der früheren Pommernkaserne ab. Nun aber wurde der dichte Grünstreifen, den Rückner und Nachbarn als Sicht- und auch Lärmschutz schätzten, ausgelichtet.

Die großen Bäume blieben stehen, das Gebüsch wurde auf den Stock gesetzt.

„So brutal musste es nicht sein“, sagt Rückner zu den Arbeiten. „Wir hatten eine dichte, grüne Wand.“ Man habe zwar die Autos wahrgenommen, das sei angesichts der Nähe der ersten Häuserreihe zur Bundesstraße ja auch normal. Aber, ist der Rentner überzeugt, so stark wie jetzt, nach dem „Kahlschlag“, sei man vorher nicht vom Verkehr belästigt worden. Selbst im Winter habe das unbelaubte Geäst noch optischen und akustischen Schutz geboten.

Besonders schlimm für ihn sei auch, dass Autos, vor allem aber die Lastwagen, die in der Dunkelheit von Wolfhagen kommen und durch die Kurve unterhalb des Ortes fahren, nun mit ihren Scheinwerfern sein Schlafzimmer taghell erleuchten. Das Fenster sei vorgebaut und könne durch kein Rollo ergänzt werden. Der grüne Riegel habe das Scheinwerferlicht einigermaßen abgeschirmt.

Günther Rückner wohnt seit 1985 in dem Haus genau an der südöstlichen Ecke zur Bundesstraße. Es ist das Elternhaus seiner verstorbenen Frau. Er habe beim Einzug gewusst, dass der Standort direkt an der Straße seine Besonderheiten hat, an die er sich erst gewöhnen musste: „Wenn man an einer Bundesstraße wohnt, muss man bestimmte Dinge ertragen, das ist klar.“ Aber gerade dann sei man besonders dankbar für alles, was auch nur ein bisschen abschirmt.

Der Verkehr auf der Straße habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Vor allem der Schwerverkehr nach dem Bau der Umgehungsstraße um Bad Arolsen. An der Ecke Bienenweg/Waldstraße, wo das Haus der Rückners mit dem dicht bewachsenen Garten steht, gehe es dann jetzt schon nahe an die Schmerzgrenze. „Wir kriegen es hier an der Stelle vor allem ab.“ Und da hätte man sich seitens Hessen Mobil etwas mehr Sensibilität für die Belange der Anwohner gewünscht.

Marco Lingemann, Sprecher von Hessen Mobil, bestätigt, dass man in der vergangenen Woche an der B 450 im Bereich Gasterfeld „eine Holzverjüngung durchgeführt“ habe: auf einer Länge von etwa 150 Metern zwischen dem Abzweig Viesebeck und Gasterfeld, dem Abschnitt, um den es Günther Rückner geht, und auf einer Länge von rund 100 Metern zwischen der Siedlung und dem Gasterfelder Holz. Der Bewuchs auf dem etwa 200 Meter langen Stück dazwischen, also auf der Länge von Gasterfeld selbst, „wurde nicht bearbeitet“.

Das Gehölz schneide man sicher nicht, um Anwohner vor den Kopf zu stoßen. „Damit sich der Strauchbestand am Straßenrand gesund entwickeln kann, muss dieser regelmäßig gezielt auf den Stock gesetzt werden“, erklärt Lingemann.

Die Sträucher werden dabei knapp über dem Boden abgeschnitten, die größeren Bäume bleiben stehen. „Da kann man beim ersten Blick schon mal einen Schrecken kriegen“, zeigt der Mann von Hessen Mobil Verständnis für die Kritik von Günther Rückner.

Es gehe dabei aber vor allem um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Denn ohne Gehölzpflege würden sich die eng beieinanderstehenden Sträucher gegenseitig in die Höhe treiben und instabil werden. Das könne für den Verkehr auf den Straßen bei Brüchen extrem gefährlich werden.

Der Gehölzschnitt sei auch ganz im Sinne der Natur. Lingemann: „Es hilft der Natur, sich zu verjüngen und neu aufzustellen.“ Den Schnitt, den der Gasterfelder als so radikal empfindet, führe in den Folgejahren zu einem kräftigen Zuwuchs. Schon nach zwei Jahren sei das Gebüsch bereits wieder zwischen zwei und drei Meter hoch.

Bleibt für den 75-jährigen Rückner also nur, abzuwarten. Vorerst muss er auch nicht so schnell mit einem erneuten Radikalschnitt rechnen. Laut Behördensprecher Marco Lingemann geht Hessen Mobil „die Verjüngung des Strauchbestands an seinen Straßen abschnittsweise in einem wiederkehrenden Turnus von bis zu 20 Jahren“ an. (Norbert Müller)

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