Vor 75 Jahren: Karsamstag kamen die Panzer

So erlebte das Wolfhager Land das Ende des Zweiten Weltkriegs

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Der Krieg ist vorbei: Das Foto zeigt amerikanische Soldaten mit ihren Panzern auf dem Wolfhager Teichberg. Die Kreisstadt wurde von den Truppen am Ostersamstag erreicht. Von deutscher Seite gab es keinen Widerstand. 

Vor 75 Jahren rückten amerikanische Soldaten in den Kreis Wolfhagen ein und beendeten hier den Krieg. Bis zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht dauerte es noch bis zum 8. Mai.

Wolfhager Land – Die Erlösung kam am Tag vor Ostern. Am Karsamstag 1945 rückten von Süden kommend amerikanische Soldaten ins Wolfhager Land, erreichten Merxhausen sowie über Altendorf die Stadt Naumburg und brachten dem Landkreis das Ende des Weltkrieges.

In den meisten Orten des Wolfhager Landes hisste man weiße Fahnen kurz bevor die bestens ausgerüsteten amerikanischen Truppen anrückten. Auf Scharmützel ließen sich nur wenige ein, obwohl doch noch kurz zuvor Trupps des Volkssturms von den nationalsozialistischen Statthaltern dazu verdonnert worden waren, alles zu tun, um den Gegner aufzuhalten. 

Aber kaum hatten sich die braunen Funktionäre abgesetzt, lösten sich die meisten der unzureichend ausgebildeten und schlecht ausgestatteten Volkssturm-Grüppchen auf.

In Merxhausen und Istha gab es Widerstand 

Anders in Merxhausen. Dort waren einen Tag vor dem Einmarsch der US-Truppe in die Gaststätte Lindenhof Volkssturmmänner einquartiert worden. Als in der Osternacht die Amerikaner bei ihrem Einzug einen Warnschuss abgaben, feuerte der Volkssturm zurück. Es folgte eine wilde Schießerei. Das Gasthaus wurde in kürzester Zeit schwer demoliert, drei Menschen starben.

Widerstand gab es auch in Istha. Dort hatte sich am Ortsausgang in Richtung Wolfhagen und an der Westseite des Isthaberges eine kleine SS-Einheit festgesetzt. Die legte sich mit den vorrückenden amerikanischen Panzerverbänden an. Die US-Truppen nahmen daraufhin Istha unter Beschuss. Zwölf Häuser brannten ab, weitere wurden beschädigt. Am Ostermontag, 2. April, nahmen die Amerikaner Istha ein, einen Tag später Dörnberg und Ehlen.

US-Truppen errichteten in Wolfhagen ihr Hauptquartier

Die US-Truppen richteten zunächst im Wolfhager Rathaus ihr Hauptquartier ein, wechselten dann aber ins Landratsamt. Einen Tag vor dem Einmarsch der Alliierten, die zu diesem Zeitpunkt bereits Landau erreicht hatten, sprengte das Personal am 30. März die Lufthauptmunitionsanstalt (Muna) im Gasterfelder Holz. Die Detonationen dauerten vom frühen Vormittag bis zum Nachmittag.

Amerikaner in Naumburg: Die drei Soldaten ließen sich vor dem Marktplatz fotografieren. Es ist eine der wenigen Aufnahmen aus der Besatzungszeit in Naumburg.

In den besetzten Orten quartierten sich die US-Truppen in privaten Häusern ein, die Bewohner mussten sich auf die Schnelle eine neue Bleibe suchen. Die amerikanischen Soldaten machten sich sofort auf die Suche nach versteckten Wehrmachtssoldaten und Funktionären der Nationalsozialisten. Die Bevölkerung musste Waffen, Ferngläser und Fotoapparate abliefern.

Die Amerikaner trieben die Entnazifizierung voran

Kaum hatten sich die Amerikaner in der Kreisstadt Wolfhagen eingerichtet, machten sie sich daran, eine neue Ordnung aufzubauen. Es gab jede Menge neue Regeln zu beachten. Die Ausgangszeiten für die Bevölkerung wurde stark eingeschränkt, Passierscheine wurden eingeführt und deutschen Zivilpersonen wurde verboten, sich mit den Soldaten und Offizieren der Besatzer zu unterhalten. Die Amerikaner trieben die Entnazifizierung voran: Mitglieder der NSDAP und aktive Unterstützer der Nationalsozialisten wurden aus dem Öffentlichen Dienst entfernt. Etwas später wurde die Regelung auch auf andere Berufsgruppen ausgedehnt.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Truppen am 8. Mai 1945 normalisierte sich das Leben Schritt für Schritt. Ende Juni öffnete die Kreissparkasse, der zivile Postdienst wurde am 27. Juli wieder aufgenommen, zunächst im Kreis Wolfhagen, ab August waren auch Sendungen in der Provinz Hessen-Nassau möglich. Im Oktober nahm in Wolfhagen die Volksschule ihren Betrieb wieder auf, die Gründung von politischen Parteien wurde zugelassen. 1946 fanden dann die ersten demokratischen Wahlen seit dem Jahr 1933 statt.

Gepanzerte Fahrzeuge an zentralen Plätzen: Das Foto zeigt amerikanische Panzer unmittelbar nach Kriegsende in Breuna. Das Interesse der Bevölkerung war offensichtlich groß. 

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