Gedenkfeier zum Novemberpogrom 1938

Söhne retteten sich in die USA: „Blocks Moses“ ging als letzter Wolfhager Jude

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Wolfhager Original: „Blocks Moses“ vor seinem Wagen, auf dem die Glocken für die Kirche in Oelshausen stehen.

Er war ein Wolfhager Original: Moses Block, Viehhändler mit Fuhrunternehmen. Wie viele andere Juden wurde er während des Novemberpogroms 1938 misshandelt. 

Schüler der Wolfhager Wilhelm-Filchner-Schule haben sich im Vorfeld einer am kommenden Samstag in Wolfhagen stattfindenden Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogrome am 9. November 1938 mit ihrem Lehrer Marcus von der Starten mit der Geschichte der Blocks in Wolfhagen beschäftigt und werden der Familie gemeinsam mit den Teilnehmern der Wolfhager Gedenkveranstaltung vor dem Haus Torstraße 5 gedenken.

Torstraße 5, dort waren einst Moses Block, seine zwei Jahre jüngere Ehefrau Amalie und die beiden Söhne Berthold und Willy zuhause. Block war ein gebürtiger Wolfhager. 

Am 13. November 1888 heiratete er die damals 23-jährige Amalie, die am Neujahrstag 1934 starb und ganz in der Nähe des gemeinsamen Heims auf dem jüdischen Friedhof an der Wilhelmsstraße beigesetzt wurde.

Ein gefragter Mann in Wolfhagen

Ehe die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, war „Blocks Moses“, wie er in Wolfhagen genannt wurde, ein durchaus gefragter Mann. Mit Pferd und Wagen war der Mann, der als freundlich und hilfsbereit beschrieben wurde, in und um Wolfhagen unterwegs. 

Sonntags kutschierte er den evangelischen Pfarrer von Wolfhagen zum Gottesdienst nach Bründersen. Von Block ist ein Foto erhalten, das ihn an seinen Wagen gelehnt zeigt. Auf der Pritsche stehen die Glocken für die Kirche in Oelshausen.

Autowerkstatt in Wolfhagen

Das erste Kind von Moses und Amalie Block, Berthold, wurde 1893 geboren. 1929 eröffnete er im elterlichen Haus eine Autowerkstatt. Im selben Jahr heiratete er Ruth Meyer aus Soest. In den 1930er-Jahren ließ er sich als Uhrmacher mit eigenem Geschäft an der Mittelstraße nieder. 

1937 zog er mit seiner Frau zunächst nach Hamburg, von dort wanderten Berthold und Ruth Block am 19. April 1939 nach New York aus. Sein jüngerer Bruder Willy folgte ihm nach New York, gerade noch rechtzeitig, um dem Holocaust zu entgehen.

Vater Moses dagegen erlebte mit, wie während des Novemberpogroms 1938 auch die Juden in Wolfhagen zu Freiwild erklärt und misshandelt wurden, ihr Eigentum geplündert und verbrannt wurde und schließlich auch ihre Synagoge an der Mittelstraße – damals hieß sie Adolf-Hitler-Straße – am 10. November in Flammen aufging. Sei Sohn Berthold wurde ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und bis zum 6. Dezember, wie von der Straten mit seinen Schülern recherchierte, unter widrigsten Bedingungen gefangen gehalten.

In seinem Haus von Nazis heimgesucht

Der 76-jährige Moses Block wurde von den Nazis in seinem Haus an der Torstraße heimgesucht. Unter großem Gejohle der Zuschauer wurde das Inventar auf die Straße geworfen, er selbst von Wolfhager Hitlerjungen auf die Straße getrieben. Ein alter Wolfhager berichtete später, wie er Moses Block an diesem Abend bitterlich weinend am Grab seiner Frau auf dem jüdischen Friedhof habe sitzen sehen.

Block blieb noch acht Monate in seinem Haus, ehe er es weit unter Preis an einen Parteitreuen verkaufen musste. Als letzter Wolfhager Jude verließ Moses Block im Juli 1939 seine Heimatstadt in Richtung Kassel. Von dort wurde er im September 1942 nach Theresienstadt und dann ins Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo der 80-jährige Moses Block vermutlich unmittelbar nach seiner Ankunft vergast wurde.

Info: Die Gedenkveranstaltung in Wolfhagen beginnt am Samstag, 9. November um 18.30 Uhr im Kulturladen. Von dort geht es zur Torstraße 5, dann zum ehemaligen Standort der Synagoge.

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