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Wolfhagen denkt über alternative Bestattungsform nach

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Von: Antje Thon

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Alte Hutebuchen in einem Waldstück am Ofenberg in Wolfhagen.
Alte Hutebuchen: Wegen ihrer brüchigen Kronen können in diesem Bereich des Ofenberges keine Urnen mit der Asche der Verstorbenen in den Boden gesetzt werden. Allerdings bieten sie sich aufgrund ihrer Ästhetik als Eingangsensemble für einen Waldfriedhof an. © Antje Thon

Die Stadt Wolfhagen prüft derzeit die Möglichkeiten für einen Waldfriedhof. Zunächst kam dafür der Stadtwald in Betracht, nun ist es der Ofenberg.

Wolfhagen - Die Bestattungskultur ist im Wandel. Weg vom Reihengrab mit großem Stein, hin zum kleineren Urnengrab – und das gerne im Wald. Das ist der Trend. Auch in Wolfhagen gibt es Ideen für einen Waldfriedhof. Kreisten diese zunächst um einen Ort im Stadtwald, fokussieren sich die Überlegungen inzwischen auf eine Fläche am Ofenberg.

Offenbar sind es mehrere Gründe, die bei den Betrachtungen für einen Wechsel des Standortes sprechen. Wie Erster Stadtrat Karl-Heinz Löber sagt, gebe es im Stadtwald, wo zunächst ein Areal in der Nähe des Hellen Platzes in Betracht gezogen worden war, Konflikte mit der Jagdgenossenschaft. Zudem stellten Brunnen am Stöcketeich und an der Rattenfalle Hindernisse dar, sagt Revierförster Friedrich Vollbracht. Diese seien jedoch nicht unüberwindbar. Laut einer mehr als 50 Jahre alten Verordnung über den Schutz von Trinkwasser sei ein Friedhof im Wald zwar ausgeschlossen. Allerdings habe man damals bei der Regelung wohl keine Urnen und keinen Waldfriedhof im Sinn gehabt, sondern Gräber. Über eine Ausnahmegenehmigung ließe sich dort sicherlich etwas bewegen.

Vollbracht und Löber sehen allerdings durchaus die Vorteile eines alternativen Standortes am Ofenberg. Der Wald dort werde wirtschaftlich nicht genutzt, schon jetzt gebe es in ihm viele Spaziergänger. Dort müsste lediglich die territorial relativ weit gefasste Heilquellenschutzgebietsverordnung Bad Emstals berücksichtigt werden, sagt Vollbracht. Eine Überprüfung habe bereits ergeben, dass der Kalkstein so mürbe sei, dass sich eine Urne mit der Asche des Verstorbenen im Boden platzieren ließe, sagt Vollbracht, der zudem auf das Vorhandensein von Parkplätzen verweist.

Das Areal, das im Flächennutzungsplan hinterlegt werden soll, umfasst 43 Hektar und erstreckt sich am östlichen Hang der bewaldeten Erhebung – in die Nutzung genommen würden zunächst aber nur drei bis fünf Hektar. Wichtig sei in diesem Zusammenhang der B-Plan, sagt Löber. Vorab müsste geklärt werden, ob dieser in der Phase der vorläufigen Haushaltsführung, in der sich Wolfhagen nach wie vor befindet, erstellt werden könne. Schließlich handele es sich bei der Anlage eines Waldfriedhofes um eine freiwillige Leistung. Die Hinterlegung des Friedhofes im Flächennutzungsplan könne später erfolgen. Der Erste Stadtrat geht davon aus, dass sich das Parlament Anfang 2023 mit dem Thema befassen wird.

Wie er sagt, würden Gespräche mit verschiedenen Anbietern von Waldfriedhöfen geführt, unter anderem auch mit der Friedwald GmbH aus Griesheim, die ihren ersten Waldfriedhof im Reinhardswald eröffnet hat und inzwischen überall in Deutschland vertreten ist. Das Unternehmen bestätigte gegenüber der HNA, am Raum südwestlich von Kassel als einem möglichen Standort interessiert zu sein. „Die Nachfrage ist hier grundsätzlich vorhanden. In diesem Zusammenhang sprechen wir unter anderem auch mit der Stadt Wolfhagen“, sagt Sarah Tabola, die im Unternehmen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Revierförster Friedrich Vollbracht und Bürgermeistervertreter Karl-Heinz Löber sehen das Potenzial einer solchen Einrichtung. Zum einen könnte die Kommune auf die Nachfrage von Kunden reagieren, die mit einem Platz im Wald auch ihre Angehörigen von der Last der Grabpflege befreien möchten. Und zum anderen lassen sich mit Waldfriedhöfen Einnahmen generieren und das, wo doch die Forstwirtschaft wegen der großen Waldschäden in den vergangenen Jahren eher Geld verschlungen, denn eingebracht hat.

Noch vor einem Jahr war der Standort ein anderer gewesen: Statt des Ofenberges hatte Revierförster Vollbracht eine Fläche im Stadtwald in die Diskussion gebracht. Dagegen allerdings hatte sich die Jagdgenossenschaft Wolfhagen gewehrt, deren Aufgabe die Verpachtung der Jagdreviere ist. Vorsitzender Helmut Flörke begründet das mit den Einschränkungen für Jagdpächter. Würde im Wald zwischen Hellem Platz und Leckringhausen ein Friedhof angesiedelt, wäre dort eine Jagd nicht mehr möglich – zum einen, weil sich ein Nebeneinander von Jagd und Friedhof ausschließen, zum anderen weil die Zahl der Besucher im Wald weiter steigen würde.

Im Bereich um Leckringhausen und beim Hellen Platz grenzt der Wald an Feld. Dort sei die Gefahr von Wildschäden recht groß. Ohne das Eingreifen des Jagdpächters, der vom Waldrand aus auf Rehe, Wildschweine und weiteres Niederwild im Feld anlegt, müssten die Landwirte mit Ausfällen rechnen, die Schäden in den Kulturen würden zunehmen, sagt Flörke. Für die Jagdgenossenschaft ginge die Einrichtung eines Waldfriedhofes mit einer spürbaren Reduzierung des Jagdwertes der Reviere einher, die Pachteinnahmen würden sinken und die Wildschäden sehr deutlich steigen. (Antje Thon)

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