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Starke Afghanin will Veränderung

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Von: Jacob von Sass

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Lebt seit Kurzem in der Unterkunft Pommernkaserne: Parwana Amiri kam aus Afghanistan über Moria nach Wolfhagen.
Lebt seit Kurzem in der Unterkunft Pommernkaserne: Parwana Amiri kam aus Afghanistan über Moria nach Wolfhagen. © jakob von sass

Geflüchtete Parwana Amiri lebte im ehemaligen Elendscamp Moria.

Wolfhagen – Sein Heimatland aus Angst vor Verfolgung und Gewalt verlassen – eine schreckliche Vorstellung. So geht es laut den Vereinten Nationen (UN) aber Millionen von Menschen auf der Erde. Unter ihnen ist auch die 18-jährige Parwana Amiri, die ihre Heimat Afghanistan 2018 verlassen musste und mittlerweile seit fünf Monaten in der Unterkunft für Geflüchtete in Gasterfeld lebt.

„Ich bin aus Afghanistan geflohen, weil mein Vater vor Ort große Probleme hatte und verfolgt wurde. Daher musste ich und meine Familie das Land auch Hals über Kopf verlassen und wir konnten keine legalen Papiere für eine normale Ausreise benutzen“, berichtet Amiri. Über Pakistan und den Iran ging es für sie in die Türkei, wo sie gut anderthalb Jahre lebte. Im September 2019 ging es dann weiter auf die griechische Insel Lesbos in das ehemalige Geflüchtetencamp Moria.

„Da herrschten menschenunwürdige Zustände. Es war eine extrem schreckliche Situation in Moria. Es gab kaum humanitäre Hilfe für die Menschen im Camp. Die Leute vor Ort wollten einfach nur überleben“, stellt die 18-Jährige klar. Hier kam Amiri das erste Mal auf die Idee, die Geschehnisse im Geflüchtetencamp zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: „Lange wurden Journalisten von den Campleitern nicht hereingelassen, um zu verhindern, dass über die schlechten Verhältnisse berichtet wurde. Deshalb habe ich über Social Media selbst versucht auf uns Geflüchtete in Moria aufmerksam zu machen.“

Abgebrannt: Die menschenunwürdigen Zustände in Moria. Hier nach einem Feuerausbruch im März 2020.
Abgebrannt: Die menschenunwürdigen Zustände in Moria. Hier nach einem Feuerausbruch im März 2020. © manolis lagoutaris/afp

Der Situation geschuldet entstanden in Moria auch die bekannten „Letters to the World from Moria“, die Amiri schrieb. Diese konnte sie allerdings nicht unter ihrem Namen veröffentlichen, da sie Repressionen der griechischen Behörden fürchtete. In den Briefen geht es vor allem um das Alltagsleben der Geflüchteten im Camp, das später abbrannte, insbesondere von Frauen, Transsexuellen und anderen unterdrückten Minderheiten.

Auch wenn sich ihre eigene Situation, seitdem sie in Wolfhagen ist, verbessert hat, möchte sie weiterhin für die unterdrückten Geflüchteten kämpfen und ihnen eine Stimme verleihen: „Ich möchte den Menschen in Europa die schlechte Situation an den europäischen Außengrenzen ins Bewusstsein rufen.“ Hierfür organisiert sie unter anderem Ausstellungen über Moria oder nimmt selbst an Podiumsdiskussionen teil.

Besonders wichtig ist ihr, dass die europäische Geflüchtetenpolitik neu gedacht wird: „Da muss sich wirklich viel ändern, damit sich die Situation der Menschen verbessert.“ (Jakob von Sass)

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