Neue Initiative „Wir für Nordhessen“ will Künstlern mit Fotokalender helfen

Lichtkunst fließt in Hilfsprojekt für gebeutelte Kulturszene

Mystisch leuchten die Helfensteine am Dörnberg im Licht der Künstler.
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Mystisch leuchten die Helfensteine am Dörnberg im Licht der Künstler.

Das Coronavirus setzt der Kunst - und Kulturszene heftig zu. Mit einem kreativen Konzept versucht eine Initiative aus Kassel und der Region Künstlern und Vereinen zu helfen.

Wolfhager Land – „Wir wollen uns aus dem Würgegriff von Corona befreien“, erklärt Andreas Weber, Sprecher der neuen Initiative „Wir für Nordhessen“, die Künstlern und Vereinen in der Region während und nach Corona auf die Beine helfen will. Der Kasseler Künstler ist durch seine Lichtinstallationen „Stars für eine Nacht“ bekannt geworden, bei denen Sehenswürdigkeiten, Naturwunder und besondere Orte, die eine Geschichte erzählen, durch künstliche Beleuchtung stilvoll und plastisch in Szene gesetzt werden. Die Illuminierung der Helfensteine in Zierenberg, der Burgruine Homberg, der Scharfensteine in Gudensberg, des Alheimer Turms, der Stiftsruine in Hersfeld, der Löwenburg in Kassel oder sogar der Zugspitze spielen eine wichtige Rolle bei dem Hilfsprojekt, das er mit rund zehn Gleichgesinnten aus der Region vor ein paar Wochen gestartet hat. Die Lichtkunstobjekte schmücken einen Kalender, der im März gedruckt wird. „In Zeiten von Corona, wo viel Gewohntes aus den Angeln gehoben wurde, kann ein Kalender auch mal mitten im Jahr starten“, meint Weber.

Die Erlöse des Kunstkalenders sollen im besonderen Maße von Corona betroffenen Menschen, Firmen und sozialen und kulturellen Projekten, sowie den Schülern in den nordhessischen Landkreisen zugutekommen, wie zum Beispiel dem Seelenhaus in Eschwege, den ViKoNauten in Kassel oder dem Kasseler Musiker Thomas „Stolle“ Stolkmann, der Drogenprävention an Schulen anbietet und selbst zur Initiative gehört. Als Nächstes sind digitale Formate geplant, wie eine Nordhessische Late-Night-Show oder auch schlicht die Verlosung von Karten für Fußballspiele der Jugendabteilung des Hessen-Kassel mit heimischer Auswahl. Der Hessen-Kassel hat seine Unterstützung bereits zugesichert. Der regionale Zusammenhalt soll auch in der Nach-Coronazeit nicht enden. „Wenn Corona es ermöglicht, wollen wir erst richtig loslegen“, freut sich Andreas Weber.

Angedacht ist die Gründung eines Vereins oder einer ähnlichen Konstruktion. Die guten Ideen der Künstler begeistern Firmen, die sich spontan als Sponsoren zur Verfügung stellen. „Viele Unternehmen sind bisher gut durch die Krise gekommen und wollen dafür etwas an die Region zurückgeben“, so Weber. Damit sei der lokale Kreislauf geschlossen: „Die Erlöse der Projekte fließen ausschließlich zurück in die Region. Die identifikationsstiftenden Inhalte spiegeln die Verbundenheit zu Nordhessen wider und stellen Mensch und Region in den Fokus.“

Immer wieder blitzen Lichter zwischen den Helfensteinen am Dörnberg auf, die sich gespenstisch gegen den Abendhimmel abzeichnen. Späte Spaziergänger bleiben stehen, schauen hinauf und wundern sich. Es ist jetzt richtig dunkel geworden. Der Weg zu den Steinen ist verschneit und rutschig, es weht ein eiskalter Wind, durch den Wortfetzen von Walkie-Talkies zu hören sind. Lichtkünstler Andreas Weber, sein Kollege Stephan Hartmann und dessen Tochter Lisa Hartmann sind schon vor Einbruch der Dunkelheit mit ihrem Material mühsam auf den Berg geklettert.

Die Kamera, die die besonderen Lichtmomente einfangen soll, steht auf dem Stativ bereit. „Wir haben hier den idealen Standort gefunden“, sagt Andreas Weber, der sich immer wieder die eiskalten Hände reibt. „Handschuhe können wir bei unserer Arbeit leider nicht anziehen“, sagt er. Während er immer wieder auf das Display seiner Kamera schaut dirigiert er per Funk die beiden Hartmanns, die mit Hochleistungslampen auf dem Berg unterwegs sind. Am Kopf tragen sie Stirnlampen.

Schon ohne die künstliche Beleuchtung bieten die Helfensteine einen wunderbaren Blick hinab zu den Lichtern der Städte und Dörfer. Wie das Rot eines Sonnenuntergangs leuchten die Lichter von Kassel im Hintergrund der Felsen, die als Kulisse für die Inszenierung dienen. Sie werden jetzt von Stephan Hartmann mit einer weißen und roten Lampe angestrahlt, die aussieht wie eine monströse Taschenlampe. „Gib mehr Weiß dazu“, ruft Weber Hartmann zu und ein rosaroter Schimmer lässt die Helfensteine wie eine märchenhafte Landschaft aus der Barbiewelt wirken. Die Männern lachen, das gefällt ihnen nicht. Sie beratschlagen weiter: „Blau und Grün zum Charakter der Steine“, meint Weber und beide einigen sich schließlich auf Blau. Und tatsächlich passt es wunderbar. Die Felsen heben sich mystisch und geheimnisvoll gegen den nächtlichen Himmel ab und werden zu Stars dieser eiskalten Nacht. (Bea Ricken)

wir-fuer-nordhessen.de porträt

Die Weidelsburg im Licht der Künstler.
Die skurrile Kamineiche wurde im nächtlichen Reinhardswald illuminiert.
Der Standort für die Kamera hat Andreas Weber bereits gefunden. Jetzt dirigiert er seinen Kollegen mit den Lichtern an die richtige Position auf den Helfensteinen.

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