Protest gegen das Vorgehen der GNH

Stationäre Versorgung in Wolfhagen ausgesetzt: „Das ist eine ganz perfide Aktion“

+

Aus Anlass der jüngsten Entwicklungen hatte der Förderverein Kreisklinik Wolfhagen zu einer Mahnwache aufgerufen. Zahlreiche Menschen beteiligten sich an der Aktion und forderten den Erhalt der Klinik.

Die Reaktion auf die spontan einberufene Aufsichtsratsitzung der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) am Donnerstag und die für Freitag anberaumte Mitarbeiterversammlung ließ nicht lange auf sich warten. Etwa 200 Menschen hatten sich am Freitagmorgen vor dem Wolfhager Krankenhaus versammelt. Zu diesem Zeitpunkt war die drohende Schließung von Teilen der Klinik noch ein Gerücht. Ein Gerücht, das sich im Laufe des Tages als Tatsache bestätigen sollte.

Mängel beim Brandschutz sind der Grund für das unerwartete Aus der stationären Versorgung. Und diese Unzulänglichkeiten sollen so gravierend sein, dass sie ein sofortiges Handeln erforderlich machten, wird es später seitens der GNH heißen.

Was der unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Donnerstag tagende Aufsichtsrat konkret beschlossen hat, wusste zum Zeitpunkt der Mahnwache niemand. Eines war den Teilnehmern der Protestaktion, unter ihnen auch zahlreiche Mitarbeiter der Klinik, aber klar: Der Brandschutz ist an den Haaren herbeigezogen. „Das ist eine ganz perfide Aktion“, sagte Wolfgang Hanske, einer der Vorsitzenden des Fördervereins Kreisklinik Wolfhagen, der zur Mahnwache im Vorfeld der Mitarbeiterversammlung aufgerufen hatte und der zu den Menschen sprach, die sich auf dem Klinikgelände zusammengefunden hatten.

Weil es durch die Bemühungen des Landkreises Kassel für den Erhalt der Klinik eine Lösung hätte geben können, habe der GNH-Aufsichtsratsvorsitzende Christian Geselle nun eine andere Möglichkeit gewählt, die Wolfhager Klinik platt zu machen und einen Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen, sagte Hanske. Sein Vereinskollege Dieter Schrader bezeichnete das Vorgehen als „politischen Amoklauf“ und erhielt dafür Applaus aus der Menge.

Auch Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake meldete sich zu Wort und sprach von einem massiven Vertrauensbruch. Geselle, der zugleich auch Oberbürgermeister der Stadt Kassel ist, habe mit seiner Aktion die Zusammenarbeit zerschlagen, die es zwischen Stadt und Kreis neben der Gesundheitsversorgung auch in anderen Bereichen gibt. Erst vor wenigen Wochen habe die GNH beim Kreis einen Bauantrag zur Beseitigung von Mängeln beim Brandschutz gestellt. In dieses Verfahren ist auch die Stadt Wolfhagen als Beteiligte eingebunden. „Deshalb bin ich sehr überrascht, dass die Klinik nun wegen Brandschutzmängeln geschlossen werden soll“, zeigte sich der Rathauschef entrüstet.

SPD-Landtagsabgeordneter Oliver Ulloth distanzierte sich deutlich von Christian Geselle. „Herr Geselle hat zwar mein Parteibuch. Aber er ist kein Sozialdemokrat.“ Wieder lautstarke Zustimmung. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden gehe es gar nicht um die Frage, ob die Wolfhager Klinik in der GNH bleiben könne, sondern ob sie überhaupt weiter bestehen dürfe. Ulloth und auch die anderen Redner riefen dazu auf, weiterhin für den Erhalt der Klinik zu kämpfen. Einige Minuten vor Beginn der Mitarbeiterversammlung fuhr Christian Geselle in einem dunklen Wagen an den Teilnehmern der Mahnwache vorbei. Ohne anzuhalten, ohne den Blick in Richtung der Demonstranten zu wenden. Einige der Protestler reckten den Mittelfinger, viele schickten dem Fahrzeug Pfiffe und Buh-Rufe hinterher. Geselle betrat die Klinik bei seinen gestrigen Besuch über den Lieferanteneingang.

Unterdessen wandte sich Dieter Schrader, ebenfalls Vorsitzender des Fördervereins, noch einmal an die Teilnehmer der Mahnwache. Wenn man Wolfhagen dichtmachen wolle wegen Mängeln beim Brandschutz, „dann müsste man in Kassel Haus 8 und die Klinik in Arolsen sofort evakuieren“. Solidarisch mit den Wolfhagern zeigte sich Marjana Schott, stellvertretende Landesvorsitzende der Linken in Hessen. Beim Brandschutz gebe es ihres Wissens keine akute Gefahr, die die Schließung der Kreisklinik rechtfertige.

Am heutigen Samstag wird es auf dem Marktplatz in Wolfhagen erneut eine Mahnwache geben, auf der ab 11 Uhr die neuesten Entwicklungen zur Klinik bekannt gegeben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.